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Dienstag, 22. September 2020

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„Blumenkübel reichen nicht, Herr Broß“

Fridays for Future: 130 protestieren im Regen in Rottweil

Weltweit gingen am Freitag hunderttausende Menschen für Klimaschutz auf die Straßen. Auch in Rottweil waren trotz Regenschauern etwa 130 Leute allen Alters in den Stadtgraben gekommen, um von dort über die Hochbrücke zum Rathaus zu marschieren.

„Leute, lasst das Glotzen sein, reiht Euch in die Demo ein“, riefen sie den wenigen Passanten zu, und der eine oder andere tat es dann sogar. „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, war ein weiterer Spruch, den die bunte Truppe skandierte und das auch tat: Hoch die Plakate, runter damit. Auf einem war zu lesen: „Höher. Grüner?? Weiter: Blumenkübel reichen nicht, Herr Broß“.

Mit Trillerpfeifen, Tröten und Klappern sorgten sie dabei für rechten Lärm, und auf dem Podest vor dem alten Rathaus ging  Hélène Marcel vom Fridays for Future-Orga-Team auf die aktuelle Entwicklung ein: Kurz davor hatte nämlich der Bundesrat das Klimapaket der Regierung teilweise gekippt, da es den Ländern nicht weit genug geht.

Dann wurden Reden gehalten: Das durfte, wer wollte. So ging Tobias Raffelt aus Oberndorf auf den Lobbyismus ein, auf Konzerne, „sie sind das eigentliche Übel, echter Umweltschutz ist so nicht möglich.“ Er forderte die Demonstranten dazu auf, nur Parteien zu wählen, die nicht von Firmen wie Daimler Spenden annehmen und zählte auf, wer wieviel erhalten hat im Jahr 2017 – auch die Grünen hätten 40.000 Euro von Daimler bekommen, so Raffelt.

Ute Bott, „ich bin die Geigenlehrerin vom Neckartal“, wandte sich gegen die Deka-Fonds der Kreissparkasse, hinter denen auch Rüstungs- und Kohlefirmen stecken, wer wollte, konnte ihren Appell für den Ausstieg unterschreiben, den sie dann an KSK-Chef Matthäus Reiser übergeben wird. Sie kritisierte auch die örtlichen Medien, die viel zu unkritisch mit  der Bank umgingen, der 25 Millionen-Neubau sei bejubelt worden, „aber kein Wort davon, wo das Geld herkommt.“

Wolfgang Steuer, ein pensionierter Arzt aus Trossingen, wies auf die immensen Abgase hin, die das Militär produziert. Allein die US-Army verbrauche so viel Sprit wie das ganze Land Schweden. Und Vera Niedermann-Wolf ging auf die Treibhausgase ein, die durch Beton und Stahl entstehen. So sorge der Bau von Stuttgart 21 für zwei Millionen Tonnen CO², „ein staatlich gefördertes Klimakillerprogramm“, nannte sie es. Weltweit seien Beton und Stahl für 20 Prozent der Treibhausgase zuständig. Mit viel Lärm fürs Klima und gegen den Regen verabschiedeten sich die Demonstranten bis zum nächsten Mal.

 

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