Ein Wochenende vom Feinsten: Strahlender Sonnenschein, Tausende strömen in die älteste Stadt Baden-Württembergs, kommen und kaufen, genießen das Brückenfest und die neue Hängebrücke. „Rottweil zeigt sich von seiner besten Seite“, titelt die NRWZ. Und die Innenstadt kann sich auch sonst durchaus sehen lassen.
Seit Jahren viel Gebruddel, viel Geschimpfe allenthalben, über die da oben, Verwaltung, Gemeinderat, Baustellen, fehlende Parkplätze, das Wetter und das Leben im Allgemeinen. Schuld sind eh immer die anderen, das eigene Einkaufsverhalten bleibt ausgeblendet. In den Umfragen kaufen auch alle Bio und regional. Nur halt im Laden selten. Wie ist es also wirklich bestellt um Rottweils Mitte, und wohin geht die Reise?
DIHK, HDE, CIMA, IAO, NRW – Kürzel, wohin das Auge blickt. Alles Verbände, Organisationen, Regionen, die Studien zum Wandel deutscher Innenstädte in den letzten beiden Jahren veröffentlicht haben. Gesammeltes Fazit: Es läuft ganz schön viel richtig in Rottweil. Und doch belegen zahlreiche Studien ebenfalls glasklar: Der Trend zum Digitaleinkauf wächst ungebrochen, zumal Corona in dieser Beziehung wie ein Katalysator wirkte.
Das bleibt nicht ohne Folgen: Statt schicker Leibkleider prangen Immobilienangebote in der Fußgängerzone, leere Fenster in der Hochbrücktorstraße, und erst Freitagmorgen hat ein Lederwarengeschäft den Filialräumungsverkauf eröffnet.

„Viele Händler in Rottweil sind letztlich ratlos“, weiß Tobias Rützel, frischgebackener Vorsitzender der Sparte Handel innerhalb von ‚Rottweil aktiv‘, Nachfolgename des ehrwürdigen GHV. Mit ihm neu im Amt sind Marcus Frank als Stellvertreter, Kassierer Jochen Egin und Schriftführerin Monica Vieira Ribeiro.
Tobias Rützel wollte selbst nie Einzelhändler werden, kannte zu viele Geschichten aus dem eigenen Elternhaus. Das hat nun nicht geklappt, seit Jahren ist er Einzelhändler, mit Leib und Seele, zufrieden und erfolgreich obendrein. „Es gehört viel Herzblut dazu“, unterstreicht nicht nur Rützel, das Wort fällt so ziemlich in jedem Gespräch über Rottweils Handel. Meist mehrfach.
Da wenige Händler bislang auf Social Media setzen, stellt sich ‚Rottweil aktiv‘ für die rund 90 Mitglieder mit eigenem Social Media-Angebot („Gesichter der Stadt“) und der ausdrücklichen Verzahnung von Gastronomie, Dienstleistungen, Einzelhandel sowie eigenen Spartenverantwortlichen ziemlich zukunftsfest auf.
Denn auch hier sind sich alle neueren Studien einig: Selbst wenn das Gros der Internetnutzer online shoppen geht, bleibt der stationäre Handel ein zentraler Anker für Attraktivität und Aufenthaltsqualität von Innenstädten. Gleichzeitig verlieren klassische Einzelhandelslagen an Bedeutung, weshalb Mischkonzepte mit Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Freizeit immer wichtiger werden. Leerstand, sinkende Frequenzen und die Schließung großer Handelsformate gelten als zentrale Risiken für viele Stadtzentren.

Und wie ist das vor Ort? Natürlich gibt es in Rottweil den einen oder anderen Leerstand, temporär große Baustellen und nicht für jeden Kunden einen Parkplatz direkt vor der gewünschten Ladentheke. Dafür bietet die Stadt, wonach sich andere Orte die Finger lecken:
Eine traumhafte Kulisse, ein gewachsenes Innenstadtensemble mit viel Historie, individuell geprägte Spezialgeschäfte mit beratungsintensiven Themen und neben dem Testturm nun einen zusätzlichen Frequenzbringer, der Besucher direkt in die Innenstadt befördert: Die neue Hängebrücke hat schon am Eröffnungswochenende Furore gemacht, Rottweil aktiv ist hochzufrieden, der Besucherzustrom beachtlich.

Händler und Stadtverwaltung können gut miteinander, wie neben Tobias Rützel auch Birgit Deibler-Saile bestätigt. Die tatkräftige Innenstadtmanagerin, seit August 2025 im Amt, ist bestens vernetzt, immer ansprechbar und nie um eine neue Idee verlegen. Von denen gibt es etliche, auch wenn „das beste Konzept in einer Triple Z-Lage nicht funktionieren kann“, wie Wirtschaftsförderer Alexander Stengelin zu bedenken gibt. Zumal manch Hausbesitzer sich trotzdem Traumrenditen vom Ladenlokal erhofft.
Und doch: Allein über das neue Portal zur Mietförderung kommt eine zweistellige Anzahl zusätzlicher Anfragen an die Wirtschaftsförderung jährlich (auch wenn das Angebot auf drei Förderungen pro Jahr begrenzt ist). In den letzten Monaten haben neben einer Wohnraumstylistin auch ein italienischer Feinkosthändler sowie ein 3D-Druckspezialist samt Filamentenhandel Rottweil um neue Angebote bereichert.
Die digitale Rottweil Card als Nachfolgerin des „Rottweiler Talers“, erst im Vorweihnachtsgeschäft eingeführt und seit Jahresbeginn auch als Arbeitgeberkarte nutzbar, bringt zusätzlichen Schwung und hält Umsätze in der Stadt, Schon heute sind mehrere tausend Karten mit Guthaben von mehreren Zehntausend Euro im Umlauf – Geld, dass auch in Rottweil wieder ausgegeben wird und nicht an die großen Einkaufsportale abfließt.
Zahlreiche Events im „Jahr der Brücken“ dürften weitere Interessentinnen und Interessenten und zusätzliche Kaufkraft in die älteste Stadt Baden-Württembergs locken, da sind sich alle Beteiligten einig. Auch die Gastronomen beginnen, sich untereinander zu vernetzen und Öffnungszeiten mit Blick auf die Hängebrücke zu überdenken.
Gastronomiebetriebe wünschen sich sowohl ‚Rottweil aktiv‘ als auch Wirtschaftsförderung noch einige hinzu. Und was die Hotellerie betrifft: Noch vor Eröffnung der Landesgartenschau entstehen im Alten Spital rund 50 zusätzliche Zimmer für Rottweil-Reisende. Auch dies ein Projekt mit Herzblut. Gebruddel ist also wirklich fehl am Platz.

Hintergrund:
Rottweil Aktiv wählt neuen Vorstand – Fokus auf Innenstadt und „Jahr der Brücken“
Der Gewerbe- und Handelsverein „Rottweil Aktiv“ hat sich personell neu aufgestellt. Bei der Wahl Mitte April wurde ein erweitertes Vorstandsteam bestätigt. Im Mittelpunkt der künftigen Arbeit stehen die Entwicklung der Innenstadt, die Begleitung großer Projekte und die stärkere Vernetzung der Branchen.
Der Verein „Rottweil Aktiv“ hat am 14. April 2026 einen neuen Vorstand gewählt. An der Spitze steht künftig Tobias Rützel als erster Vorsitzender. Ihm zur Seite stehen Marcus Frank als zweiter Vorsitzender sowie weitere Vorstandsmitglieder mit klar zugeordneten Zuständigkeiten: Jochen Egin (Finanzen), Ralf Graner (Dienstleistung/Handwerk), Thomas Makosch (Gastronomie), Monica Ribeiro (Schriftführung) und Savio Röckle (Marketing und Kommunikation).
Mit der neuen Struktur setzt der Verein stärker auf eine Aufteilung nach Branchen. Ziel ist es, den Austausch mit den Mitgliedsbetrieben zu verbessern und deren Interessen gezielter zu bündeln. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit zwischen Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistern intensiviert werden.
Ein Schwerpunkt der kommenden Monate liegt auf der Begleitung aktueller Entwicklungen in der Stadt. Dazu zählt insbesondere das „Jahr der Brücken“ 2026, das mit der neuen Hängebrücke „Neckarline“ zusätzliche Besucher nach Rottweil bringen soll. Der Verein arbeitet hierbei eng mit dem City-Management und der Stadtverwaltung zusammen. Geplant sind Maßnahmen, die den lokalen Handel und die Gastronomie während der erhöhten Besucherzahlen stärken sollen.
Gleichzeitig bereitet sich „Rottweil Aktiv“ auf die anstehenden Veränderungen im Zuge der geplanten Landesgartenschau 2028 vor. Baustellen und Umgestaltungen in der Innenstadt gelten als Herausforderung für Betriebe und Kunden. Der Verein will hier als Vermittler auftreten und Lösungen entwickeln, um die Erreichbarkeit und Attraktivität der Innenstadt zu sichern.
Aus dem bisherigen Vorstand wurden Detlev Meier, Björn Engelhardt und Matthias Gross verabschiedet. Sie hatten den Verein in den vergangenen Jahren begleitet.
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