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Rottweiler Kapellenturm bald ohne Gerüst

Letzte Arbeiten wurden am Rottweiler Kapellenturm jüngst ausgeführt. Foto: al
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Am Kapellenturm wurden gerade wichtige Arbeiten abgeschlossen. Bis zu den Sommerferien soll das Wahrzeichen frei von Gerüsten sein. Das erfuhr die NRWZ auf Nachfrage vom betreuenden Architekten Nikolai Ziegler.

Rottweil – Ziegler gehört zum Team von AeDis, einem auf die Bearbeitung bedeutender Kulturobjekte spezialisierten Zusammenschluss von Architekten, Restauratoren und Handwerkern mit Sitz in Ebersbach-Roßwälden nahe Kirchheim/Teck. AeDis hat schon illustre Objekte wie die Basilika Weingarten und Schloss Salem betreut.

Der Rottweiler Kapellenturm reiht sich als „Kulturdenkmal von Nationalem Rang“ gut in diese illustre Reihe ein. Die jüngste, umfassende Renovierungsphase kommt gerade zum Abschluss. Eine der letzten Arbeiten bestand im Abdichten der Umgänge. Sie sind von unten an den Geländern zu erkennen, die die Geschosse voneinander trennen.

Die Umgänge wurden mit Bleiplatten ausgekleidet. Foto: al

„Diese exponierten Stellen waren schon zur Bauzeit neuralgische Punkte“, berichtet Nikolai Ziegler im Gespräch mit der NRWZ. Da es sich nicht um Dachflächen mit konventioneller Wasserableitung handelt, sondern um beinahe ebene Bauteile ließen sich die Bauleute allerhand einfallen: Mit besonderer Auskleidung, aufwändiger Verfugung und allerlei Kniffen gelang es lange, das Wasser über die Wasserspeier abzuleiten.

Ganz oben bieten sich großartige Detail-Ansichten. Foto: al

Im 20. Jahrhundert versuchte man fortschreitender Verwitterung und dem ins Mauerwerk eindringenden Wasser dadurch Herr zu werden, dass man die Flächen mit Flüssig-Kunststoff versiegelte. Mit mäßigem Erfolg. Denn diesem Material setzt UV-Strahlung schnell zu. „Es wird spröde, wirft Blasen und reißt bei Bewegungen des Baukörpers auf“, erläutert Architekt Ziegler.

Bis zu fünf Lagen übereinander fanden die Fachleute von AeDis, als sie vor bald fünf Jahren den Zustand des Kapellenturms bis ins Detail analysierten. Angesichts aller gesammelten Erfahrungen entschied man sich für ein klassisches Verfahren: Eine Abdichtung mit Bleiplatten.

Die Platten schützen das Mauerwerk auf den Umgängen nun langfristig gegen Wasser. Foto: al

Dies ist zwar wegen des als umweltschädlich bewerteten Materials nur eingeschränkt möglich, im Denkmalschutz aber erlaubt. Unter Abwägung aller Gesichtspunkte kam das AeDis-Team zur Auffassung: „Es ist für das Bauwerk die denkbar beste Lösung: für die Anforderungen optimal geeignet und sehr dauerhaft“, unterstreicht Architekt Ziegler.

Dass er für die Ausführung der Lösung, die übrigens auch für den Hochturm gewählt wurde, die Rottweiler Firma Metallgestaltung Reinhard Müller Mit Sitz im Neckartal gewinnen konnte, nennt Ziegler „einen Glücksgriff“. Die Aufgabe erfordere hohes handwerkliches Geschick. Inhaber Reinhard Hoffmann und sein Team hätten tolle Arbeit abgeliefert, unterstreicht der Architekt und schwärmt von „wunderschönen Details“.

Detailarbeit – fachmännisch ausgeführt. Foto: al

Nach Abschluss dieser Maßnahme kann der Turm nun zeitnah abgerüstet werden. Am meisten Zeit erfordert bis dahin der Taubenschutz im Bereich der Skulpturen. Ist der gegeben, fallen die Hüllen vollends. „Bis zu den Sommerferien steht er frei“, sagt Architekt Ziegler entschlossen.

Die Sachen packen kann das Expertenteam dann jedoch nicht, denn als nächstes geht es an die Sanierung des Kirchenschiffs. Ein großer, weithin sichtbarer und symbolträchtiger Teilschritt ist mit dem Abgerüsten des Turms bis zum Sommer jedoch zweifellos gemacht.

Bis zu den Sommerferien ohne Gerüst: der Rottweiler Kapellenturm. Foto: al
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