Der erste Hitzeschub des Jahres hat Baden-Württemberg erreicht. Auch wenn für den Kreis Rottweil aktuell keine offizielle Hitzewarnung gilt, können hohe Temperaturen für ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige und Haustiere rasch zum Risiko werden. Worauf Familien, Angehörige und Tierhalter jetzt achten sollten.
Noch ist es keine klassische Hochsommerlage mit amtlicher Hitzewarnung. Doch der Körper unterscheidet nicht nach Kalender. Ende Mai steht die Sonne bereits so hoch wie Ende Juli, die UV-Belastung ist entsprechend stark. Nach den ersten sehr warmen Tagen im Südwesten gilt deshalb: Wer empfindlich ist, sollte Hitze nicht unterschätzen.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Pflegebedürftige, kleine Kinder und Haustiere. Sie können hohe Temperaturen schlechter ausgleichen, trinken oft zu wenig oder zeigen Warnzeichen erst spät. Hinzu kommt: Gerade zu Beginn der warmen Jahreszeit ist der Körper an Hitze noch nicht gewöhnt.
Nicht erst bei Hitzewarnung wird Hitze gefährlich
Der Deutsche Wetterdienst gibt Hitzewarnungen heraus, wenn eine starke Wärmebelastung erwartet wird und die Nächte kaum noch Abkühlung bringen. Als Orientierung gilt eine gefühlte Temperatur von mehr als etwa 32 Grad; bei extremer Wärmebelastung liegt die Schwelle bei mehr als 38 Grad.
Das bedeutet aber nicht, dass darunter alles unproblematisch wäre. Für Kranke, ältere Menschen, Kleinkinder oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen kann schon Mittagshitze deutlich belasten. Auch Medikamente können die Wärmeregulation beeinflussen.
Für den Kreis Rottweil heißt das: Selbst wenn keine amtliche Hitzewarnung vorliegt, sollten Angehörige, Eltern, Pflegekräfte und Tierhalter aufmerksam bleiben – besonders an sonnigen Tagen, in schlecht belüfteten Wohnungen, in Autos oder bei körperlicher Aktivität im Freien.
Senioren und Pflegebedürftige: Warum Hitze besonders belastet
Ältere Menschen nehmen Hitze häufig weniger deutlich wahr. Auch das Durstgefühl lässt im Alter oft nach. Das kann dazu führen, dass sie zu wenig trinken – gerade dann, wenn der Körper durch Schwitzen mehr Flüssigkeit verliert.
Gefährlich wird es besonders, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Vorerkrankungen, Medikamente, wenig Bewegung, eine aufgeheizte Wohnung oder fehlende Unterstützung im Alltag. Entwässernde Mittel, Betablocker oder bestimmte Psychopharmaka können die Reaktion des Körpers auf Hitze zusätzlich verändern.
Angehörige sollten deshalb an heißen Tagen regelmäßig nachfragen: Ist genug getrunken worden? Ist die Wohnung abgedunkelt? Gibt es Schwindel, Verwirrtheit, starke Müdigkeit oder ungewöhnliche Unruhe?
Als Warnzeichen für eine ernste Überhitzung gelten unter anderem Schwindel, Verwirrtheit, heiße trockene Haut, ein sehr schneller Puls, Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen. Bei Verdacht auf Hitzschlag sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Wichtig ist auch der Blick in die Hausapotheke: Wer regelmäßig Medikamente nimmt oder bei Hitze Schmerzmittel braucht, sollte sich beraten lassen. Bei Flüssigkeitsmangel können einzelne Wirkstoffe, darunter auch Ibuprofen, die Nieren zusätzlich belasten.
Kinder: Viel trinken, Schatten suchen, Auto meiden
Kinder sind bei Hitze besonders gefährdet, weil ihr Körper die Temperatur noch nicht so gut über Schwitzen regulieren kann wie der von Erwachsenen. Je kleiner das Kind, desto wichtiger sind Schatten, Flüssigkeit und Pausen.
Warnzeichen können ein trockener Mund, auffallende Müdigkeit, dunkler Urin oder bei Babys eine trockene Windel sein. Säuglinge sollten niemals direkter Sonne ausgesetzt werden. Aktivitäten im Freien gehören an heißen Tagen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden.
Besonders wichtig: Kinder dürfen niemals im Auto zurückgelassen werden – auch nicht „nur kurz“. Schon bei moderaten Außentemperaturen kann sich der Innenraum eines Autos innerhalb kurzer Zeit stark aufheizen. Ein leicht geöffnetes Fenster reicht nicht aus, um diese Gefahr zu verhindern.
Hitzefrei in Baden-Württemberg: Das gilt an Schulen
Viele Eltern fragen sich bei heißen Tagen, wann es in Baden-Württemberg Hitzefrei geben kann. Eine automatische Regel gibt es nicht. Die Entscheidung liegt bei der jeweiligen Schulleitung.
Als Orientierung gilt: Um 11 Uhr muss die Außentemperatur im Schatten mindestens 25 Grad betragen. Hitzefrei ist frühestens nach der vierten Unterrichtsstunde möglich. Benachbarte Schulen sollen sich möglichst abstimmen. Für die gymnasiale Oberstufe und berufliche Schulen gilt diese Regelung nicht. Ganztagsschulen müssen zudem die Betreuung sicherstellen.
Für Familien bedeutet das: Auch bei großer Hitze sollten sie nicht automatisch mit frühem Unterrichtsende rechnen. Entscheidend ist die Mitteilung der jeweiligen Schule.
Haustiere: Für Hunde kann Hitze lebensgefährlich werden
Nicht nur Menschen leiden unter Hitze. Besonders Hunde können hohe Temperaturen schlecht ausgleichen. Sie schwitzen kaum, sondern regulieren ihre Körpertemperatur vor allem über Hecheln. Das reicht bei starker Hitze, Belastung oder im Auto oft nicht aus.
Besonders gefährdet sind ältere Hunde, übergewichtige Tiere und kurzköpfige Rassen wie Möpse oder Französische Bulldoggen. Bei ihnen kann schon deutlich früher eine kritische Belastung entstehen.
Spaziergänge sollten an heißen Tagen auf die frühen Morgenstunden oder den späten Abend verlegt werden. Asphalt kann sich stark aufheizen. Ein einfacher Test hilft: Den Handrücken sieben Sekunden auf den Boden legen. Ist das zu heiß für die Hand, ist es auch zu heiß für Hundepfoten.
Noch gefährlicher ist das Auto. Tiere dürfen bei Wärme niemals im geparkten Wagen bleiben. Schon nach kurzer Zeit können dort Temperaturen entstehen, die lebensbedrohlich werden. Ein Spalt im Fenster hilft kaum.
Bei Verdacht auf Hitzschlag gilt: Das Tier sofort in den Schatten bringen, mit lauwarmem Wasser kühlen, Luftzirkulation ermöglichen und eine Tierarztpraxis kontaktieren. Eiskaltes Wasser oder das Einwickeln in feuchte Tücher kann den Zustand verschlimmern.
Was an heißen Tagen wirklich hilft
Die wichtigsten Maßnahmen sind einfach – müssen aber konsequent umgesetzt werden. Morgens und nachts lüften, tagsüber Fenster schließen und Räume abdunkeln. Regelmäßig trinken, bevor Durst entsteht. Geeignet sind Wasser, ungesüßter Tee oder Saftschorlen. Alkohol ist bei Hitze keine gute Idee, eiskalte Getränke belasten den Kreislauf zusätzlich.
Körperliche Anstrengung sollte möglichst nicht in die Mittags- und Nachmittagszeit fallen. Sport, Gartenarbeit oder längere Spaziergänge sind morgens oder abends besser aufgehoben.
Leichte Mahlzeiten helfen dem Körper ebenfalls: wasserreiches Obst und Gemüse, Salate, kleine Portionen statt schwerer Speisen. Wer ältere Angehörige betreut, sollte Getränke sichtbar bereitstellen und ans Trinken erinnern.
Checkliste: Das sollten Sie bei Hitze beachten
- Morgens und nachts lüften, tagsüber Fenster schließen und abdunkeln
- Regelmäßig trinken – nicht erst warten, bis Durst entsteht
- Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen bevorzugen
- Alkohol und sehr kalte Getränke meiden
- Sport und schwere körperliche Arbeit nicht in die Mittagshitze legen
- Kinder, ältere Menschen und Pflegebedürftige regelmäßig beobachten
- Babys nie direkter Sonne aussetzen
- Kinder, Senioren und Tiere niemals im Auto lassen
- Hunde nur früh morgens oder spät abends ausführen
- Bei Schwindel, Verwirrtheit, heißer trockener Haut oder Bewusstseinsstörungen: Notruf 112
