Tierfreunde wollen die meisten Menschen sein. Beispiele von falsch verstandener Tierliebe aber hat uns Linda Esken vom Ponyhof „Trippel trappel“ berichtet.
Wellendingen – 18 Ponys leben in dem Hof, mitten in der Landschaft auf dem Stungen zwischen Wellendingen und Schömberg gelegen. Saftige Wiesen rund herum. Mädchen, die mit Hingabe die bis 1,48 Meter Stockmaß hohen Ponys pflegen, striegeln, säubern.
Doch es sind nicht nur die jungen und erwachsenen Kleinpferde, die auf dem Hof leben. Die mit den Kindern und Jugendlichen gehen, auf denen sie reiten. Die auch in Seniorenheime gehen. Vielmehr sind hier auch Pferde-Rentner, die teilweise schon seit Gründung des Hofes im Jahr 2005 dabei waren. Dazu muss man wissen, dass ein Jahr für Pferde wie dreieinhalb Jahre ist. Ponys, die seit 20 Jahren hier leben, haben also schon umgerechnet 70 Jahre auf dem Buckel. Und es gibt hier welche, die noch älter sind. Und da fangen bei vielen Menschen die Altersbeschwerden an. Die Menschen bekommen Brillen, Hörgeräte, dritte Zähne und vieles mehr, was das Leben angenehmer macht. Die Pferde nicht.
„Sie sind doch gesund“
Es gibt größere Höfe, so berichtet Linda Esken, bei denen die Pferde eingeschläfert werden, wenn sie zu alt sind. Oder zum Schlachter kommen. Das geschieht mit den „Rentnern“ auf ihrem Hof nicht. „Warum auch? Sie sind doch gesund, haben nur Altersbeschwerden“, sagt sie und weiß sich darin mit dem Tierarzt einig. „Aber sie möchten noch dabei sein!“
Doch wer unbefangen und uninformiert an dem Hof vorbei kommt, sieht nur: Da sind Tiere, die nicht vor Gesundheit strotzen. Die vielleicht mal Kot am Schweif haben. Oder nur noch ein Auge. Die nur noch wenige Zähne haben und nicht, wie Mensch Opa, beim Zahnarzt ein Gebiss bekommen. Oder auch, dass ein Pony mal angemalt wird (mit zugelassenen Farben, versichert sie). Da kommt es immer wieder vor, dass Passanten das Veterinäramt informieren. Anonym. Und das Amt, so berichtet Esken, muss dem nachgehen. Dann bekommt sie Besuch. „Das sind total liebe Mitarbeiter“, sagt sie. Die ihren Betrieb schon von manchen anonymen Anzeigen kennen. Und dann zufrieden wieder zurück fahren.
Einfach fragen!
„Das ist falsch verstandener Tierschutz“, sagt Linda Esken über die anonymen Anzeigen. Sie kann nicht verstehen, warum die Menschen sie nicht einfach fragen, was mit den Tieren ist. Sondern gleich zu einer Anzeige schreiten. Gerne wäre sie bereit, Auskunft zu erteilen.
Erst wenn die Tiere nicht mehr aufstehen können und das Leben zur Qual wird, dann muss sie ans Einschläfern denken. Aber so lange haben die Ponys ihren Platz im Stall, und wenn sie über hundert Pony-Jahre alt sind wie Layka. Und die Kinder haben ihre Freude an ihnen.




