Ingrid Haas im Alter von 102 Jahren verstorben

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Rottweil / Tübingen – Ingrid Haas, Ehefrau des Bildhauers Siegfried Haas und selbst Künstlerin, ist am Mittwoch im Alter von 102 Jahren in Tübingen verstorben. Von 1957 bis 2011 lebte sie in Rottweil. Die Trauerfeier ist am 30. Juni in der Kapelle des Rottweiler Stadtfriedhofs.

 

Dankbarkeit für ein erfülltes Leben sei neben aller Trauer das vorherrschende Gefühl in der Familie, erklärte im Gespräch mit der NRWZ Ingrid Haas‘ Sohn Andreas. Vor allem, dass sich Ingrid Haas auch im hohen Alter erstaunlich guter Gesundheit erfreuen konnte, versöhne mit dem Abschiednehmen, sagte Haas, der als Leitender Architekt bei der Universitätsstadt Tübingen tätig ist.

 

Wie agil und fröhlich Ingrid Haas selbst mit biblischen 100 Jahren noch war, konnte man in Rottweil sogar öffentlich erleben, als im Juli 2021 zu Ehren ihres Mannes ein Areal am Stadtgraben in „Siegfried-Haas-Platz“ umbenannt wurde. Angeregt durch die beschwingten Klänge der Band „Steinwolke“ mit drei ihrer Söhne, wagte Ingrid Haas ein Tänzchen. Es war anrührend zu sehen, wie sehr sich die 100jährige über die Musik, die Aufmerksamkeit und die Ehrung für ihren Mann freute.

Noch erstaunlich rüstig und gutgelaunt: Ingrid Haas bei der Einweihung des Siegfried-Haas-Platzes im Stadtgraben 2021. Archivfoto: al

 

Ingrid Haas, geborene Starcke, kam am 2. Februar 1921 in Nienburg an der Weser zur Welt. Offenbar bereits seit jungen Jahren willensstark und eigensinnig, studierte sie in den schwierigen Jahren von Diktatur und Krieg gegen den erklärten Wunsch ihres Vaters Kunst – zunächst in Hannover, dann in Jena und schließlich in Stuttgart.

 

Dort lernte sie den verwundet aus dem Krieg zurückgekehrten Siegfried Haas kennen. Mit seiner starken spirituellen Einbindung in die katholische Glaubenswelt und seinem Anknüpfen an die Symbolsysteme des Barock, machte er so großen Eindruck auf sie, dass sie später sogar vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertierte.

 

1947 gründeten Ingrid Starcke und Siegfried Haas eine Familie, die nach Stationen in Schramberg und Oberschwaben 1957 ihre Heimat in Rottweil fand. Äußerlich und im übertragenen Sinne war das von Siegfried Haas erbaute Haus in der Klippeneckstraße 13 ein Familien- und Künstler-Domizil voller Leben und Kreativität. Es gab sogar Haus-Konzerte, bei denen Berühmtheiten wie der Jahrhundert-Pianist Wilhelm Kempff gastierten. Hier liegen die Wurzeln des späteren Klassik-Festivals „Sommersprossen“.

 

Fast im Zweijahrestakt schenkte Ingrid Haas acht Kindern das Leben, vom in den USA lebenden Berthold bis zur in der Türkei lebenden jüngsten Tochter Rebecca. Dass einer der Söhne, Christoph Haas, 1973 in der Heerstraße tödlich verunglückte, bleibt das traurigste Kapitel der Familiengeschichte, der später durch die Aufnahme von Dominik aus Uganda aber auch wieder freudige Seiten hinzugefügt wurden.

 

Trotz der Kinderschar blieb Ingrid Haas weiter künstlerisch tätig. Ähnlich wie ihr Mann brach sie entgegen den Moden nie ganz mit der figürlichen Darstellungsweise, sondern entwickelte sie auf eigene Art weiter – ausdrucksstark und teils sogar verspielter als ihr Mann. So schuf sie etwa Reliefs in Bronze und Wandbehänge mit religiösen Themen für Sakralräume. Auch war sie interessiert an der östlichen spirituellen Tradition und hat 25 Jahre lang Yogaunterricht gegeben, lange bevor dies populär wurde.

Eine Würdigung, die Ingrid Haas (Mitte) sehr freute: 2021 wurde ein Teil des Stadtgrabens in Siegfried-Haas-Platz umbenannt. Archivfoto: al

 

Nach dem Tod von Siegfried Haas 2011 zog Ingrid Haas zu ihrem Sohn Andreas nach Tübingen, wo sie später in einem Pflegeheim lebte. Zur Trauerfeier am Freitag um 13.15 Uhr in der Kapelle des Rottweiler Stadtfriedhofs haben sich bereits zahlreiche ihrer 21 Enkel und elf Urenkel angekündigt, obwohl diese weit verstreut in aller Welt leben.

 

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