Szene 64 und Kulturbesen: Zoff um Zuschuss im Gemeinderat

Wunsch nach Transparenz und Gleichbehandlung

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Wer hätte das gedacht: Nach vielen Jahren brachen im Gemeinderat alte Grabenkämpfe um die Szene 64 wieder auf. Anlass war der Plan, die beiden Vereine Kulturbesen und Szene 64 zusammenzufassen, und die frühere Kulturbesenveranstaltungen in der benachbarten Szene 64 fortzusetzen. Streit gab es darum, ob der künftige Zuschuss an die Szene 64 mit gewissen Auflagen verbunden wird und ob die Stadt zusätzlich einen Fonds für besondere Veranstaltungen einrichten soll.

Schramberg. Zunächst hatte Fachbereichsleiterin Susanne Gwosch berichtet, dass sich der Kulturbesen „großer Beliebtheit“ erfreue. Letztes Jahr habe der Verein vor dem Aus gestanden, weil sich kein Vereinsvorstand mehr fand. Nun sei die Verschmelzung der beiden Vereine Kulturbesen und Szene 64 geplant. „Das Ziel ist, die tolle Veranstaltungsreihe in der Szene 64 fortzusetzen“, so Gwosch.

Vor Beginn der Debatte im Gemeinderat. Foto: him

Die Verantwortlichen erbitten einen Zuschuss von 1250 Euro je Veranstaltung und planten 16 Veranstaltungen pro Jahr, zusammen also 20.000 Euro. Bisher habe die Stadt für den Kulturbesen für die Miete und anderes etwa 35.000 Euro bezahlt.

Die Stadt habe die Räume im, Bau 50 an der Geißhalde zum Ende September gekündigt. Das Ende des Kulturbesens wäre ein großer Verlust für Schramberg. „Viele Leute aus der Region kommen deshalb nach Schramberg.“

„Schöner Präzedenzfall“

Als erster meldete sich „Aktive-Bürger“-Stadtrat Jürgen Reuter zu Wort: Er rechne damit, dass auch andere Veranstaltungen in dieser Höhe gefördert werden. Reuter ist Vorsitzender eines Vereins, der in der Alten St. Laurentiuskirche in Sulgen gelegentlich ebenfalls zu Konzerten einlädt. Sein Verein bekomme „für das ganze Jahr 1000 Euro“.

Der Zuschuss für die Szene 64 werde ein „schöner Präzedenzfall“ werden. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr verwies darauf, dass der Kulturbesen schon bisher gefördert wurde, es jetzt aber billiger werde „und es wird gut“.

ABBA-Show im Herbst 2015 im Kulturbesen. Archiv-Foto: him

Auch andere Vereine unterstützen

Die Sprecherin von SPD-Buntspecht Tanja Witkowski forderte, der Verein solle jährlich eine Abrechnung vorlegen. Sie schlug außerdem vor, die gesparten etwa 15.000 Euro in einen Fördertopf zu stecken, „um auch andere Vereine fördern zu können, die ein besonderes Kulturprojekt planen“. Ihrer Ansicht nach sei die geplante Ausfallbürgschaft für den Kulturbesen nicht erforderlich.

Diese Bürgschaft habe der Kulturbesen auch bekommen, aber nie genutzt antwortete Gwosch. Witkowski legte nach und verlangte, dass der Verein, wenn er Gewinn mache, diese an die Stadt abführen soll.

Help – Eine Beatles-Tribute Band gastierte im Herbst 2016 im Besen. Archiv-Foto: him

Alle können Anträge stellen

Clemens Maurer (CDU) ging davon aus, dass der Verein sowieso seine Zahlen vorlegen müsse, weil er vom Rechnungsprüfungsamt geprüft werde. Der Fonds sei nicht nötig, mache nur zusätzliche Bürokratie. Die Vereine könnten doch über die Vereinsförderrichtlinien Zuschüsse beantragen.

Reinhard Günter (SPD-Buntspecht) erklärte, der Kulturbesen sei in der Vergangenheit „nicht wie jeder andere Verein“ behandelt worden, weil er etwas besonderes, über das übliche hinausgehendes geboten habe. Die Idee seiner Fraktion sei, dass Vereine, die eine ähnliche Reihe planten, ebenfalls unterstützt werden können.

„Keine Notwendigkeit“ für einen solchen Fonds sah Dominik Dieterle (CDU). Jeder Verein könne einen Antrag stellen. Auch Udo Neudeck (Freie Liste) verwies auf die Vereinsförderrichtlinien. Wenn eine Reihe zur Tradition werde, könne man mit der Stadt einen Vertrag schließen. Witkowski fand, es gehe um 16 besondere Projekte, für die man jeweils 1250 Euro bewillige. So etwas hätten andere Vereine eben nicht.

Zum Jahresende immer wieder zu Gast: „Soul Machine“ Hier ein Foto aus dem Jahr 2013. Archiv: him

Kulturbesen auch gut fürs Stadtmarketing

Eisenlohr erinnerte daran, dass es nach der Ankündigung des Besen-Endes „extrem viele Rückmeldungen von außen“ gegeben habe. Der Kulturbesen sei auch wichtig für das Stadtmarketing.

Ralf Rückert (Freie Liste) fand ebenfalls, der Kulturbesen sei etwas anderes, weil er nur Kulturveranstaltungen organisiere. „Das sollten wir wertschätzen.“

Betrübliche Debatte

Jürgen Kaupp (CDU) verstand die ganze Diskussion nicht: Seit 2006 habe die Stadt dem Kulturbesen immer die Gelder bewilligt. Bei der Szene 64 werde es ein Problem? Sein Fraktionskollege Jürgen Winter nannte die Diskussion „betrüblich“. Statt „Super, wir danken euch“ zu sagen, werde gekrittelt.

Plakat aus dem Jahr 2008. damals noch im Bruckbeck zu Hause Archiv-Foto: him

Witkowski schoss zurück: Es sei seltsam, was die CDU aus ihrem Vorschlag mache. Es gebe „auch andere kulturelle Vereine, die dasselbe Ziel“ hätten. Sie fand es nicht abwegig, darüber zu diskutieren. Sie habe nicht gefordert, den Kulturbesen abzuschaffen, im Gegenteil.

Transparenz

Ihre Fraktion wolle Transparenz. Auch andere Vereine müssten schließlich Abrechnungen vorlegen. CDU-Sprecher Thomas Brantner bedauerte den „Zungenschlag“. Die CDU wolle bei allen Vereinen die gleichen Bedingungen.

Bei der anschließenden Abstimmung über den Änderungsantrag von SPD-Buntspecht, dass der neue Verein für die Veranstaltungen Abrechnungen vorlegen muss, stimmte eine knappe Mehrheit (CDU und Freie Liste) dagegen. Winter enthielt sich. Dass die Reihe fortgesetzt werden und die Stadt mit dem Verein eine Vereinbarung abschließt, beschloss der Rat schließlich einstimmig.

Die Schramberger Band Oldnews wird im neuen Kulturbesenprogramm dabei sein. Foto: privat

Fusion beschlossen

Ganz ohne Zoff dagegen haben sich die beiden bisherigen Vereine zusammengeschlossen. In zwei getrennten Versammlungen beschlossen die Mitglieder des Kulturbesen- und des Szene-64-Vereins am Mittwoch jeweils einstimmig den Zusammenschluss. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.