Schramberg. Gut 100 Jugendliche und junge Leute waren am Dienstagnachmittag in der Mensa des Schramberger Gymnasiums versammelt, um mit sieben Landtagskandidaten (es waren nur Männer) zu diskutieren. Es entwickelten sich lebhafte Gesprächsrunden. Allerdings erwies sich die Akustik in der Mensa als Handicap. Oft waren Fragen und Antworten für die Umstehenden nicht zu verstehen.
Gekommen waren für die Grünen Artur Eichin, für die CDU Stefan Teufel, für die SPD Ali Zarabi und für die FDP Daniel Karrais. Weil sie nach einer Umfrage vom Oktober 2025 Aussicht auf mehr als drei Prozent haben, waren als Vertreter der Linken Daniel Hettich und für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Karl-Heinz Eith dabei. AfD-Kandidat Emil Sänze ließ sich wegen einer Landtagssitzung von einem Referenten vertreten.

Bunte Runden und Pizza
Die Begrüßung übernahm Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr . Anschließend erläuterten Christiane Bondzio vom Jugendreferat Oberndorf und Kathrin Fehrenbacher vom JUKS in Schramberg den Ablauf: In zweiminütigen Videos stellten die Kandidaten sich selbst vor. Zu ihrer Person, zu Chancengleichheit, zu Mobilität im ländlichen Raum und Jugendbeteiligung sollten sie etwas sagen.

Anschließend gab es zwei jeweils zwanzigminütige Gesprächsrunden, bei denen die Zusammenstellung der Kandidaten ausgelost wurde. Die Jugendlichen konnten sich aussuchen, welche Kandidaten sie hören und befragen wollten.
Danach gabs Pizza für alle und jeder Kandidat bekam einen eigenen Stehtisch. Hier konnten die Jugendlichen dann ihre Fragen ganz individuell an die Parteienvertreter richten.
Die vorbereiteten Videos der Kandidaten zeigten die Moderatorinnen in der Reihenfolge der letzten Landtagswahlergebnisse. Alle hatten die Kandidaten mehr oder weniger geschickt selbst produziert – mit einer Ausnahme.
Artur Eichin (Die Grünen) hat in seinem Video auf seine polnische Herkunft und seine Arbeit als Industriemeister hingewiesen. Ihm war die Sprachförderung bei Kindern wichtig, damit „jedes Kind die gleichen Chancen hat. Er findet, Jugendliche sollten mehr gehört werden.
Stefan Teufel (CDU) hob auf sein Familienvater-Sein ab. Ihm war die hohe Durchlässigkeit im Bildungswesen ein Anliegen. Er setzt sich für einen guten ÖPNV ein und möchte die FSJ-Möglichkeiten ausbauen. Für ihn sind Ehrenämter „von zentraler Bedeutung“.
Ali Zarabi (SPD) berichtete, dass er vor zehn Jahren als 16-jähriger Flüchtling aus Afghanistan gekommen ist. „Heute studiere ich im Master in Konstanz.“ Es sei aber nicht immer leicht und fair. Daher setze er sich für verlässliche Schulen ein. Bei der Mobilität setzt er auf flexible Angebote.
Daniel Karrais (FDP) erinnerte an seinen Beruf als Maschinenbauingenieur. Er ist überzeugt, „die Menschen wissen sehr gut, was sie wollen“. Jeder solle selbst entscheiden, was er studieren oder lernen möchte. Gleiche Chancen bedeute nicht gleiche Wege. Deshalb sei er für den Erhalt der Werkrealschulen.
Die AfD präsentierte eine Hochglanzproduktion, in der der Kandidat Emil Sänze nur ganz am Schluss auf einer Texttafel erschien. Über ihn erfuhr man sonst nichts. In dem wie eine KI-Produktion wirkenden Film meinte die Partei, Deutschland sei „an einem Wendepunkt in der Schulbildung“. Disziplin und klare Standards seien erforderlich.
Daniel Hettich (Die Linke) ist Systementwickler, er trug ein T-Shirt „Tax the rich“ in seinem Video. Er ist für die kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Uni. Auch Busse und Bahnen sollten kostenlos fahren. Für Social-Media fordert er einen Kompetenzunterricht statt Verboten.
Karl-Heinz Eith (BSW) erwähnte sein Alter, 60 Jahre und dass er geschieden sei, von Beruf ist er Elektromeister und beim BSW für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg Kreisvorsitzender. Ihn störte, dass laut einer Studie ein Viertel der Grundschulkinder nach der vierten Klasse nicht richtig lesen und schreiben können. Da müsse man „massiv umsteuern“. Das gelte auch für die Mobilität im ländlichen Raum.
Nach dieser Vorstellungsrunde und ein paar Infos zur Landtagswahl losten die Kandidaten, mit wem sie an welchen Tisch-Inseln stehen sollten. In der ersten Runde standen die Kandidaten von BSW, AfD und FDP an Tisch eins, Tisch zwei war mit Linke und CDU besetzt und am dritten Tisch standen SPD und Grüne Rede und Antwort. In der zweiten Runde wechselte dann die Zusammensetzung erneut.

Busse und Bahnen
So weit man es verstehen konnte, ging es häufig um den ÖPNV im ländlichen Raum. Sänze-Referent Klaus Fuchs bemerkte dazu: „Wenn Geld da ist, kann man viel machen.“ Es sei aber keines da. Außerdem würden die Busse oft leer durch die Gegend fahren. „Früher oder später sind doch alle im Auto.“
Karrais warnte vor der Illusion, im ländlichen Raum einen Halbstundentakt umsetzen zu können. “Das ist finanziell nicht darstellbar.“ Im schwebe On-demand-Angebote, wie die bestehenden Anrufsammelbusse vor.
Wie man mehr Pünktlichkeit bei Bussen und Bahnen erreichen könnte, wollte ein Jugendlicher wissen. Das sei „schwer umzusetzen“ entgegnete BSW-Vertreter Eith. Er glaube nicht, „dass da viel passiert“. Bei der Bahn seien viele Probleme hausgemacht, so Karrais. Bei Bussen müsse man bedenken, dass diese im normalen Verkehr unterwegs seien.

Ali Zarabi fand es wichtig, dass man auch über Landkreisgrenzen zur Schule oder in den Betrieb kommt, „egal in welcher Form“.
Wehrpflicht und Wirtschaft
Am zweiten Tisch kamen Stefan Teufel und Daniel Hettich zum Thema Wehrpflicht ins Gespräch. Teufel fand, einen Dienst an der Gesellschaft, in welcher Form auch immer, sei auch für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Hettich lehnte eine Wehrpflicht ab, fand aber ein FSJ-Programm gut, wenn auch ordentlich bezahlt werde.
Zur gegenwärtigen Wirtschaftslage verwies Teufel auf Hilfen wie die ELR-Programme. Hettich forderte, Aufträge sollten an regionale Betriebe gehen. Nicht so einfach, wenn Aufträge europaweit ausgeschrieben werden müssen. Teufel erinnerte an das Vergaberecht. Seine Partei schlage vor, dass Kommunen unter den ersten drei Geboten auswählen können sollten.

Tierrechte und Klima
Um Tierrechte und Haltungsformen drehte sich das Gespräch in einer weiteren Runde. Seine Partei setze sich für tiergerechte Haltung ein, versicherte Eichin von den Grünen. Allerdings geschehe da das meiste auf Bundes- und EU-Ebene. Er warb für Tierhaltungskennzeichnung. „Dann wissen die Verbraucher, was sie kaufen.“ Insgesamt plädierte er für weniger Fleischkonsum.
BSW-Vertreter Eith sah in den Fleisch-Importen das größte Problem. In anderen Ländern würden Tierschutzvorgaben oft nicht eingehalten.
Das größte Interesse fand in dieser Runde der Tisch mit AfD-Vertreter Fuchs und Linken-Kandidat Hettich. Wegen der schlechten Akustik war aber kaum etwas zu verstehen. Nur so viel: Beim Thema Klima plädierte Hettich dafür, die Klimaziele Baden-Württembergs beizubehalten. Fuchs sah in der Klimaschutzgesetzgebung eher ein Bürokratiethema.

Noch viele sind unentschieden
Nach einer kurzen Pizzapause kam die Stehtischrunde. Hier hatten die Jugendlichen die Chance, ihre Fragen direkt an die Kandidaten zu richten.
Nach knapp zwei Stunden riefen Bondzio und Fehrenbacher wieder ins Plenum zurück. Mit Applaus für die Kandidaten und die Organisation dankten die Jugendlichen für den Nachmittag. „Mir hat es gut gefallen“, erklärte eine Auszubildende aus dem Malerhandwerk, „weil ich meine Fragen direkt loswerden konnte.“
Ob sie sich schon entschieden hätten, wenn sie am 8. März wählen, wollten die Moderatorinnen wissen. Es war eine Minderheit, die die Hand gehoben hat. Noch viel zu tun für die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer.
Info: Gekommen waren aus den beruflichen Schulen Schramberg Auszubildende aus dem Maler- und Friseurhandwerk, aus den Berufskollegs und aus dem beruflichen Gymnasium. Mit je etwa 25 Schülerinnen und Schülern waren die Erhard-Junghans-Schule und das Gymnasium in Schramberg vertreten. Vereinzelt waren auch Jugendlich so gekommen.


