Auf neuen Wegen Hilfe leisten, die bestehenden Kontakte halten und die dramatische Situation in Belarus öffentlich machen, diese Themen standen im Mittelpunkt des diesjährlichen Forums „Den Kindern Tschernobyls“. Neben Vertretern aus Belarus, ganz Deutschland und der Schweiz nahmen auch Mitglieder der Rottweiler „Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung“ teil, die seit 1990 auf vielfältige Weise eng mit der belarussischen Stiftung „Kinder Tschernobyls“ zusammen arbeitet.
Rottweil. Prof. Dr. Irina Gruschewaya betonte welche Kraft die „tausendfach erfahrene Solidarität“ in Belarus entwickelte. „Tschernobyl brachte uns damals zusammen. Das waren nicht nur Floskeln der Solidarität, sondern es entstand eine echte Brücke zwischen Ost und West, die Hoffnung brachte in unser Land der Hoffnungslosigkeit“. Dieses Miteinander habe ihnen auch aufgezeigt, wie jeder einzelne Mensch, wie die Zivilgesellschaft partnerschaftlich zusammen arbeiten und Hilfe leisten kann, nicht nur der Staat. „In unserem Ozean aus Wahnsinn“ überkomme sie heute manchmal die Resignation, aber diese „unerschütterliche Zusammenarbeit bis heute und die tiefe Freundschaft gibt uns Kraft und Licht in dieser Finsternis“. Sie gebe ihnen ein bisschen Hoffnung und ein bisschen Leben zurück.
Auch die „Belarussische Gemeinschaft Razam“ und ein belarussischer Journalist berichteten von den düsteren Entwicklungen in Belarus, aber sie wussten auch von Geschichten kleiner Hoffnung. In der Bevölkerung herrsche große Angst, denn seit der zerschlagenen Revolution 2020 gebe es tägliche Festnahmen, Verfolgungen, viele politische Gefangene die langjährige Strafen für ihre friedlichen Proteste bekamen. Humanitäre Hilfen seien nur noch im kleinen Maße möglich, es sei nötig immer neue Wege zu suchen. So gab es die „Weihnachtspäckchenaktion“ für Kinder und es gelang mit Hilfe von Spenden einige politische Gefangene und deren Familien und auch belarussische Geflüchtete, wie Juri D. zu unterstützen.
Der 40-jährige Juri D. war in der belarussischen Opposition aktiv und musste kurz vor seiner Verhaftung 2021 in die Ukraine fliehen. In der Ukraine engagiert er sich seit den ersten Kriegstagen ehrenamtlich in der humanitären Hilfe und versucht sich mit kleinen Arbeiten irgendwie über Wasser zu halten. Seine Konten in Belarus sind gesperrt, er darf nicht arbeiten und selbst Geld verdienen. Mit Spenden der Partnerorganisationen konnte er seine lebensnotwendigen Medikamente bezahlen und sich einem notwendigen Herzeingriff unterziehen.
Auch die Rottweiler Bürgerinitiative berichtete im Forum von ihrem Engagement. Die Bürgerinitiative hält so gut es geht den Kontakt zu den Freunden in Belarus. Sie unterstützt darüber hinaus mit Hilfe von Spendern einzelne behinderte Kinder und alte Menschen in den Tschernobylgebieten. Ein weiterer Schwerpunkte ist es die Folgen von Tschernobyl und die die dramatische Menschenrechtslage in Belarus wach zu halten und mit Briefen an die politischen Gefangenen und Unterstützung von deren Familien konkrete Hilfe zu leisten. Auf Interesse stieß im Forum der Bericht über die neue Rottweiler Reihe „Literatur aus Belarus“ mit Lesungen, der temporären Buchausleihe (bis Mai) in der Stadtbücherei und Autorengesprächen.
Als nächste Aktion findet anlässlich des Tschernobyljahrestags im Rahmen dieser Reihe am Samstag, 27. April von 11 bis 12 Uhr in der Stadtbücherei Rottweil die Vorstellung der belarussischen Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewisch und eine Lesung aus einigen ihrer Werke statt.
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