Zum Internationalen Kindertag (1. Juni) zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK: Wenn Kinder krank werden, bleiben meist die Mütter zu Hause. Bundesweit wurden im Jahr 2025 fast drei Viertel aller Kinderkrankentage von Frauen genommen. Experten sehen darin ein Zeichen für die weiterhin ungleiche Verteilung von Familienarbeit.
Die Betreuung kranker Kinder liegt in Deutschland weiterhin überwiegend in den Händen von Frauen. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, die zum Internationalen Kindertag veröffentlicht wurde.
Demnach wurden im Jahr 2025 bundesweit 73 Prozent aller Kinderkrankentage von weiblichen AOK-Mitgliedern beantragt. Männer nahmen lediglich 27 Prozent der Kinderkrankentage in Anspruch. Damit hat sich an der grundsätzlichen Verteilung der sogenannten Care-Arbeit innerhalb von Familien wenig verändert.
Besonders deutlich fällt der Unterschied in Bayern aus. Dort entfielen 77 Prozent der Kinderkrankentage auf Frauen und lediglich 23 Prozent auf Männer. Vergleichsweise ausgewogen war die Verteilung in Sachsen: Hier wurden knapp 31 Prozent der Kinderkrankentage von Vätern genutzt.
Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, sieht darin ein Zeichen dafür, dass familiäre Betreuungsaufgaben nach wie vor nicht gleichmäßig verteilt sind. Zwar hätten beide Elternteile den gleichen gesetzlichen Anspruch auf Kinderkrankentage, in der Praxis werde dieser jedoch deutlich häufiger von Frauen genutzt.
Anspruch auf Kinderkrankengeld für beide Elternteile
Gesetzlich krankenversicherte Eltern können Kinderkrankengeld beantragen, wenn sie ihr erkranktes Kind zu Hause betreuen müssen und keine andere Betreuung möglich ist. Voraussetzung ist ein ärztliches Attest.
Aktuell stehen Eltern mit einem Kind pro Jahr jeweils 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld zur Verfügung. Alleinerziehende können 30 Tage nutzen. Bei mehreren Kindern erhöht sich der Anspruch entsprechend.
Allerdings bringt die Betreuung eines kranken Kindes oft finanzielle Einbußen mit sich. Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes. Zudem ist die Leistung pro Tag gedeckelt. Von der Auszahlung werden außerdem Beiträge zur Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen.
Einkommensunterschiede spielen eine Rolle
Nach Einschätzung der AOK könnte auch die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen Einfluss auf die Verteilung haben. Da Frauen in Deutschland im Durchschnitt weiterhin weniger verdienen als Männer, entscheiden sich Familien häufig dafür, dass die Mutter bei einem kranken Kind zu Hause bleibt.
Vor diesem Hintergrund bewertet die Krankenkasse positiv, dass Überlegungen zur Kürzung des Kinderkrankengeldes inzwischen nicht weiterverfolgt werden. Eine Reduzierung hätte nach Ansicht der AOK bestehende Ungleichheiten weiter verstärken können.
Weniger Kinderkrankentage als während der Corona-Jahre
Die Auswertung zeigt außerdem, dass die Zahl der Kinderkrankmeldungen zuletzt leicht zurückgegangen ist. Im Jahr 2025 meldeten sich 4,6 Prozent der anspruchsberechtigten AOK-Mitglieder mindestens einmal wegen eines kranken Kindes bei ihrem Arbeitgeber ab.
Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie lag dieser Wert deutlich höher. Im Jahr 2022 nutzten 5,1 Prozent der Versicherten mindestens einen Kinderkrankentag. Auch die Dauer der einzelnen Fälle ist gesunken. Während 2022 durchschnittlich 2,8 Tage pro Fall anfielen, waren es 2025 noch 2,5 Tage.
Die aktuellen Zahlen zeigen damit: Obwohl sich die Rahmenbedingungen für Familien verändert haben, bleibt die Betreuung kranker Kinder in Deutschland weiterhin überwiegend Aufgabe der Mütter.
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