Seit zehn Jahren beschäftige sich die Stadt Schramberg mit dem Ausbau des Breitbandnetzes, rechnete Konrad Ginter im Ausschuss für Umwelt und Technik vor. Seit ungefähr so lange fungiert er auch als Breitbandbeauftragter der Stadt. Jetzt hat er dem Ausschuss eine Kooperationsvereinbarung vorgestellt, um bisher unterversorgte Adressen im Kreis Rottweil an ein Gigabit-Netz anzuschließen. Dabei gehe es „um den Ausbau der ‚Grauen Flecken‘“, so Ginter.
Schramberg. Im Kreis Rottweil verfolge man eine einheitliche Breitbandstrategie aller Städte und Gemeinden, die mit einem Kooperationspartner „Stück für Stück umgesetzt und weiterentwickelt“ werde, so Ginter in seiner Vorlage.
Inzwischen habe man relativ hohe Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung erreicht. In Schramberg und im Kreis seien die Schulen ans Glasfaser-Netz angeschlossen worden. Derzeit würden die „weißen Flecken“ und die Gewerbegebiete angeschlossen. Dabei seien 50 Mbit pro Sekunde eigentlich Standard.
Lückenschluss bei Glasfaser ins Haus
Der Landkreis möchte nun auch die Haushalte anschließen, die bisher keinen Glasfaser oder KOAX-Anschluss haben. Das Verfahren heißt „Fiber to the Building“ (Glasfaser bis zum Haus), kurz FTTB. Kreisweit seien das etwa 15.000 Adresspunkte, heißt es in der Vorlage.
Anhand von Grafiken zeigte Ginter, dass in Waldmössingen praktisch alle Haushalte dazu gehörte würden, in Tennenbronn dagegen nur wenige. In Schramberg und auf dem Sulgen sind manche Gebiete bestens versorgt, andere weisen noch zahlreiche „graue Flecken“ auf. Ziel sei, dass alle Haushalte über schnelles Internet verfügen.

Ohne Zuschuss nicht wirtschaftlich
Weil etwa die Hälfte der Adresspunkte von den Telekommunikationsunternehmen nicht eigenwirtschaftlich angeschlossen werden können, sollen die Kommunen (neben dem Bund) einen Beitrag zum Ausbau leisten. Für die Stadt Schramberg schätzt Ginter die Kosten auf 966.000 Euro. Weil schon einige Vorarbeiten geleistet worden seien, könne es auch weniger werden, so Ginter.
Die Summe sei „kein Pappenstiel“, meinte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Das Geld werde mittelfristig zwischen 2025 und 2030 fällig. Andererseits sei das Glasfasernetz ein wichtiger Standortfaktor. Es gehe dabei auch um gleiche Lebensbedingungen für alle. Jürgen Kaupp signalisierte Zustimmung seiner CDU-Fraktion, es sei richtig, Begonnenes weiter zu führen.
Überall Erdkabel wäre zu teuer
Weil im Außenbereich die Glasfaserkabel nicht unterirdisch verlegt, sondern an Masten montiert werden sollen, war Oskar Rapp (Freie Liste) skeptisch. Bei Stürmen im Schwarzwald befürchtet er viele Leitungsschäden. Er frage sich, ob die Telekom ausreichend Techniker habe, um diese Schäden schnell zu beheben. Er wollte wissen, ob die Betroffenen nicht einfach ihre alten Telefonkabel behalten könnten.

Das sei nicht möglich, so Ginter. Die alten Telefonleitungen seien immer mit 12-Volt-Strom mitversorgt. „Deshalb funktioniert bei Stromausfall das Telefon noch. Das fällt bei Glasfaser weg.“ Dafür sei Glasfaser energiesparsamer. Würde man eine Erdverlegung im Außenbereich ausschreiben, würde es viel teurer. In der Stadt werde alles unterirdisch verlegt, so Ginter.
Für SPD-Buntspecht lobte Mirko Witkowski das Projekt „als wichtige Investition in die Infrastruktur der Stadt“. Der Ausschuss fasste schließlich einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss für den Gemeinderat.
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