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Eine ganz zentrale Institution in Rottweil: das Café Schädle. Foto: Peter Arnegger

Aus unserer Mitte, aus Rottweils Mitte gerissen

Joachim „Jumbo“ Schädle ist tot. Der Betreiber des Café Schädle starb in der Nacht auf Donnerstag. Sein Café bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

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Rottweil ohne das Schädle – das ist für viele kaum vorstellbar. Und Rottweil ohne „Jumbo“ ebenso wenig. Und doch: Joachim „Jumbo“ Schädle, der Betreiber des Café Schädle, starb in der Nacht auf Donnerstag überraschend. Sein Café direkt am Alten Rathaus bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Mit ihm verliert die Stadt einen Gastgeber, einen Konditor und einen Menschen, der über Jahrzehnte zu ihrer Mitte gehörte: mitten hinein in die Fußgängerzone, an die Obere Hauptstraße und direkt ans Alte Rathaus. Das Café Schädle ist seit den 1930er-Jahren in Familienbesitz und wurde in dritter Generation geführt. Eine ganz zentrale Rottweiler Institution.

Joachim „Jumbo“ Schädle war dort nahezu immer anzutreffen. Gesprochen übrigens: „Tschambo“ und nicht „Iumbo“ oder „Tschumbo“. Jumbo, das war sein stadtbekannter Vorname. Denn, wie ein Bekannter sagt: „Unter dem Namen Joachim kennt ihn in Rottweil niemand.“ Oft saß dieser Jumbo Schädle in seinem Café, im Sommer auch an einem kleinen Tisch auf der Terrasse. Meist in Gesellschaft. Dann war immer Zeit für ein Schwätzchen. Er lächelte, hörte zu, kannte viele Menschen – und war für viele ein vertrautes Gesicht der Stadt.

Er konnte zunächst etwas brummig wirken, vielleicht auch, weil für ihn als Konditor der Tag oft schon viele Stunden alt war, wenn die Leute auf ihren Frühstückskaffee vorbeischauten. Doch wer mit ihm ins Gespräch kam, erlebte einen zugewandten und hilfsbereiten Menschen. Gerade in Zeiten knappen Personals stand er selbst hinter der Theke, bediente Gäste und hielt sein Café am Laufen. Nicht von einer Distanz aus, sondern mittendrin. Erst jüngst freute er sich etwa über die zunehmende Zahl an Touristen, die Rottweil besuchen. Und damit auch sein Café. Samstag Vormittags gehört dieses wiederum den Einheimischen. Weil der Wochenmarkt so viel mehr ist als Einkaufen. Und das Schädle wiederum ein entscheidender, zentraler Aspekt dieses „mehr“.

Ein Stück Fasnet

Eine Rottweiler Fasnet ohne das Schädle ist schwer vorstellbar. Am Dreikönigstag beginnt ein ebenso zentrales Stück der Fasnet dort: Vom Café Schädle aus werden die Abstauber vom Narrenmeister ausgeschickt, um die Narrenkleider der Bürgersleute abzustauben. Im offiziellen Programm der Narrenzunft ist das Café als Ort des Abstaubens fest verankert. Und dann folgen die langen Schmotzigen-Nächte und die Fasnetsfreitage, wenn sich die Reste der Schmotzigengruppen im Café sammeln. Dazu gehörten Jumbos frische Schokobananen – eine kleine, süße Stärkung nach langen Stunden und für viele ein fester Teil der Fasnet. Schokobananen nennt die Beschreibung des Hauses ausdrücklich als stadtbekannte Spezialität. Zu recht.

Auch die Kinderkärtle-Ausgabe gehörte zum Fasnetsprogramm im Café Schädle: 2024 wurden dort etwa Berliner großzügig an die Kinder verteilt. Hergestellt von Jumbo.

Schokoladenglück

Und dann sind da das Annale und das Sarahle. Auf diese Süßigkeiten aus Jumbos eigener Herstellung freuen sich viele Menschen in Rottweil besonders im Herbst. Sie gehören zum Café wie die Terrasse, die Theke und Jumbo selbst. Annale und Sarahle sind wohlbekannte Leckereien und über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Das Café ist bekannt für seine hausgemachten Kuchen, Torten, Pralinen und Süßwaren aus eigener Konditorei; das Sarahle gilt vielen als besondere Nougat-Spezialität.

Mit seinen Annale, Sarahle und Schokobananen hat Jumbo die Menschen in Rottweil über viele Jahre schokoladen-glücklich gemacht. Nicht laut, nicht aufgesetzt – sondern mit dem Handwerk, das er beherrschte, und mit dem Ort, den er für die Stadt geschaffen und erhalten hat. Das galt auch für seine seine selbstgemachten Pralinen, toll verpackt. Wenn man nicht wusste, wie sie schmecken, war er spendabel und gab die eine oder andere aus. Mit einem Lächeln. Und mit der Zuneigung des Handwerkers zu seinen Produkten.

Eine Lücke bleibt

In der Nacht auf Donnerstag waren ein Rettungsteam des Deutschen Roten Kreuzes und ein Notarzt vor Ort. Sie kümmerten sich um Joachim „Jumbo“ Schädle, der plötzlich Hilfe benötigte. Sie konnten ihn ins Leben zurückholen, er kam in eine Klinik außerhalb Rottweils, wo er dann verstarb. Zum weiteren Verlauf und zu den Umständen seines Todes sind keine gesicherten Angaben bekannt.

Nun bleibt sein Café zunächst geschlossen. Und mit dieser geschlossenen Tür mitten in der Stadt wird sichtbar, was Rottweil verloren hat: einen besonderen Gastgeber, einen Konditor mit eigener Handschrift – und einen Menschen, der plötzlich aus unserer Mitte, aus Rottweils Mitte gerissen wurde.

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