Bis zu 35.600 Euro darf die Stadt ausgeben, damit das denkmalgeschützte Lichtspielhaus wieder „zugänglich“ wird. Weil Fachleute eine Asbestbelastung in dem aus dem Jahr 1928 stammenden Bau gefunden haben, ist derzeit das Betreten des Gebäudes verboten. Der Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) hat dem Verwaltungsvorschlag trotz etlicher Bedenken mehrheitlich zugestimmt.
Schramberg. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sprach zu Beginn der Debatte von einem „herausragenden Gebäude im Stil der neuen Sachlichkeit“. Es sei ihr „ein großes Anliegen, das Gebäude für Aktivitäten wieder zugänglich zu machen“. Sie begrüßte einige Mitglieder des Fördervereins in der Sitzung. Sie sei froh, dass die Bauverwaltung nun einen Weg gefunden habe, wie man das Gebäude wieder betreten kann, auch wenn das „nicht ganz billig“ sei. Die Stadt hatte das Lichtspielhaus wegen der Asbestbelastung Ende 2025 sperren müssen.
Aufwändige Reinigung
Etienne Seif, Abteilungsleiter Hochbau, fand es ebenfalls „sinnvoll, das Gebäude wieder zugänglich zu machen“. Man habe Fachfirmen angesprochen und um Vorschläge gebeten, wie man das Gebäude so reinigen könne, dass man danach die Räumlichkeiten wieder nutzen kann. Dazu müssten Fachleute zunächst im gesamten Gebäude Asbestmessungen ausführen, um zu sehen, wie weit die Belastung sich ausgebreitet hat. Dann könne man entscheiden, „wie weit die Reinigung gehen muss, damit man ins Gebäude gehen kann“.

Die Reinigung würden ausgebildete Fachkräfte in Schutzanzügen übernehmen. Sie würden die Asbestfasern absaugen und Elemente entfernen, die Asbest enthalten können. Das seien etwa Textilbespannungen, Vorhänge oder Deckenelemente. In denkmalgeschützte Dinge werde man aber nicht eingreifen, betonte Eisenlohr.
Eingeschränkte Nutzung mit Auflagen
Das Problem: „Auch nach der Reinigung werden Schadstoffe im Gebäude sein“, so Seif. Nur eben nicht freigesetzt. Das bedeutet, sobald irgendwo gebohrt, etwas verschoben, abgebrochen würde, könnten wieder Asbestfasern freigesetzt werden. Die Nutzung des Gebäudes sei nur „eingeschränkt möglich“, so Seif in seiner Vorlage. Vor möglichen Veranstaltungen müssten diese mit der Verwaltung abgesprochen werden. Man werde den Veranstaltern „gewisse Vorgaben“ machen müssen.

Zu den Kosten erläuterte Seif, würde sich die Reinigung auf den in erster Linie betroffenen Tresorraum, den Flur und den Saal beschränken, würde dies mindestens 12.000 Euro kosten. Weitere 5600 Euro gingen an die Experten für Messungen vor der Reinigung und eine anschließende Freimessung. Würden die Experten bei der Messung weitere kontaminierte Räume finden, könnte die Reinigung bis zu 30.000 Euro zuzüglich der Messkosten, also 35.600 Euro kosten.
Debatte um Sinnhaftigkeit
Susanne Andreae (SPD-Buntspecht) hatte wie viele Kindheitserinnerungen an das Lichtspielhaus. Sie frage sich aber, welche eingeschränkte Nutzung denn sinnvoll und möglich wäre. Auch wollte sie wissen, ob die – stoffbespannten – Kinositze, die noch vorhanden seien, ebenfalls entfernt werden müssten. Auch in der Wohnung oben befänden sich Textilbespannungen. Sie bezweifle, dass das Lichtspielhaus nach der Reinigung wieder genutzt werden kann.
Seitz bestätigte, dass auch die Kinositze betroffen sein könnten.

Emil Rode (Freie/Neue Liste) erklärte, es sei ein schönes Gebäude. „Aber wo setzen wir die Grenzen?“ Er sorge sich, dass die Stadt „ein Fass aufmachen“ werde, „bei dem wir den Boden nicht mehr sehen.“ Er befürchte ein „Finanzgrab“ und riet, lieber „ein Schloss dran“ zu machen und das Lichtspielhaus geschlossen zu lassen.
Eisenlohr versicherte, solange sie „hier noch sitze“, werde es kein Finanzgrab. In der nächsten Beratungsrunde werde die Verwaltung Vorschläge unterbreiten, wie sie sich den Verkauf von städtischen Gebäuden vorstelle. Dabei sei auch das Lichtspielhaus, für das eine Erbpachtlösung oder der „Verkauf in gute Hände“ möglich wäre. Die für eine Generalsanierung erforderlichen Millionen habe die Stadt sicher nicht, so Eisenlohr.

Kein Wasser, kein Strom, keine Heizung im Gebäude
Michael Melvin (CDU) erinnerte daran, dass es kein Wasser, keinen Strom, keine Heizung und keine Toiletten im Gebäude mehr gebe. „Da sei es „vorprogrammiert, dass es Mehrkosten gibt“. Er wunderte sich, dass die Stadt einerseits bei einer Ausstellungseröffnung an „40 Brezeln ohne Butter“ spare, nun aber für die Reinigung so viel Geld auszugeben bereit sei.
Mirko Wittkowski (SPD/ Buntspecht) forderte, man müsse alles tun, damit das Gebäude weiter genutzt werden kann. Er erkundigte sich nach den ursprünglichen Ideen, das Lichtspielhaus als Mensa oder Aula beim Schulcampus zu verwenden. Die aktuellen Pläne der Architekten sähen seit 2020 vor, dass Mensa und Aula alle im neuen Gebäude integriert seien, erläuterte Eisenlohr.

Weiter wollte Witkowski wissen, wie lange denn die Reinigung vorhalten werde. Es komme darauf an, wie man mit dem Gebäude umgehe, erwiderte Seitz. Wenn es keine weiteren Beschädigungen gebe, könne auch nichts freigesetzt werden.
Thomas Brugger (CDU) forderte schließlich einen Kostendeckel und fragte, inwiefern sich der Förderverein an den Kosten beteiligen könne. Der Kostendeckel liege bei 35. 600 Euro, versicherte Eisenlohr.
Gegen die Schadstoffreinigung stimmten schließlich Patrick Flaig (CDU) und Susanne Andreae, acht Ausschussmitglieder votierten mit ja.


