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E-Car-Sharing: Acht Standorte, acht Stadtteile

Der Gemeinderat Oberndorf soll kommende Woche grünes Licht für ein Drei-Jahres-Programm mit Kosten von knapp 119.000 Euro geben – Partner ist der Anbieter Deer, der in der Region bereits an mehreren Orten aktiv ist. Und an einem zwischenzeitlich die Reißleine gezogen hat.

Ein Fahrzeug von Deer im Sommer 2023 beim Schramberger Rathaus. Archiv-Foto: him
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Oberndorf am Neckar will als eine der ersten Städte im Landkreis Rottweil ein flächendeckendes E-Carsharing-Netz aufbauen. In jedem Stadtteil soll ein Standort mit Ladeinfrastruktur entstehen – realisiert in Zusammenarbeit mit der Firma Deer GmbH. Der Gemeinderat entscheidet am 16. Juni.

Die Stadt Oberndorf am Neckar will gemeinsam mit dem E-Carsharing-Anbieter Deer GmbH acht Carsharing-Standorte mit Ladeinfrastruktur errichten – je einen in jedem Ortsteil sowie am Lindenhof und in der Oberstadt. Das sieht eine Beratungsvorlage vor, die zunächst am Donnerstag, 11. Juni, im Ausschuss für Technik und Umwelt und dann am Dienstag, 16. Juni, im Gemeinderat behandelt wird.

Die Umsetzung ist auf drei Jahre verteilt geplant: Pro Haushaltsjahr sollen grundsätzlich bis zu drei Standorte in den jeweiligen Haushalt aufgenommen werden. Die Gesamtkosten für alle acht Standorte inklusive Ladesäulen belaufen sich brutto auf rund 118.724 Euro, aufgeteilt auf die Haushalte 2027, 2028 und 2029.

Stationsflexibles System – Einwegfahrten möglich

Das geplante Angebot ist stationsflexibel aufgebaut: Nutzerinnen und Nutzer können auch Einwegfahrten unternehmen – also ein Fahrzeug an einem Standort abholen und an einem anderen abstellen. Ausgangs- und Endpunkt einer Buchung ist dabei stets eine Ladesäule an einem der über 400 Deer-Standorte in Süddeutschland. Die Fahrzeuge können über die App „deer e-carsharing“ gebucht werden, für private ebenso wie für dienstliche Zwecke. Zusätzlich steht eine rund um die Uhr erreichbare Service-Hotline zur Verfügung.

An jedem Standort errichtet Deer eine Normalladesäule mit zwei Ladepunkten. Diese werden mindestens zehn Jahre betrieben. Soweit die Ladepunkte nicht durch Carsharing-Fahrzeuge belegt sind, sollen sie auch öffentlich zugänglich sein.

Bahnhof-Standort schon in der Umsetzung

Der Bahnhof in Oberndorf ist vom Konzept her identisch aufgebaut und soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen – er kann nahtlos in das Netzwerk der Deer-Standorte der Stadt und Region eingebunden werden. Nach Unternehmensangaben führt Deer den Bahnhof-Standort bereits als „in technischer Umsetzung“, was bedeutet, dass der Betrieb in zwei bis acht Monaten starten soll.

Deer bereits in der Region aktiv

Deer ist in der Region kein unbekannter Akteur: In Rottweil ist das Unternehmen seit 2025 am Standort Neues Spital aktiv, zwei weitere Standorte befinden sich dort laut Unternehmensangaben in technischer Umsetzung. Daneben betreibt Deer bereits Stationen in Zimmern ob Rottweil (Pater-Alois-Mager-Platz), Balingen, Dietingen, Aichhalden, Königsfeld und Schiltach. Ebenfalls in der Umsetzungsphase befinden sich Standorte in Schramberg-Sulgen, Lauterbach, Dunningen, Hardt, Deißlingen, Seedorf, Schömberg, Ratshausen und Rötenberg.

Warum das Modell in Oberndorf funktionieren kann

Dass E-Carsharing mit Deer in der Region nicht automatisch reibungslos läuft, zeigt das Beispiel Schramberg: Dort betrieb Deer ab Juni 2023 vier Standorte – an Ladesäulen der EnBW, was zu so hohen Roaming-Kosten führte, dass Deer die Fahrzeuge bereits im August 2023 wieder abzog. Deer wäre grundsätzlich bereit gewesen, auf eigene Kosten Infrastruktur aufzubauen – die Bedingung: kostenlose Parkplätze von der Stadt. Dazu kam es nicht. Ende Dezember 2025 machte die CDU-Fraktion im Schramberger Gemeinderat mit einem neuen Antrag Druck, das Thema erneut anzugehen – und verwies dabei ausdrücklich auf die umliegenden Gemeinden, die das Deer-Modell inzwischen erfolgreich umsetzen.

Genau dieses Modell verfolgt Oberndorf: Deer baut und betreibt die Infrastruktur auf eigene Kosten, die Stadt stellt die Flächen. Das dürfte der entscheidende Unterschied sein.

Nutzererfahrungen: App mit Luft nach oben

Wie das Angebot von den Nutzern angenommen wird, lässt sich für die konkreten Standorte in Rottweil und Zimmern ob Rottweil öffentlich nicht belegen – weder zur Station am Neuen Spital noch zur Station am Pater-Alois-Mager-Platz finden sich öffentliche Bewertungen oder Rezensionen. Allgemeine Einschätzungen zum Unternehmen und seiner App geben jedoch einen Hinweis: Im Apple App Store wird die „deer sharing“-App derzeit mit rund 2,6 von 5 Sternen bewertet; Nutzer berichten dort über teils holprige Erfahrungen bei Registrierung, Buchung, Abrechnung und Support. Auf der Bewertungsplattform Trustpilot liegt Deer im mittleren, als „akzeptabel“ eingestuften Bereich – die Einträge sind allerdings nicht nach Region oder Standort filterbar. Für die Stadt Oberndorf dürfte die Nutzungsqualität der App und des Supports ein Faktor sein, den es beim Vertragsabschluss im Blick zu behalten gilt.

Mobilitätswende als kommunales Ziel

Die Maßnahme ist eingebettet in das gesamtstädtische Aktivierungskonzept Oberndorfs, das den Ausbau von E-Ladeinfrastruktur und E-Carsharing als konkrete Schritte zur Verbesserung der Mobilität benennt. Ziel sei es, in allen Stadtteilen ein verlässliches, sichtbares und alltagstaugliches Mobilitätsangebot aufzubauen, das den öffentlichen Personennahverkehr sinnvoll ergänzt. Die Verwaltung erhofft sich davon auch eine Stärkung der Teilorte und eine verbesserte Anbindung ans Gesamtstadtgebiet.

Die Verwaltung – federführend ist Stadtplaner Marc Schenk vom Fachbereich Planen und Bauen – empfiehlt dem Gemeinderat, dem stufenweisen Ausbau zuzustimmen. Zudem wird empfohlen, die Verwaltung mit dem Abschluss der notwendigen Verträge mit der Deer GmbH zu beauftragen.

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