Hitzeschutz in Rottweiler Pflegeheimen: Arzt warnt vor wachsender Gefahr
Hitze belastet alte und pflegebedürftige Menschen besonders stark. Der Rottweiler Arzt Dr. Haftstein beobachtet mehr Kreislaufprobleme und warnt...
WeiterlesenEinrichtungen berichten von Verschattung, Ventilatoren und zusätzlichen Getränken. Ein Arzt sieht wachsende gesundheitliche Gefahren, der Rettungsdienst deutlich mehr Einsätze.
Drei Perspektiven auf denselben Sommer
Pflegebedürftige Menschen verbringen heiße Tage und Nächte häufig im selben Gebäude. Viele sind hochbetagt, chronisch krank oder auf Medikamente angewiesen, die Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Die Pflegeeinrichtungen beschreiben Beschattung, Ventilatoren, zusätzliche Getränke und angepasste Tagesabläufe. Dr. Holger Haftstein beobachtet mehr Kreislaufprobleme und indirekte Folgen wie Stürze. Der DRK-Kreisverband meldet für Juni und Juli 2026 rund 16 Prozent mehr Rettungsdiensteinsätze als im Vorjahr. In stationären Pflegeeinrichtungen habe sich die Zahl verdoppelt.
Diese Angaben widersprechen sich nicht zwingend. Die Einrichtungen berichten über einzelne Häuser, der Arzt über seine medizinischen Beobachtungen und der Rettungsdienst über den gesamten Rettungsdienstbereich.
Transparenz: Die DRK-Prozentwerte wurden ohne absolute Einsatzzahlen übermittelt. Die RKI-Angaben sind Modellschätzungen. Die 29,7 Grad im St. Elisabeth stammen von einer privaten Einzelmessung.
NRWZ-Berichte
Stellungnahmen, Interviews und Auswertungen der NRWZ-Recherche – automatisch zusammengestellt über das Schlagwort „hitzeschutz“.
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Zwischenstand
Beide Träger beschreiben Verschattung, angepasstes Lüften, Ventilatoren, Getränkeangebote und individuelle Unterstützung.
Vollständige, zwischen den Häusern vergleichbare Temperatur- und Ereignisstatistiken liegen nicht vor.
Beide Träger melden keine auffällige Zunahme hitzebedingter Zwischenfälle in ihren Häusern.
Dr. Haftstein nimmt eine Häufung wahr, betont aber, dass er keine eigene Statistik führt.
Das DRK meldet eine Verdoppelung der Einsätze in stationären Pflegeeinrichtungen gegenüber dem Vorjahr.
Arzt, Einrichtungen und DRK verweisen auf bauliche Grenzen, knappe Ressourcen und ungeklärte Investitionskosten.
Die Einrichtungen
Die NRWZ hat die Einrichtungen anhand desselben Fragenkatalogs betrachtet. Unterschiedliche Antworten werden nicht zu einer Rangliste verdichtet.

92 Dauerpflegeplätze · keine Klimaanlage · trägerweite Verfahrensanweisung
Genannt werden Ventilatoren, Rollläden, Markisen, teilweise Fensterfolien, Nachtlüftung, Getränke im Abstand von ein bis zwei Stunden, leichte Speisen, Fußbäder und Trinkprotokolle bei Bedarf.
Ein privat mitgeführtes Thermometer zeigte am 10. August in einem Speiseraum 29,7 Grad. Die Stiftung kann den Wert nicht bestätigen. Eigene Messungen um 12 und 17 Uhr hätten zwischen 24,2 und 26,5 Grad ergeben.
Offen: vollständige Messreihen, Raumzuordnung, Kälte-Inseln, Risikokriterien, systematische Medikamentenprüfung und personelle Anpassungen an Hitzetagen.

Einzelne Regelungen vorhanden · noch kein gebündelter Hitzeschutzplan
Der Betreiber nennt Außenjalousien, Lüftung, Getränke, Ventilatoren, Hitzeschutzfolien sowie kühlere beziehungsweise klimatisierte Rückzugsbereiche. Diese seien auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erreichbar.
Die Temperaturen werden anlassbezogen in einzelnen Bereichen kontrolliert. Eine standardisierte Messung in allen Bewohnerzimmern gibt es nicht. Eine pauschale Personalverstärkung an heißen Tagen ist nicht vorgesehen.
Offen: Temperaturschwellen, vollständige Höchstwerte, Zahl gekühlter Plätze, zentrale Risikoeinstufung, Nachtbesetzung und praktische Schulungen.
| Frage | St. Elisabeth | Spital und Luisenheim |
|---|---|---|
| Gebündelte Vorgabe | Trägerweite Verfahrensanweisung | Zusammenführung bestehender Regeln wird geprüft |
| Klimatisierung | Keine Klimaanlage | Kühlere beziehungsweise klimatisierte Rückzugsbereiche |
| Temperaturdaten | Messungen um 12 und 17 Uhr genannt; keine vollständige Reihe vorgelegt | Anlassbezogen; nicht flächendeckend standardisiert |
| Zwischenfälle | Keine Auffälligkeiten festgestellt | Keine auffällige Häufung festgestellt |
| Personalverstärkung | Nicht konkret beantwortet | Nicht grundsätzlich vorgesehen |
Rettungsdienst
Der DRK-Kreisverband meldet für Juni und Juli 2026 deutlich mehr Einsätze. Das Spektrum reiche von Hitzeerschöpfung und Austrocknung bis zu Kreislaufkollaps und Bewusstlosigkeit.
„Die Verdoppelung der Einsatzzahlen in den stationären Pflegeeinrichtungen zeigt, wie wichtig der gemeinsame Schutz vulnerabler Personengruppen bei extremen Wetterlagen ist.“
Ralf Bösel, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Rottweil

Grenzen der Daten: Das DRK hat keine absoluten Einsatzzahlen übermittelt. Unklar bleibt daher, von welchem Ausgangswert die Verdoppelung ausgeht. Auch die Zahl der konkret als hitzeassoziiert klassifizierten Einsätze liegt nicht vor.

Die medizinische Sicht
Dr. Holger Haftstein betreut regelmäßig Bewohnerinnen und Bewohner im Spital am Nägelesgraben und im Luisenheim sowie Menschen in weiteren Einrichtungen der Region.
„Das sehe ich schon als gefährlich an. Morbidität und Mortalität sind durch die Hitze sicherlich höher.“
Alte Menschen hätten häufig kein ausreichendes Durstgefühl. Sie müssten zusätzlich zum Trinken motiviert und genauer beobachtet werden. Kreislaufprobleme könnten außerdem zu Stürzen und schweren Verletzungen führen.
„Wenn nicht jetzt, dann muss man für die nächsten Sommer vorbauen.“
Als strukturelle Grenzen nennt Haftstein den Personalstand und die Gebäude. Seine Aussagen wurden ihm vor Veröffentlichung vorgelegt und von ihm freigegeben.
Fachlicher und rechtlicher Maßstab
Seit 2024 gibt es eine bundeseinheitliche Empfehlung für Hitzeschutzpläne in der stationären Pflege. Verbindliche Höchsttemperaturen für Bewohnerzimmer schafft sie nicht.
Bundesweite Einordnung
Nach der am 13. August 2026 veröffentlichten Auswertung schätzt das Robert Koch-Institut für Deutschland bis einschließlich Kalenderwoche 31 rund 12.500 hitzebedingte Sterbefälle.
Das Prädiktionsintervall reicht von 11.200 bis 13.600 Fällen. Rund 9.600 der geschätzten Todesfälle entfallen auf die außergewöhnlich heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni. Der größte Anteil betrifft Menschen ab 75 Jahren.
Das RKI weist darauf hin, dass Hitze auf Totenscheinen nur selten als Todesursache genannt wird. Es handelt sich um statistische Modellschätzungen, nicht um gezählte Fälle.
So recherchiert die NRWZ
Die Einrichtungen erhielten denselben Katalog zu Plänen, Messungen, Personal, Medikamenten und Zwischenfällen.
Die Redaktion bittet um Verfahrensanweisungen, Temperaturwerte, Statistiken und anonymisierte Nachweise.
Ärzte erläutern Risiken, ohne Angaben zu einzelnen Patientinnen und Patienten zu machen.
Das DRK wurde nach Einsätzen, zeitlichen Schwerpunkten und möglichen Engpässen gefragt.
Heimaufsicht und Gesundheitsamt sollen erklären, was sie prüfen und wann sie eingreifen.
Betroffene Einrichtungen können konkrete Feststellungen vor Veröffentlichung einordnen.
Pflegeeinrichtungen, Ärzte, Rettungsdienst und Landratsamt werden um Auskunft gebeten.
Ein mitgeführtes Thermometer zeigt in einem Speiseraum des St. Elisabeth 29,7 Grad.
Die NRWZ veröffentlicht die Regeln und Maßnahmen des Altenzentrums St. Elisabeth.
Die Stellungnahme zu Spital und Luisenheim sowie die DRK-Auswertung erscheinen.
Die medizinische Einordnung sowie Antworten von Gesundheitsamt und Heimaufsicht werden ergänzt.
FAQ
Das Durstgefühl lässt im Alter häufig nach. Der Körper kann seine Temperatur weniger wirksam regulieren. Chronische Erkrankungen und bestimmte Medikamente können Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt zusätzlich belasten.
Nein. Es gibt fachliche Empfehlungen für Hitzeschutzpläne, aber keine allgemein verbindliche Höchsttemperatur wie im Arbeitsschutz.
Nein. Es handelt sich um eine private Einzelmessung in einem Speiseraum. Der Wert überschritt den Idealbereich der stiftungseigenen Verfahrensanweisung, erlaubt aber keine Aussage über das gesamte Gebäude oder einen längeren Zeitraum.
Nicht zwingend. Die Einrichtungen berichten über einzelne Häuser, das DRK über alle stationären Pflegeeinrichtungen im Rettungsdienstbereich. Eine direkt vergleichbare Hitzestatistik liegt nicht vor.
Der Kreisverband übermittelte Prozentwerte, aber keine absoluten Einsatzzahlen. Daher bleibt offen, von welchem Ausgangswert die gemeldete Verdoppelung ausgeht.
Eine allgemeine Aufstockung ist im Spital und Luisenheim nicht vorgesehen. St. Elisabeth machte dazu bislang keine konkrete Angabe. Die DRK-Leitstelle kann bei erhöhtem Bedarf verstärkt werden.
Ihre Erfahrungen
Die NRWZ sucht sachlich überprüfbare Hinweise von Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen, Beschäftigten, Ärzten und Rettungskräften.
Quellenschutz: Hinweise werden vertraulich behandelt. Namen und identifizierende Einzelheiten werden nicht ohne ausdrückliche Zustimmung veröffentlicht. Medizinische Unterlagen bitte nur nach vorheriger Abstimmung übermitteln.
Quellen und Transparenz
Stand: 16. August 2026. Die Seite wird mit neuen Antworten und Artikeln fortlaufend aktualisiert. Die NRWZ trennt eigene Feststellungen, Angaben der Beteiligten und redaktionelle Einordnung.
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