Eine Stadtschreiberin, die boxt

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Wie ein Team sehen sie aus, munter und bereit zu Entdeckungen: Der Spatz auf dem Kopf eines Rottweilers, den die neue Stadtschreiberin geschickt hat. Nicht zuletzt ist die virtuelle Postkarte humorvoll und selbstironisch. Denn die Versenderin spielt mit ihrem Namen: Statt Spatz kann man auch Sperling sagen.

 

Und wenn man mit Ika Sperling spricht, bekommt man den Eindruck, dass die Karte passt. Dass sie ein humorvoller, umgänglicher Mensch ist. Ja, dass es durchaus klappen könnte wie dargestellt mit dem Spatz und dem Rottweiler, mit dieser Stadtschreiberin und der Stadt.

Im Gespräch sehr humorvoll: Ika Sperling: Foto: pm

Selbstverständlich ist das nicht. Manche der 22 Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber seit 2001 bleiben nach ihrem Dreimonatsstipendium mit Kost und Logis im Konvikt Rottweil verbunden, kommen wieder und verarbeiten sogar Rottweiler Themen – etwa Julia Willmann (2017), die ein bezauberndes Kinderbuch über die Fasnet geschrieben hat. Oder Johann Reißer (2014), den das Thema Pulverfabrik nicht mehr loslässt. Andere sind hinterher einfach weg und wurden teils nie warm mit dem Städtle.

Bei Ika Sperling, Jahrgang 1996, stehen die Chancen gut, dass sie der erstgenannten Gruppe beitritt. Über Rottweil spricht sie jedenfalls schon jetzt hellauf begeistert. „Fotos der Stadt im Internet haben mir sofort gefallen“, erzählt sie im Gespräch mit der NRWZ. An die Bilderbuch-Touristenhochburg Rothenburg ob der Tauber hätten sie die Aufnahmen erinnert. Ein WG-Mitbewohner aus der Rottweiler Gegend hat offenbar keinen schlechten Eindruck hinterlassen. „Und außerdem finde ich alle Hunde ganz süß“, fügt sie als drittes Pro-Rottweil-Argument lachend hinzu. Das sieht man ihrem aquarellierten vierbeinigen Rottweiler sofort an – dem Sperlingschen Exemplar traut man jedenfalls keine Negativ-Schlagzeilen zu, die es über diese Hunde ja gelegentlich leider auch geben soll.

Viel Neugier bringt Ika Sperling mit für ihre Stadtschreiber-Wochen. Und einen neuen Schwerpunkt: Denn die 26jährige ist Grafikerin und Comicautorin. Sie erzählt ihre Geschichten nicht vor allem mit Buchstaben und Text, sondern mit einer Abfolge von Bildern. Geschult hat sie diese Technik, die unter dem Label „Graphic Novel“ in den vergangenen Jahren auch im deutschsprachigen Raum enorm an Popularität gewonnen hat, bei einem Illustrations-Studium in Hamburg.

Im Aquarellstil illustriert Ika Sperling derzeit – sie hat aber auch ganz andere Stilarten im Repertoire. Illustration: Ika Sperling

Feuer gefangen für diese Kunstgattung hat Ika Sperling allerdings schon in der Schulzeit. „Am Rand von Heften habe ich immer gezeichnet“, erinnert sie sich. Auch beim Jobben an der Garderobe eines Mainzer Kulturclubs vertrieb sie sich so die Zeit. Seither hat sie ihr Können perfektioniert und Stile ausprobiert. Von Anleihen bei Robert Crumb, der mit cartoonartigem Strich satirische Geschichten kreiert, über bunte Tusche, bis zu Fassadenfarbe, der sie mit Bleistift eine abgewitterte Aura gibt.

Ihre erste eigene Graphic Novel, die 2024 beim Verlag reprodukt erscheinen soll, hat sie in einer durchscheinenden Aquarell-Anmutung kreiert. Dieses Werk ist fast fertig – und soll, so jedenfalls der Plan, in Rottweil über die Ziellinie gehen. Die Bildteile – übrigens komplett analog erstellt, ganz ohne digitale Technik – sind abgeschlossen. „Gerade bin ich dabei, mit Hand-Lettering die Texte einzufügen“, berichtet Ika Sperling.

Aber es bleibt noch einiges zu tun. Unter anderem ist sie mit dem Titel noch nicht im Reinen.  Vielleicht bleibt es bei „Die Lösung“, vielleicht aber auch nicht. Das Thema jedenfalls hat es in sich: Es geht um Verschwörungsideologien – mehr will die Autorin und Zeichnerin aktuell freilich noch nicht verraten.

Durchblicken lässt sie hingegen, dass sie für zwei ihrer Hobbies in Rottweil Anlaufstellen sondiert: Thai Boxen und Töpfern. „Mit dem Boxsportverein stehe ich schon in Kontakt“, erzählt Sperling. Beim Töpfern läuft der Such-Radar noch. Aber es ist ja auch noch etwas Zeit, bis sie in Rottweil richtig loslegt. Und sich dann zeigen wird, ob die Stadt und ihre neue Stadtschreiberin so harmonieren, wie es die heitere Voraus-Postkarte mit Hund und Spatz hoffen lässt.

Info: Am 19. September um 19.30 Uhr wird Ika Sperling im bischöflichen Konvikt in ihr Amt eingeführt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

Die Stadtschreiberin bietet im Rahmen der „offenen Jugendschreibwerkstatt der Volksbank“ einen Workshop zum Thema „Comics – Erzählen mit Bildern und Zeichnungen“ an. Dieser beginnt am26. September um 19 Uhr im Konvikt statt. Anmeldung unter Tel. 0741/5327-0 oder [email protected].

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