Neue JVA Rottweil: Großprojekt mit 502 Haftplätzen entsteht im Gewann Esch

Autor / Quelle: Redaktion/pm
Lesezeit 5 Min.
Quelle: Amt für Vermögen und Bau Konstanz

Das Land Baden-Württemberg errichtet in Rottweil eine neue Justizvollzugsanstalt mit 502 Haftplätzen. Der Neubau im Gewann „Esch“ soll die veraltete, innerstädtisch gelegene JVA ersetzen und ist Teil des landesweiten Haftplatzentwicklungsprogramms.

Standort und Planungsverfahren

Die neue Anstalt entsteht nordwestlich der Rottweiler Kernstadt auf einer Fläche von über 14 Hektar. Bei der Standortwahl waren mehrere Faktoren ausschlaggebend: die Anbindung an die Bundesstraße B 462 und die Autobahn A 81, ausreichend Fläche für 18 Gebäude, eine flache Topografie sowie der Abstand zur Wohnbebauung.

Andere geprüfte Standorte erfüllten die Anforderungen nicht. Vor Baubeginn durchlief das Projekt ein mehrjähriges Planungsverfahren mit Gutachten zu Natur- und Lärmschutz sowie Bürgerbeteiligung. Nach Rechtskraft des Bebauungsplans konnte mit dem Bau begonnen werden.

Haftplätze und Gebäudestruktur

Die JVA ist für 502 männliche Untersuchungs- und Strafgefangene ausgelegt. Das Konzept umfasst 30 bis 50 barrierefreie Haftplätze, um Gefangene mit körperlichen Einschränkungen angemessen unterbringen zu können.

Auf dem Gelände entstehen 18 Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von mehr als 25.000 Quadratmetern. Vorgesehen sind vier Werkstätten, eine Großküche und mehrere Schulungsräume für Bildungs- und Therapieangebote.

Finanzierung und Kosten

Das Land Baden-Württemberg finanziert das Projekt vollständig. Die Kosten stiegen im Projektverlauf durch Preissteigerungen am Bau und Planungsanpassungen. Der aktuelle Kostenrahmen wurde vom Land als Teil des Haftplatzentwicklungsprogramms bestätigt.

Einen wesentlichen Anteil der Investitionen macht die Sicherheitstechnik aus: Hochsicherheitsmauern und Zäune, Überwachungskameras und Sensoren sowie elektronisch gesicherte Schleusen und Kontrollpunkte.

Sicherheitskonzept

Das mehrstufige Sicherheitssystem beginnt bereits vor der eigentlichen Anstaltsmauer. Videoüberwachte Sicherheitszäune und Detektionstechnik sichern das Gelände von außen. Alle Zugänge führen durch streng kontrollierte Personen- und Fahrzeugschleusen.

Im Inneren sorgt die räumliche Trennung der Gebäude für zusätzliche Kontrolle. Werkstätten, Wohnbereiche und Verwaltung sind baulich getrennt. Ein lückenloses Kamerasystem überwacht das gesamte Areal.

Nachhaltigkeit und Energieversorgung

Die JVA soll ökologische Standards erfüllen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Geplant sind Photovoltaikanlagen auf den Dächern, eine Hackschnitzelheizung für die Wärmeversorgung und eine Gebäudehülle, die die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes um etwa 30 Prozent unterschreitet. Teile der Dächer werden begrünt.

Der Flächenverbrauch wird durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert.

Arbeitsplätze und regionale Wirtschaft

Mit Inbetriebnahme der JVA entstehen rund 350 neue Arbeitsplätze. Vorgesehen sind Stellen für Justizvollzugsbeamte, Verwaltungspersonal, Sozialarbeiter, Psychologen, medizinisches und technisches Personal sowie Handwerker.

Bereits während der Bauphase profitieren regionale Unternehmen von Aufträgen. Bei der Vergabe wird nach Angaben des Landes auf Firmen aus der Region geachtet. Betroffen sind Branchen wie Hoch- und Tiefbau, Elektroinstallationen, Heizungstechnik sowie Baustoffhandel und Logistik.

Bürgerbeteiligung und öffentliche Debatte

Das Projekt war von Beginn an von einer intensiven öffentlichen Diskussion begleitet. Befürworter verwiesen auf die Notwendigkeit, marode Gefängnisse zu ersetzen und moderne Standards im Strafvollzug zu schaffen. Kritiker äußerten Bedenken wegen des Flächenverbrauchs und möglicher Auswirkungen auf die Umgebung.

Ein Bürgerentscheid im Jahr 2015 befürwortete mit klarer Mehrheit den Bau der JVA. Zur weiteren Begleitung des Projekts wurde eine Begleitgruppe eingerichtet, die als Bindeglied zwischen Bürgern, Stadtverwaltung und Land fungiert.

Die steigenden Baukosten führten wiederholt zu politischen Debatten. Einzelne Politiker stellten die Wirtschaftlichkeit des Projekts infrage und zogen Vergleiche zu anderen Großvorhaben im Land.

Zeitplan und Inbetriebnahme

Die Fertigstellung des Projekts ist für 2027 vorgesehen. Nach Abschluss der Bauarbeiten folgt die Inbetriebnahme, bei der alle technischen Systeme geprüft und die Betriebsabläufe eingerichtet werden.

Die Baustelle ist aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich. Führungen fanden nur für ausgewählte Gremien wie den Gemeinderat und die Begleitgruppe unter strengen Auflagen statt.

Hintergrund: Zustand bestehender Anstalten

Viele Gefängnisse in Baden-Württemberg stammen aus dem 19. Jahrhundert und entsprechen nicht mehr heutigen Standards. Die Probleme umfassen Sicherheitslücken durch veraltete Bausubstanz, fehlende Möglichkeiten für moderne Arbeits- und Bildungsangebote sowie Überbelegung.

Das Durchschnittsalter der Anstalten im Land liegt bei über 80 Jahren. Die neue JVA Rottweil ist Teil eines landesweiten Konzepts zur Modernisierung des Justizvollzugs.

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