Benachrichtigung

Tennenbronn seit 20 Jahren Stadtteil von Schramberg: Heimathaus blickt auf Eingemeindung zurück

Foto: Alfred Moosmann, pm
Autor / Quelle:
Lesezeit 6 Min.

Zum 20. Jahrestag der Eingemeindung Tennenbronns nach Schramberg hat das Heimathaus an die politischen Entscheidungen und Debatten der Jahre 2005 und 2006 erinnert. Als Referent sprach der damalige Schramberger Oberbürgermeister Dr. Herbert O. Zinell, der die Vorgänge aus seiner Sicht schilderte. Darüber berichtet Alfred Moosmann.

Rund 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste von auswärts kamen am 6. Mai in den katholischen Pfarrsaal in Tennenbronn. Heimathaus-Vorstand Alfred Moosmann sagte bei der Begrüßung, er sehe viele als geschichtlich interessiert bekannte Gesichter. Auffällig sei zugleich, dass frühere Gegner der Eingemeindung offenbar nur vereinzelt vertreten waren.

Dr. Zinell erinnerte zunächst daran, dass Schramberg bereits vor Tennenbronn Erfahrungen mit Eingemeindungen gemacht hatte. Sulgen wurde in der NS-Zeit nach Schramberg eingegliedert, Waldmössingen kam im Zuge der Gemeindereform 1971 freiwillig hinzu. In Zinells erste Amtszeit fiel 1998 zudem der Wunsch einer Mehrheit des Lauterbacher Gemeinderats, sich Schramberg anzuschließen. Bei einem Bürgerentscheid fand dies jedoch keine Mehrheit – trotz der damals angespannten Haushaltslage.

Überraschende Wendung im Gemeinderat

Herbert O. Zinell schilderte, wie er am 14. Juli 2005 gemeinsam mit einem Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung zu einer Gemeinderatssitzung nach Tennenbronn eingeladen worden sei. Ursprünglich sollte es um eine Kooperation im Schwimmbadbereich gehen. Stattdessen sei dort erstmals eine mögliche Eingliederung Tennenbronns nach Schramberg zur Sprache gekommen.

Auslöser war nach Zinells Darstellung die erfolgreiche Kandidatur des damaligen Tennenbronner Bürgermeisters Christof Dold in Pliezhausen. Danach folgten die weiteren Schritte rasch. Bereits fünf Tage später beschloss der Tennenbronner Gemeinderat, Sondierungsgespräche aufzunehmen – gegen den Willen des noch amtierenden Bürgermeisters. Nach Zinells Darstellung wollte dieser nicht für einen möglichen Verlust der Selbstständigkeit verantwortlich gemacht werden.

Der Zeitplan war ehrgeizig. Bis Jahresende sollte eine Entscheidung vorbereitet sein. Die Fakten zur Beurteilung der Lage wurden in einem sogenannten Weißbuch zusammengetragen, also einer Übersicht über finanzielle, organisatorische und rechtliche Grundlagen. Im Oktober begannen die Vertragsverhandlungen.

Zinell zitierte in diesem Zusammenhang das Sprichwort „Mit dem Essen kommt der Appetit“. Nach seiner Erinnerung wurden auf Tennenbronner Seite im Laufe der Verhandlungen zusätzliche Erwartungen formuliert. Am Ende verpflichtete sich die Stadt Schramberg, in den folgenden zehn Jahren rund 4,4 Millionen Euro in Tennenbronn zu investieren.

Dr. Herbert O. Zinell erinnerte im katholischen Pfarrsaal an die Eingemeindung Tennenbronns nach Schramberg. Foto: Alfred Moosmann, pm

Emotionaler Abstimmungskampf

Befürworter und Gegner der Eingemeindung formierten sich und warben bei Vereinen und Bürgerversammlungen für ihre Positionen. Auch das Medieninteresse war erheblich. Zeitungen veranstalteten Podiumsdiskussionen, Anfragen von Hörfunk und SWR-Fernsehen gingen ein.

Nach Zinells Darstellung war die Debatte zeitweise stark emotional geprägt. Es habe Vorhaltungen, persönliche Angriffe und auch falsche oder irreführende Behauptungen gegeben. Dass soziale Medien damals noch keine vergleichbare Rolle spielten, sei rückblickend ein Glück gewesen, meinte Zinell.

Am 15. Januar 2006 stimmten die Bürgerinnen und Bürger in Tennenbronn über die Eingemeindung ab. Kurz zuvor hatte Herbert O. Zinell seine erneute Kandidatur als Oberbürgermeister von Schramberg bekannt gegeben. Rund 62 Prozent der Abstimmenden sprachen sich für die Eingemeindung aus. Mit dem Zusammenschluss zum 1. Mai 2006 wurde Zinell auch Oberbürgermeister des neuen Schramberger Stadtteils.

Die Eingemeindung in Kürze

Tennenbronn und Schramberg – wichtige Daten

  • 14. Juli 2005: In einer Gemeinderatssitzung kommt überraschend eine mögliche Eingliederung Tennenbronns nach Schramberg zur Sprache.
  • 19. Juli 2005: Der Tennenbronner Gemeinderat beschließt, Sondierungsgespräche aufzunehmen.
  • Oktober 2005: Die Vertragsverhandlungen beginnen.
  • 15. Januar 2006: Die Bürgerinnen und Bürger stimmen über die Eingemeindung ab.
  • 1. Mai 2006: Tennenbronn wird Stadtteil von Schramberg.
  • Rund 4,4 Millionen Euro: Diese Summe sollte Schramberg innerhalb von zehn Jahren in Tennenbronn investieren. Hinweis: Laut einem zeitgenössischen Bericht verpflichtete sich Schramberg, bis zu 4,1 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen aufzuwenden (zuzüglich weiterer Mittel für Wasser/Abwasser). Die Zahl 4,4 Millionen stammt offenbar aus Zinells Erinnerung bei der Veranstaltung – sie weicht von der zeitgenössisch dokumentierten Zahl leicht ab.

Schrambergs Stadtteile im Überblick

  • Sulgen: Eingliederung in der NS-Zeit.
  • Waldmössingen: Eingemeindung im Zuge der Gemeindereform 1971.
  • Tennenbronn: Eingemeindung zum 1. Mai 2006.
  • Lauterbach: Ein möglicher Anschluss an Schramberg scheiterte 1998 bei einem Bürgerentscheid.

Blick nach Lauterbach

In den abschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum wurde die Einschätzung geäußert, dass das aufgebaute Vertrauensverhältnis und Zinells erneute Kandidatur wesentlich zum positiven Ausgang des Bürgerentscheids beigetragen hätten.

Der Lauterbacher Gemeinderat Ansgar Fehrenbacher fragte, worin der Unterschied zur negativen Abstimmung in seiner Gemeinde gelegen habe. Eine mögliche Erklärung sah er in der damaligen Uneinigkeit des Lauterbacher Gemeinderats. Fehrenbacher verwies darauf, dass Lauterbach zwar weiterhin selbstständig sei, im Laufe der Jahre aber auf manches habe verzichten müssen.

Auch Tennenbronn ist nach der Eingemeindung ein Ort mit eigener Identität geblieben. Das Heimathaus trägt nach Einschätzung seiner Verantwortlichen dazu bei, die Geschichte des Ortes sichtbar zu halten. Es wurde 2010 mit Unterstützung der Stadt eröffnet und widmet sich seither der Geschichte und den Ereignissen der Heimat.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen