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Blaulicht-Aktion in Rottweil: DRK warnt vor Finanzierungslücke im Rettungsdienst

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Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht vor der Wache: Am Dienstag, 13. Oktober, setzt das DRK in Rottweil ein Zeichen. Nach Ansicht des Roten Kreuzes ist die Finanzierung der Notfallrettung in Gefahr. Die Aktion kommt zwei Tage bevor der Bundestag über die Reform der Notfallversorgung abstimmt.

Rottweil. Das Deutsche Rote Kreuz in Baden-Württemberg macht mit einer landesweiten Aktion auf die Finanzierung des Rettungsdienstes aufmerksam. Am Dienstag, 13. Oktober, um 11.55 Uhr stellen sich im ganzen Land Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht vor die Rettungswachen. Auch der DRK-Kreisverband Rottweil macht mit: An der Rettungswache Rottweil in der Krankenhausstraße 14 stehen dann zwei Rettungswagen mit den Teams der Wache bereit. Marcus Stotz, Leiter des Rettungsdienstes, erklärt in einem kurzen Statement, was die Finanzierungsfrage für den Landkreis bedeutet.

Vergütung an Grundlohnrate gebunden

Auslöser des Protests ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, mit dem der Bund die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen stabil halten will. Es wurde inzwischen im Bundesgesetzblatt verkündet. Der Kern der Kritik: Vergütungssteigerungen sollen künftig an die sogenannte Grundlohnrate gebunden werden. Steigende Kosten durch Tarifabschlüsse, Energiepreise oder Investitionen in Technik und Infrastruktur würden damit nicht mehr vollständig berücksichtigt, warnte das DRK im Land schon im Mai.

„Stabile Krankenkassenbeiträge sind wichtig. Sie dürfen aber nicht dadurch erkauft werden, dass in Baden-Württemberg der Rettungswagen nur noch nach Kassenlage kommen kann“, sagte damals Marc Groß, Landesgeschäftsführer des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg. Die Frage sei dann nicht mehr, wie man den Rettungsdienst verbessere, „sondern ob wir ihn unter diesen Bedingungen überhaupt noch in der bisherigen Form aufrechterhalten können“. Gemeinnützige Träger könnten strukturelle Defizite nicht dauerhaft ausgleichen. Mögliche Folgen seien ein eingeschränktes Angebot und weniger Investitionen in Fahrzeuge, Technik und Personal.

Mit dieser Kritik steht das DRK nicht allein. Auch die Johanniter-Unfall-Hilfe sieht ohne verlässliche Refinanzierung die Gefahr von Qualitätsverlusten und regionalen Versorgungslücken. Private Rettungsdienste warnen, die Deckelung entziehe den Anbietern „die wirtschaftliche Grundlage“.

Hoffnung auf die Notfallreform

Korrigieren ließe sich das nach Ansicht des DRK mit der geplanten Reform der Notfallversorgung. Darüber entscheidet der Bundestag am Donnerstag, 15. Oktober; der Bundesrat soll sich am 16. Oktober damit befassen. Die Reform sieht vor, die Notfallrettung erstmals als eigene Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung zu verankern. Bisher bezahlen die Kassen den Rettungsdienst nur indirekt als Fahrtkosten. Erstattet wurde bisher nur, wenn ein Patient auch ins Krankenhaus gebracht wurde. Gab es Streit zwischen Rettungsdienst und Krankenkasse, konnten Patienten auf Kosten sitzen bleiben.

Außerdem sollen die Notrufnummer 112 und der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 digital vernetzt werden. Telefonreanimation und Ersthelfer-Apps sollen Standard werden. Teile des Gesetzes sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Aus der Branche heißt es, die Strukturreform dürfe „nicht durch die angekündigten Sparmaßnahmen im Rahmen der GKV-Reform gefährdet“ werden.

Über 17.000 Einsätze im Kreis

Wie viel auf dem Spiel steht, zeigen die Zahlen: Landesweit ist das DRK mit mehr als 820.000 Rettungswagen-Einsätzen und rund 225.000 Notarzteinsätzen pro Jahr der größte Anbieter in der Notfallrettung. Der Kreisverband Rottweil hilft jährlich in mehr als 17.000 Fällen. Er betreut ein Gebiet von 769 Quadratkilometern mit rund 140.300 Einwohnern und betreibt sechs Rettungswachen: Rottweil, Dornhan-Marschalkenzimmern, Oberndorf, Sulz, Schramberg und Schiltach, zusammen mit dem Kreisverband Wolfach.

An der Lehrrettungswache Rottweil sind zwei Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug und seit 2017 ein Schwerlast-Rettungswagen stationiert. Hier werden auch angehende Rettungs- und Notfallsanitäter ausgebildet. Die Arbeit nimmt zu: Im Juni und Juli 2026 verzeichnete der Kreisverband wegen der Hitze rund 16 Prozent mehr Einsätze als im Vorjahr.

Eines stellt das DRK für die Aktion klar: Die Einsatzbereitschaft geht vor. Wird während des Termins ein Fahrzeug alarmiert, rückt es sofort aus.

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