Wie konnte es dazu kommen, dass gegen jüdische Bürger in Deutschland eine Progromorgie ausbrach, Geschäfte geplündert, Synagogen in Brand gesetzt und viele Juden verhaftet und umgebracht wurden, während eine große Mehrheit der Deutschen zu den Verbrechen schwieg? “ stellte Oberbürgermeister Christian Ruf bei der Erinnerungsveranstaltung an die Reichsprogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 im nahezu überfüllten Festsaal des Konvikts – gegenüber der ehemaligen Synagoge – die Frage.
Auch er könne als Jurist und Historiker keine Antwort geben, nur soviel, dass eine schweigende Mehrheit die Verbrechen nicht verhindert habe. Und auch heute bedürfe eine solche Veranstaltung eines Polizeischutzes gegen zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Das Stichwort Antisemitismus griff auch die Vorsitzende des Vereins ehemalige Synagoge Barbara Haller auf und zitierte den Antisemitismusbeauftragten in Baden-Württemberg, Michael Blume, der sich klar gegen zunehmende antisemitische Tendenzen stellte.
Sie bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern der Nell- Breuning- Schule, die in eindrucksvollem Engagement mit jüdischer Musik (Leitung Beate Vöhringer) und einer Theatersequenz (Leitung Christine Biebl) die Geschichte der jüdischen Familie Brandenburger nachvollzogen: Max Brandenburger 1876 in New York geboren, nach Deutschland zurückgekehrt (1901) und gemeinsam mit dem Fabrikanten Dettinger in Rottweil eine florierende Textilfirma und bürgerliche Existenz bis 1933 aufgebaut hat, aber nach den Progromen nach Theresienstadt deportiert und dort 1942 mit 75 Jahren ermordet wurde.
Ein Stein mit dessen Inschrift erinnert an ihn, ein stummes Stück Erinnerung an einen jüdischen Menschen, einen Bürger Rottweils, den die Jugendlichen ergreifend zum Sprechen gebracht haben. Das von der israelitischen Kultusgemeinde gesprochene Kaddisch-Gebet und das christliche Gebet durch Dekan Dewitz vor der ehemaligen Synagoge in der Kameralamtsgasse beschloß die Erinnerungsveranstaltung.
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