Benachrichtigung

Wolf oder Hund? Drei Gutachten liefern unterschiedliche Antworten auf Schafriss

Ein totes Schaf im Eschachtal sorgt weiter für Diskussionen: Drei forensische Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während die FVA einen Wolf ausschließt, sehen andere Labore Hinweise auf einen Hund oder sogar auf einen Wolf beziehungsweise einen Wolf-Hund-Mischling.

Foto: privat
Autor / Quelle:
Lesezeit 3 Min.

Die Frage, welches Tier das Schaf am Eckhof im Eschachtal unlängst tatsächlich gerissen hat, bleibt vorerst offen. Für Schäfer Matthias Meerwarth ist die Sache dennoch klar: Er hält einen Wolf weiterhin für den wahrscheinlichsten Verursacher.

Welches Tier das Schaf am Eckhof gerissen hat, dazu gibt es inzwischen drei forensische Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die Forstwirtschaftliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) des Landes stellt in ihrer Untersuchung klar, dass ein Wolf ausgeschlossen werden könne. Schäfer Matthias Meerwarth, dem das tote Schaf gehört, hat weitere Proben an zwei Institute geschickt. Auch dort unterscheiden sich die Ergebnisse.

eckhof schafe matthias meerwarth mai 25 (22)
Foto: Moni Marcel

Ein Labor in Kaiserslautern hat die ihm zugesandten Proben eindeutig einem Haushund zugeordnet. Ein weiteres Labor in Hamburg wiederum hat Genproben gefunden, die nach Einschätzung der Gutachter stark auf einen Wolf hindeuten. So schreibt das „Institut ForGen – Forensische Genetik und Rechtsmedizin Hamburg“:

„Weiterhin wurde das Merkmal ‚96‘ im Markersystem PEZ05 und ‚180‘ im Markersystem PEZ15 von uns bisher nur bei Wölfen und nicht bei anderen Canidae (n>21.000, >275 Hunderassen, Schakale, Dingos, Füchse, Marderhunde) nachgewiesen. (….) Damit kann zusammengefasst werden, dass an den übersandten Spurenträgern sicher DNA von mindestens zwei bis drei Vertretern aus der Familie der Canidae nachgewiesen werden konnte. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um mindestens ein männliches Individuum. Dabei weist die STR-Analytik auf einen Wolf hin, wobei aus forensischer Sicht auch ein Wolf-Hund-Mischling nicht ausgeschlossen werden kann.“

Dass die Ergebnisse der Untersuchungen unterschiedlich ausfallen, könnte daran liegen, dass sich nach dem Riss mehrere Tiere an dem toten Schaf zu schaffen machten – und so ihre genetischen Spuren hinterließen, die bei den Abstrichen an verschiedenen Stellen gefunden wurden.

Schäfer Meerwarth ist nach wie vor überzeugt davon, dass es ein Wolf war, der das Schaf gerissen hat. Nach seiner Einschätzung deuten die Fotos darauf hin, dass sich das Schaf gegen den Angreifer gewehrt hat. Rund um die Fundstelle sei das Gras niedergetrampelt.

Meerwarth vermutet zudem, dass die Hunde im benachbarten Tierheim auf das Raubtier aufmerksam wurden und es durch ihr Gebell vertrieben haben könnten. Deshalb sei das Schaf möglicherweise nicht vollständig gefressen worden. Anschließend könnten sich andere Tiere am Kadaver zu schaffen gemacht haben. Eins stellt der erfahrene Schäfer klar: Ein Fuchs könne nach seiner Einschätzung kein ausgewachsenes Schaf reißen.

Dass ein Wolf seinen Weg ins Eschachtal findet, ist keineswegs ausgeschlossen. Immerhin gibt es im Schwarzwald mehrere ausgewiesene Wolfsterritorien – unter anderem am Schluchsee, an der Hornisgrinde, auf der Ostbaar und im Nordschwarzwald. Laut Naturschutzbund NABU ist der Wolf ein hervorragender Langstreckenläufer, der bis zu 80 Kilometer täglich zurücklegen kann. Zudem wurden im Schwarzwald immer wieder durchziehende Wölfe aus Niedersachsen, Österreich oder Bayern nachgewiesen.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.