Neuwagen in Deutschland werden nach Angaben einer aktuellen Studie seit Jahren immer größer. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert deshalb Obergrenzen für Fahrzeuggrößen sowie ein Verbot besonders großer SUV und Pick-ups in Innenstädten. Begründet wird dies mit Risiken für die Verkehrssicherheit und dem zunehmenden Platzbedarf im öffentlichen Raum.
Autos werden in Deutschland seit Jahren größer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E), auf die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verweist. Demnach wachsen neu zugelassene Pkw seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt jährlich um 1,2 Zentimeter in der Länge und um 0,5 Zentimeter in der Höhe. Auch die Breite der Fahrzeuge und die Höhe der Motorhauben nehmen kontinuierlich zu.
Die Deutsche Umwelthilfe sieht darin ein zunehmendes Problem für Städte und Gemeinden. Besonders in dicht bebauten Innenstädten und historisch gewachsenen Stadtkernen werde der öffentliche Raum knapper. Größere Fahrzeuge benötigten mehr Parkfläche, erschwerten die Nutzung von Gehwegen und führten häufiger zu Nutzungskonflikten zwischen Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern.
Nach Ansicht der DUH verschärfen große Fahrzeuge zudem Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. Höhere Motorhauben könnten die Sicht auf Kinder oder andere Verkehrsteilnehmer einschränken. Bei Unfällen steige außerdem das Risiko schwerer Verletzungen für Fußgänger und Radfahrer. Besonders betroffen seien Kinder und ältere Menschen.
Die Umweltorganisation fordert deshalb verbindliche Obergrenzen für neue Pkw. Die Motorhaube soll künftig höchstens 85 Zentimeter hoch sein, die Fahrzeugbreite maximal 192 Zentimeter betragen. Pkw mit bis zu fünf Sitzplätzen sollen nach Vorstellung der DUH nicht länger als fünf Meter sein. Darüber hinaus fordert der Verband ein Verbot besonders großer SUV und Pick-ups in Innenstädten.
Auch bei der Besteuerung und beim Parken sieht die DUH Handlungsbedarf. Die Kfz-Steuer soll stärker an CO₂-Ausstoß und Fahrzeuggewicht gekoppelt werden. Kommunen sollen außerdem die Möglichkeit erhalten, Parkgebühren nach Größe, Gewicht oder Motorisierung eines Fahrzeugs zu staffeln.
Als Beispiel nennt die Organisation die französische Hauptstadt Paris. Dort zahlen Fahrer besonders großer Fahrzeuge teilweise deutlich höhere Parkgebühren als Besitzer kleinerer Autos.
Die Studie vergleicht die aktuelle Entwicklung mit einem sogenannten „Right-Sizing“-Szenario. Dabei würden politische Maßnahmen dazu führen, dass die Fahrzeuggrößen bis 2040 wieder auf das Niveau der Jahre 2010 bis 2015 zurückgehen. Ohne Gegenmaßnahmen könnten laut den Berechnungen europaweit bis zum Jahr 2040 mehr als 2.500 zusätzliche Erwachsene und 79 Kinder im Straßenverkehr ums Leben kommen.
Der Trend zu größeren Fahrzeugen zeigt sich seit Jahren auch auf dem deutschen Automarkt. SUV gehören inzwischen zu den beliebtesten Fahrzeugklassen bei Neuzulassungen. Kritiker verweisen auf den höheren Platzbedarf und das erhebliche Gewicht dieser Fahrzeuge, während Befürworter vor allem Komfort, Übersicht und Sicherheitsgefühl hervorheben.
Ob Städte künftig tatsächlich Einschränkungen für besonders große Fahrzeuge einführen dürfen, dürfte Teil weiterer verkehrspolitischer Debatten werden – auch in Baden-Württemberg, wo viele Kommunen mit begrenztem Parkraum und engen Innenstadtbereichen konfrontiert sind.
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