Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bringt für Fans in Deutschland einige Besonderheiten mit sich: Viele Spiele laufen abends oder nachts, Public Viewings unterliegen einer neu geregelten Genehmigungspflicht, und beim Ticketkauf drohen Betrugsfallen. Ein Überblick über die wichtigsten Regeln und Tipps – auch auf Grundlage von Einschätzungen von ARAG-Rechtsexperten.
Viele Spiele laufen abends – was bedeutet das für Fans?
Die Fußball-WM 2026 findet vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko statt. Der früheste Anstoß eines Spieltags liegt um 18 Uhr deutscher Zeit, der späteste um 6 Uhr morgens. Alle drei Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft liegen dabei zwischen 19 und 22 Uhr, sodass deutsche Fans dafür keinen Wecker stellen müssen.
Wer die Partien gemeinsam beim Public Viewing verfolgen möchte, sollte wissen: Veranstaltungen nach 22 Uhr sind nicht automatisch erlaubt. Die Bundesregierung hat für die Übertragungen der WM-Spiele eine befristete Verordnung vorgelegt, die Ausnahmen vom Lärmschutz für Public-Viewing-Veranstaltungen vorsieht. Der Bundesrat hat dieser Regelung inzwischen formal zugestimmt. Die Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft und läuft am 31. Juli 2026 automatisch aus.
Einen Freibrief bedeutet das allerdings nicht. Die Verordnung schafft keine automatischen Erlaubnisse. Die zuständigen Behörden der Kommunen erhalten mehr Flexibilität, müssen aber im Einzelfall zwischen dem öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe abwägen. Einen Anspruch auf Public Viewing gibt es nicht – die Kommunen entscheiden jeweils im Einzelfall.
Im privaten Umfeld gelten ohnehin die üblichen Rücksichtnahmepflichten. Spontaner Jubel nach einem Tor gehört dazu – dauerhafte nächtliche Beschallung eher nicht.
Darf ich WM-Spiele am Arbeitsplatz schauen?
Einfach während der Arbeitszeit den Livestream auf dem Rechner laufen lassen? In den meisten Fällen keine gute Idee. Grundsätzlich entscheidet der Arbeitgeber, ob Fußballschauen während der Arbeitszeit erlaubt ist. Wer Spiele live verfolgen möchte, sollte rechtzeitig mit Vorgesetzten sprechen. Die ARAG-Rechtsexperten empfehlen, eine ausdrückliche Regelung zu vereinbaren – etwa in Form einer schriftlichen Betriebsvereinbarung. Ohne Zustimmung kann das eigenmächtige Schauen zu einer Abmahnung führen, insbesondere wenn die Arbeit darunter leidet.
Autokorso und Fahrzeugschmuck
Sollte Deutschland weit kommen, dürften auch wieder Autokorsos Thema werden. Dann gilt: Die Straßenverkehrsordnung bleibt die Straßenverkehrsordnung. Das heißt konkret: keine Fahrten ohne Gurt, keine Personen auf Motorhaube oder aus Fenstern heraus, keine Sichtbehinderung durch Fahnen oder Dekoration, kein Alkohol am Steuer. Fahnen und Banner dürfen die Fahrzeugbreite nicht überschreiten und nicht die Sicht behindern. Unsachgemäß befestigte Fahnen können im Schadensfall zu Haftungsrisiken führen. Grundloses Hupen bleibt zwar verboten, wird bei Fan-Korsos erfahrungsgemäß jedoch oft toleriert. Auch wenn bei Fan-Feiern manches großzügig gehandhabt wird: Im Zweifel drohen Bußgelder oder ernstere Konsequenzen.
Vorsicht beim Ticketkauf
Der Kauf von WM-Tickets findet ausschließlich online statt. Ein direkter Ticketverkauf an der Stadionkasse wird es bei der WM 2026 nicht geben. Kurz vor Turnierbeginn können noch verfügbare Karten im „Last Minute Shop“ auf der offiziellen FIFA-Website erworben werden.
Wer kurzfristig ein Ticket ergattern will, sollte besonders aufmerksam sein. Bei großen Sportereignissen häufen sich regelmäßig gefälschte oder überteuerte Angebote – vor allem in sozialen Netzwerken, auf dubiosen Verkaufsplattformen oder per Direktnachricht. Typische Warnzeichen laut ARAG-Rechtsexperten: auffällig günstige Preise, Druck zum schnellen Kauf, Zahlung per ungesicherter Vorkasse oder fehlende Originalunterlagen. Der sicherste Weg bleibt der Kauf ausschließlich über offizielle Verkaufsstellen der FIFA.
Wer ein Ticket nicht selbst nutzen kann, darf es in der Regel nur über offizielle Plattformen des Veranstalters übertragen. Private Verkäufe außerhalb dieser Systeme sind häufig unzulässig und können dazu führen, dass Tickets gesperrt werden – der Zutritt zum Stadion wäre dann trotz bezahlter Karte verweigert.
Reise zur WM: Welche Dokumente brauche ich?
Wer zur WM nach Nordamerika reisen will, sollte die Einreisebestimmungen frühzeitig prüfen. Für die USA benötigen deutsche Staatsangehörige eine elektronische Reisegenehmigung (ESTA), die online beantragt werden kann und rund 40 US-Dollar kostet. Die ARAG-Experten empfehlen, den Antrag mindestens drei Tage vor der Abreise einzureichen. Für Kanada ist eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA) erforderlich. Für Mexiko hingegen ist für touristische Kurzaufenthalte kein Visum notwendig.
Empfehlenswert ist außerdem die Eintragung in die Krisenvorsorgeliste „ELEFAND“ des Auswärtigen Amts: Dort hinterlegte Kontaktdaten ermöglichen es deutschen Behörden, Reisende im Notfall zu erreichen. Kopien aller wichtigen Dokumente – digital gesichert in der Cloud oder bei einer Kontaktperson zu Hause hinterlegt – können die Ausstellung von Ersatzdokumenten im Verlustfall erheblich erleichtern. Bei Problemen mit der Ausreise, Passverlust oder anderen Notfällen sind die deutschen Botschaften in Washington D.C., Mexiko-Stadt oder Vancouver die richtigen Anlaufstellen.
Das Wichtigste zur WM 2026
Public Viewing: Eine bundesweite Verordnung erlaubt Kommunen, Ausnahmen vom Lärmschutz für Veranstaltungen nach 22 Uhr zu genehmigen. Die Regelung gilt bis 31. Juli 2026. Ein Rechtsanspruch auf Public Viewing besteht nicht.
Am Arbeitsplatz: Nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Arbeitgebers erlaubt – im Zweifel schriftliche Regelung vereinbaren.
Ticketkauf: Nur über offizielle FIFA-Verkaufsstellen kaufen. Vorsicht bei Schnäppchenangeboten, Vorkasse-Forderungen und Kaufdruck.
Ticketübertragung: Nur über offizielle Plattformen zulässig – sonst droht Stadionzutritt verweigerung.
Einreise USA: ESTA-Genehmigung erforderlich, ca. 40 USD, mindestens 3 Tage vor Abreise beantragen.
Einreise Kanada: eTA erforderlich.
Einreise Mexiko: Kein Visum für deutsche Touristen notwendig.
Notfallvorsorge: In ELEFAND-Liste des Auswärtigen Amts eintragen, Dokumentenkopien sichern.
