Die Nachricht kam am Freitag und sorgt entlang der Gäubahn-Strecke für Erleichterung: Die Teilinbetriebnahme von Stuttgart 21 verschiebt sich erneut – diesmal auf Dezember 2030. Für das Pro-Gäubahn-Landesbündnis, das im März 2024 in Rottweil gegründet wurde, ist das zunächst eine gute Nachricht. Denn mit der Verschiebung ist auch die seit langem befürchtete Kappung der Gäubahn am Halt Stuttgart-Vaihingen vorerst vom Tisch.
„Für die Fahrgäste und Anlieger der Gäubahn ist das eine wirklich gute und erfreuliche Nachricht, die aufatmen lässt“, sagt Katja Rommelspacher von Pro Gäubahn Tuttlingen. Hendrik Auhagen von Pro Gäubahn Konstanz formuliert es zugespitzter: „Damit erweist sich die Unfähigkeit und Überforderung der Deutschen Bahn AG beim Bau von Stuttgart 21 erneut als Segen.“
Kappung nur verschoben, nicht gelöst
Doch das Bündnis warnt davor, sich auf dem Aufschub auszuruhen. Die von der DB geplante mehrjährige Unterbrechung der Gäubahn-Verbindung nach Stuttgart sei lediglich nach hinten verschoben, nicht verhindert. „Eine dauerhafte Lösung ist das noch nicht. Wir sollten nicht weiter auf die Inkompetenz der DB bei S21 vertrauen“, so Auhagen.
Als Schlüssel für eine dauerhafte Lösung sieht das Bündnis den sogenannten Kombibahnhofbetrieb: das Nebeneinander von bestehendem oberirdischen Kopfbahnhof und neuem S21-Tiefbahnhof in Stuttgart. Dieser ist im Rahmen der Teilinbetriebnahme ohnehin vorgesehen – allerdings nur als Provisorium. Das Bündnis fordert, diesen Betrieb dauerhaft beizubehalten.
Vier zentrale Forderungen an Politik und Deutsche Bahn
Konkret verlangt das Pro-Gäubahn-Landesbündnis von der Deutschen Bahn und der Politik, den Kombibahnhof als Dauerlösung zu etablieren und alle Pläne zur Demontage der oberirdischen Gleisanlagen zu stoppen. Zudem müsse der Sanierungsstau beim Kopfbahnhof und bei der innerstädtischen Panoramabahn abgebaut werden. Den geplanten Bau des Pfaffensteigtunnels bezeichnet das Bündnis als „unwirtschaftlich und unnötig“ und fordert dessen Stornierung. Stattdessen solle die Gäubahn dauerhaft über die Bestandsstrecke bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof geführt werden. Außerdem müsse die Strecke zwischen Horb und Tuttlingen endlich wieder vollständig zweigleisig ausgebaut werden, um Pünktlichkeit und Kapazität im Personen- und Güterverkehr zu verbessern.
„Paradigmenwechsel“ gefordert
„Statt weitere Milliarden Euro Steuergeld in zusätzliche Tunnel mit fragwürdigem Nutzen zu lenken, muss der Fokus auf dem liegen, was den Menschen entlang der Gäubahn wirklich nützt“, sagt Dr. Hans-Jörg Jäkel vom Gäubahnkomitee Stuttgart. Gemeint ist vor allem die seit Jahrzehnten versprochene Zweigleisigkeit auf der internationalen Magistrale zwischen Deutschland und der Schweiz.
Von der nächsten baden-württembergischen Landesregierung erwartet das Bündnis klare Initiativen für einen zukunftsfähigen Bahnverkehr im Raum Stuttgart – und eine Gäubahn, die ausgebaut statt für Stuttgart 21 zurückgebaut werde.
Das Pro-Gäubahn-Landesbündnis vertritt die Interessen der Bahnstrecke Stuttgart–Böblingen–Horb–Rottweil–Tuttlingen–Singen mit Anschluss Richtung Zürich und Konstanz. Zu den Mitgliedern zählen neben lokalen Gäubahn-Initiativen unter anderem die Deutsche Umwelthilfe, der BUND Baden-Württemberg, der VCD sowie Kreisverbände von Grünen und SPD aus der Region.


