Schramberg-Tennenbronn. Eine Feldstudie des Gesundheitsamts Rottweil und des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg hat in Tennenbronn einen sogenannten FSME-Naturherd identifiziert. Bei der dortigen Kneippanlage wurden zwei Zecken mit erhöhter FSME-Viruslast gefunden. Für das nahegelegene Freibad bestehe laut Gesundheitsamt kein erhöhtes Risiko.
Gezielte Suche an bekannten Risikoorten
Im Rahmen der Studie wurden Zecken systematisch an Stellen eingesammelt, an denen bereits früher FSME-Erkrankungen aufgetreten waren. Das Ergebnis bestätigt, was Behörden und Mediziner schon länger beobachten: Der Landkreis Rottweil gilt seit mehr als zehn Jahren als FSME-Risikogebiet. Bundesweit stuft das Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit 185 Landkreise und kreisfreie Städte entsprechend ein – Tendenz steigend. Baden-Württemberg zählt dabei gemeinsam mit Bayern zu den am stärksten betroffenen Bundesländern; rund 80 Prozent aller deutschen FSME-Meldungen entfallen auf diese beiden Länder.
Die Fallzahlen unterstreichen die Dringlichkeit: 2025 wurden bundesweit rund 693 FSME-Erkrankungen gemeldet – die dritthöchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Bereits im laufenden Jahr 2026 wurde in Baden-Württemberg der erste FSME-Fall gemeldet, was Gesundheitsminister Manne Lucha zum Appell veranlasste, den eigenen Impfschutz zu überprüfen.
Schilder sollen warnen und aufklären
Als Reaktion auf den Fund wird die Stadt Schramberg rund um die Kneippanlage in Tennenbronn in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt spezielle Hinweistafeln aufstellen. Diese sollen Besucherinnen und Besucher vor Ort über Zecken, mögliche Risiken und geeignete Schutzmaßnahmen informieren.
Was tun zum Schutz vor Zecken?
Nicht jeder Zeckenstich führt automatisch zu einer Infektion, doch das Gesundheitsamt empfiehlt, bei Aufenthalten in der Natur aufmerksam zu bleiben. Lange Hosen, feste Schuhe und langärmelige Kleidung senken das Risiko eines Stichs spürbar. Spezielle Abwehrsprays können zusätzlich helfen, ersetzen aber keine andere Schutzmaßnahme. Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte der Körper sorgfältig auf Zecken abgesucht werden – und gefundene Tiere möglichst schnell entfernt werden.
Die wirksamste Schutzmaßnahme gegen FSME bleibt die Impfung. Sie wird allen empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort regelmäßig in der Natur aufhalten. Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfungen notwendig, alle drei bis fünf Jahre folgt eine Auffrischung. Wichtig: Im Gegensatz zur Borreliose kann das FSME-Virus bereits unmittelbar nach dem Stich übertragen werden – ein frühzeitiges Entfernen der Zecke bietet daher bei FSME keinen sicheren Schutz.
Was ist FSME?
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine durch Zeckenstiche übertragene Viruserkrankung – trotz ihres Namens ist sie inzwischen fast ganzjährig aktiv. 70 bis 90 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Symptome. In anderen Fällen beginnt die Erkrankung mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Verläufen kann FSME Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks verursachen – mit in seltenen Fällen bleibenden Schäden. 98 Prozent der 2025 gemeldeten Erkrankten waren nicht oder unzureichend geimpft.
Weitere Informationen gibt es beim Gesundheitsamt des Landkreises Rottweil sowie unter infektionsschutz.de.
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