Rottweil: 450 junge Leute demonstrieren für Klimaschutz

Erste "fridays for future"-Demo / Rottweil im strömenden Regen

30
Klimademo in Rottweil. Foto: Moni Marcel

Es reg­ne­te in Strö­men, aber das hielt etwa 450 jun­ge Leu­te nicht von der ers­ten Rott­wei­ler „fri­days for future”-Demo ab.

Fotos: mm

Zunächst ver­sam­mel­ten sie sich am Musik­pa­vil­lon im Stadt­gra­ben, dann ging es hin­auf Rich­tung Rat­haus. Laut­star­ker Pro­test, phan­ta­sie­vol­le Ban­ner, Pla­ka­te und Fah­nen, Musik, Trom­meln und vor allem auf­rüt­teln­de Anspra­chen, das gab es dann in der kom­men­den Stun­de. Denn die jun­gen Demons­tran­ten, die damit dem Bei­spiel der jetzt für den Frie­dens­no­bel­preis vor­ge­schla­ge­nen Schwe­din Gre­ta Thun­berg folg­ten und für den Kli­ma­pro­test die Schu­le schwänz­ten, zeig­ten sich durch­aus selbst­kri­tisch.

Neben kräf­ti­gen Sei­ten­hie­ben gegen die AfD und FDP-Mann Chris­ti­an Lind­ner – Kli­ma­schutz sei was für Pro­fis – gab es vor allem Auf­ru­fe, selbst etwas für den Kli­ma­schutz zu tun. Vom Stoff­beu­tel und den schrump­li­gen Äpfeln des Bau­ern Bernd von neben­an war humor­voll die Rede, bit­te zu bevor­zu­gen vor den glän­zen­den, aus Neu­see­land ein­ge­flo­ge­nen Exem­pla­ren.

Auf­ru­fe, mehr Rad zu fah­ren, auf Fleisch, Plas­tik­ver­pa­ckun­gen und Fern­flü­ge zu ver­zich­ten und die Kip­pen nicht auf die Stra­ße zu schmei­ßen gehör­ten eben­so dazu wie die, sofort aus der Braun­koh­le­ver­stro­mung aus­zu­stei­gen und das Kli­ma­ab­kom­men von Paris ein­zu­hal­ten. „Seit 40 Jah­ren las­sen wir die Poli­tik damit durch­kom­men!” rief Jona­than Dom, der jetzt für das Forum für Rott­weil kan­di­diert und der die Schü­ler auf­rief, wäh­len zu gehen, „und wenn Ihr zu jung dafür seid, dann rüt­telt Eure Eltern wach!”

Tabea Eith schil­der­te die dra­ma­ti­schen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels vom Abschmel­zen der Pole bis zum Ver­schwin­den des Golf­stroms aus ihrer Sicht: „Wir haben die Not­wen­dig­keit ver­stan­den!”, es gehe um die Zukunft der nach­fol­gen­den Genera­tio­nen, „aber auch für Sie, Herr Lind­ner!” Der FDP-Poli­ti­ker hat­te kürz­lich die Aktio­nen kri­ti­siert, man kön­ne von Kin­dern und Jugend­li­chen nicht erwar­ten, dass sie die glo­ba­len Zusam­men­hän­ge, das tech­nisch Sinn­vol­le und öko­no­misch Mach­ba­re sehen, das sei eine Sache für Pro­fis. Das woll­ten die Schü­ler offen­bar nicht auf sich sit­zen las­sen, „Wir haben 40 Jah­re lang Pro­fis machen las­sen. Jetzt ist es Zeit, es selbst in die Hand zu neh­men. Wir sind zwar kei­ne Pro­fis, aber die Hoff­nung auf mor­gen”, so eine der Spre­che­rin­nen.

Grü­nen-Kan­di­dat Ste­fan Mauch lud zu den Rad­run­den der Cri­ti­cal Mass ein und erklär­te: „Ich bin ver­liebt in Euch!” Unter die Schü­ler hat­ten sich auch eini­ge aus der Eltern- oder Groß­el­tern­ge­nera­ti­on gemischt, nicht zu fin­den war aller­dings ein Mit­glied der Stadt­spit­ze.

Ein paar Neu­gie­ri­ge aus der Stadt­ver­wal­tung schau­ten sich die Schü­ler­de­mo aller­dings aus einem Rat­haus­fens­ter aus an.

Am Ende war außer die­sen wirk­lich jeder nass, die Ban­ner durch­weicht, auch das des neun­jäh­ri­gen Moritz, der auf sein Pla­kat geschrie­ben hat­te: „Geht raus für die Welt!”, man sang „We are the world” und skan­dier­te abschlie­ßend „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!”

Ach ja, natür­lich gab es noch einen Auf­ruf: Alle soll­ten bit­te ihre Sachen mit­neh­men und auf jeden Fall nichts lie­gen las­sen. Ja, der Kli­ma­wan­del fängt auch bei jedem Ein­zel­nen an.

ERGÄNZUNG 15.03., 18.15 Uhr: Offen­bar denkt nicht jeder FDP-Poli­ti­ker wie Chris­ti­an Lind­ner. Der Rott­wei­ler FDP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dani­el Kar­rais hat sich mit einer Stel­lung­nah­me gemel­det, die wir hier im Wort­laut brin­gen: 

Anläss­lich der heu­te abge­hal­te­nen Demo „Fri­days for Future” in Rott­weil, bei der ich selbst vor Ort war, möch­te ich als loka­ler Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und kom­mis­sa­ri­scher FDP Kreis­vor­sit­zen­der fol­gen­des State­ment abge­ben: Ich habe mir nach öffent­li­cher Kri­tik an den „Fri­days for Future” Pro­tes­ten selbst ein Bild in Rott­weil gemacht. Ich unter­stüt­ze aus­drück­lich, dass jun­ge Leu­te auf­ste­hen und For­de­run­gen an die Poli­tik im Bereich Kli­ma und Umwelt stel­len. Denn es sind unse­re jun­gen Genera­tio­nen, zu denen ich mich mit 28 Jah­ren auch zäh­le, die mit den lang­fris­ti­gen Kli­ma­fol­gen leben und umge­hen müs­sen . Dar­um ist es wich­tig, dass dem Aus­druck ver­lie­hen wird. Über Mit­tel und Wege zur Errei­chung der Zie­le lässt sich treff­lich strei­ten. Hier setzt die FDP eher auf Anrei­ze und Inno­va­ti­on, statt auf popu­lis­ti­sche Ver­bo­te.

Beim Kli­ma- und Umwelt­schutz gibt es kei­ne ein­fa­chen Lösun­gen und viel mehr muss sich jeder selbst an der eige­nen Nase packen. Man muss kein Pro­fi sein, um die Stim­me für mehr Nach­hal­tig­keit zu erhe­ben. Wer aber kein Pro­fi ist, der muss für Sach­ar­gu­men­te und Fak­ten zugäng­lich sein und darf nicht nur der rei­nen Ideo­lo­gie fol­gen.

Ich hof­fe, dass die Jugend die Lust am Demons­trie­ren und das Ein­tre­ten für ihre Inter­es­sen bei­be­hält und sich auch gegen ande­re Sach­ver­hal­te wehrt, die zu Las­ten der jün­ge­ren Genera­tio­nen geht. Ich den­ke da bei­spiels­wei­se an die Ren­ten­po­li­tik der gro­ßen Koali­ti­on in Ber­lin.

Aller­dings soll­ten die­se Demos außer­halb der Schul­zeit statt­fin­den. Demons­tra­tio­nen, so unter­stüt­zend sie auch sind, dür­fen kei­ne Kon­kur­renz zum schu­li­schen Unter­richt dar­stel­len. Der Wir­kung die­ser Pro­tes­te täte das sicher kei­nen Abbruch. Ich wer­de die Akti­vi­tä­ten der Bewe­gung inter­es­siert wei­ter ver­fol­gen und bie­te ger­ne einen Aus­tausch an.