Die Ausländerbehörden der Großen Kreisstadt Rottweil und des Landkreises Rottweil gehen künftig gemeinsame Wege: Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf haben eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Einrichtung einer gemeinsamen Dienststelle im Landratsamt unterzeichnet.
Rottweil – Sowohl der Kreistag als auch der Gemeinderat hatten der Vereinbarung zuvor zugestimmt. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Aufgaben noch effizienter, stabiler und serviceorientierter zu erfüllen. Beide Behörden bleiben zunächst rechtlich selbstständig, arbeiten jedoch organisatorisch in einer gemeinsamen Einheit zusammen. Start der neuen Dienststelle ist der 1. Oktober 2026.
Ausländerbehörden übernehmen zentrale staatliche Aufgaben im Bereich des Aufenthaltsrechts. Dazu gehören beispielsweise die Erteilung und Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis, die Ausstellung von Visa und Duldungen, Entscheidungen über Erwerbstätigkeit von ausländischen Staatsangehörigen sowie Fragen des Familiennachzugs. Auch die Verpflichtung zu Integrationskursen gehört dazu. Hintergrund der Zusammenlegung sind vor allem praktische Herausforderungen im Alltag: Beide Ausländerbehörden arbeiten bislang in vergleichsweise kleinen Teams. Personelle Ausfälle – etwa durch Krankheit oder Elternzeit – lassen sich dort deutlich schwerer auffangen als in einer größeren Einheit.
Häufig war wegen der Namensgleichheit von Stadt und Landkreis Rottweil für ausländische Kunden auch nicht klar, an welche der beiden Behörden sie sich wenden müssen. Künftig gibt es eine zentrale Anlaufstelle für ausländerrechtliche Anliegen im Rottweiler Landratsamt. Auch für andere beteiligte Stellen – etwa Jobcenter, Polizei oder Regierungspräsidium – wird die Zusammenarbeit einfacher. Darüber hinaus bietet die gemeinsame Organisation die Chance, Abläufe zu vereinheitlichen und Entscheidungen transparenter zu gestalten.
Stimmen zur Zusammenarbeit
„Die hohe Fluktuation in der Vergangenheit, die Herausforderung, für dieses spezielle Rechtsgebiet ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, die vielfältigen Bezugspunkte zur Ausländerbehörde des Landkreises und nicht zuletzt die sehr beengte Raumsituation im Alten Rathaus haben uns dazu veranlasst, Gespräche mit dem Landkreis aufzunehmen“, so Rottweils Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf. „Die Einrichtung einer gemeinsamen Dienststelle entlastet unsere Verwaltung und bietet zugleich die Chance, die Fallbearbeitung schlanker und effizienter aufzustellen.“ Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel betont: „Auch die Kreisverwaltung steht bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden vor großen Herausforderungen. Die Bündelung der Kräfte hilft uns, diese Aufgaben langfristig stabiler zu bewältigen. Gleichzeitig profitieren alle Beteiligten von klareren Strukturen und einer engeren Abstimmung. Ich freue mich besonders, dass dieser Zusammenschluss auf Augenhöhe erfolgt ist.“
Perspektiven für die Mitarbeitenden
Die Zusammenarbeit ist so angelegt, dass sie für beide Seiten weitgehend kostenneutral bleibt. Die Kosten werden künftig anteilig nach der Zahl der betreuten Personen verteilt. Die sechs Beschäftigten der städtischen Ausländerbehörde sind über die anstehenden Veränderungen bereits informiert. Ihnen wird die Möglichkeit angeboten, unter Wahrung von Bestandsschutz zur Ausländerbehörde im Landratsamt zu wechseln und einen neuen Arbeitsvertrag mit dem Landkreis abzuschließen. Wer lieber im Rottweiler Rathaus bleiben möchte, erhält andere Aufgaben innerhalb der Stadtverwaltung.
Modell bereits im Nachbarlandkreis erprobt
Ein Blick in den Zollernalbkreis, wo eine vergleichbare Lösung bereits erfolgreich umgesetzt wurde, hat die Verantwortlichen in Rottweil zusätzlich bestärkt. Die dortigen Erfahrungen zeigen: Gemeinsame Strukturen erleichtern nicht nur die tägliche Arbeit, sondern verbessern auch Themen wie Abstimmung mit anderen Behörden und den Datenschutz.
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