Diesel-Skandal: Prozess in Rottweil

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Ein Spaichinger Anwalt will Ex-VW-Chef Martin Winterkorn auch vor das Rottweiler Landgericht bringen.

Gegen den VW-Konzern laufen derzeit tausende Klagen wegen des Dieselskandals. Oliver Hirt, Anwalt aus Spaichingen, hat für seine Mandanten ebenfalls eine angestrengt. Doch dann beschloss er, gemeinsam mit seinem Kollegen Rafael Fischer aus Konstanz, direkt gegen den Ex-VW-Chef Martin Winterkorn vorzugehen. Immerhin soll dieser ja von den Vertuschungen und Betrügereien bei den Diesel-Abgaswerten gewusst haben.

Also schickten die beiden die Aufforderung um Rücknahme der betroffenen Fahrzeuge ihrer Mandanten kurzerhand direkt an die Münchner Privatadresse Winterkorns. Per Rückschein, versteht sich. Und weil Winterkorn wenige Wochen, bevor der Skandal bekannt wurde, sein Privatvermögen an eine Gesellschaft unter dem Namen seiner Frau übertrug, ging gleich noch eine Anzeige an Anita Winterkorn raus.

Mehrere der Rückscheine sind seitdem in Spaichingen angekommen, unterschrieben von Martin Winterkorn persönlich, der inzwischen auch seinen Strafverteidiger in die Sache mit einbezogen hat. Das ist ungewöhnlich in einer zivilrechtlichen Angelegenheit, meint Anwalt Hirt. „Das könnte bedeuten, dass ihm inzwischen klar geworden ist, dass ihm die Sache auch strafrechtlich auf die Füße fallen könnte.“

Der erste Gerichtstermin, bei dem der einst so mächtige VW-Chef erscheinen muss, findet am 16. Juli am Landgericht Tübingen statt und ist damit das erste Verfahren bundesweit, bei dem ein Autobesitzer direkt gegen Winterkorn klagt.

Auch in Rottweil gibt es bereits zwei Gerichtstermine, allerdings wird hier die persönliche Anwesenheit Winterkorns nicht verlangt. Warum das unterschiedlich gehandhabt wird, liegt vermutlich an der grundsätzlich unterschiedlichen Einstellung der beiden Gerichte bei VW-Fällen, meint Hirt: In Tübingen bekamen bislang die VW-Besitzer recht, in Rottweil der Konzern.

Ein Urteil gab es jedoch noch kein einziges Mal. Das ärgert auch die Rottweiler Richter, wie sie kürzlich beim Pressegespräch deutlich machten: Immer kam es zur Berufung, und die wurde dann, bevor es zum Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart kam, mit einem Vergleich geregelt.

Anwalt Hirt versucht nun durchzusetzen, dass Martin Winterkorn auch vor dem Rottweiler Landgericht persönlich erscheinen muss – man darf gespannt sein. Sicher ist, dass es zu vielen weiteren Klagen gegen den Ex-VW-Chef kommen wird. Der dann möglicherweise im noblen Münchner Wohnviertel einen Gebrauchtwagenhandel aufmachen muss.

Oliver Hirt und Rafael Fischer wiederum sind schon am Überlegen, ob sich das auch im Fall Mercedes machen ließe, die ersten Daimler-fahrenden Mandanten stünden bereit. 

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