Benachrichtigung

Reparieren statt wegwerfen: Bündnis fordert bundesweiten Reparaturbonus – in Rottweil und Schramberg helfen Ehrenamtliche schon jetzt

Autor / Quelle:
Lesezeit 5 Min.
Foto: Barbara Olowinsky

Zum Tag der Reparatur am Samstag fordert ein Bündnis aus 18 Organisationen einen Reparaturbonus, den die Hersteller bezahlen. Im Kreis Rottweil zeigen zwei Reparatur-Cafés, dass sich viele kaputte Geräte retten lassen.

Rottweil/Schramberg. Kaffeemaschine kaputt, Toaster tot, die Lampe flackert: Oft ist ein neues Gerät billiger als die Reparatur. Das will ein breites Bündnis ändern. Zum Tag der Reparatur am 17. Oktober fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zusammen mit 17 weiteren Organisationen und Unternehmen in einem offenen Brief an Bundesumweltminister Carsten Schneider, sofort einen Reparaturbonus einzuführen, den die Hersteller finanzieren. Zum Bündnis gehören unter anderem der Runde Tisch Reparatur, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Paritätische Gesamtverband und das Netzwerk Reparatur-Initiativen.

„Mit jährlich mehr als 3 Millionen Tonnen verkauften Elektrogeräten steigen hierzulande auch die Schrottberge“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Viele Reparaturen scheiterten an zu hohen Preisen. Erfahrungen aus Thüringen zeigten, dass ein Reparaturbonus der Umwelt hilft. Die Bundesregierung hat nur angekündigt, einen bundesweiten Bonus unverbindlich zu prüfen. Das reiche nicht, sagt Metz. Die DUH will ein Modell wie in Frankreich.

Nach dem Vorschlag des vzbv sollen Hersteller in einen Fonds einzahlen. Wer kurzlebige Wegwerfprodukte herstellt, zahlt mehr als Hersteller langlebiger, gut reparierbarer Geräte. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten sich aus diesem Fonds einen Teil ihrer Reparaturkosten erstatten lassen. Katrin Meyer vom Runden Tisch Reparatur betont, dass Reparaturbetriebe Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region sichern: „Reparieren muss wieder zum Standard werden.“ Uwe Feige, Vizepräsident des VKU, sagt: „Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.“

Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, verweist auf die soziale Seite: „Reparieren darf keine Frage des Geldbeutels sein.“ Der Bonus solle direkt von der Rechnung abgezogen werden, ohne aufwendigen Antrag. Auch Repair-Cafés sollten gefördert werden, „wo soziale Teilhabe und Ressourcenschutz Hand in Hand gehen“.

Hilfe zur Selbsthilfe in Rottweil

Solche Treffpunkte gibt es auch im Kreis Rottweil. In der Kreisstadt öffnet das Reparatur-Café im Werkraum der Konrad-Witz-Schule in der Lorenz-Bock-Straße 18 regelmäßig, in der Regel am letzten Samstag im Monat. Unter dem Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ helfen ehrenamtliche Fachleute dort kostenlos von 9 bis 12 Uhr. Im Nebenraum gibt es Kaffee, Brezeln und Kuchen. Die nächsten Termine sind der 31. Oktober und der 28. November. Ansprechpartner ist die Lokale Agenda Rottweil (agenda-rw.de).

SeniorenForum repariert in Schramberg und sucht Verstärkung

In Schramberg betreibt das SeniorenForum (SeFo) ein Reparaturcafé in der Peter-Meyer-Schule in der Graf-von-Bissingen-Straße 14. Es öffnet am zweiten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr, zuletzt am 10. Oktober. Geräte werden bis 12.30 Uhr angenommen, damit das Team die Reparaturen noch am selben Vormittag fertigstellen oder prüfen kann.

Gäste können elektrische, elektronische und mechanische Geräte mitbringen, möglichst gereinigt. Fernbedienung und, falls vorhanden, Bedienungsanleitung sollten dabei sein, denn das erleichtert die Fehlersuche. Außerdem repariert das Team Uhren, Puppen, Stofftiere und anderes Spielzeug und übernimmt Näh- und Flickarbeiten. Neu ist, dass die Ehrenamtlichen bei der Fehlersuche auch Künstliche Intelligenz einsetzen und vor Ort zeigen, wie man sie nutzt. Lässt sich ein Gerät nicht mehr reparieren, sollen die Gäste es wieder mitnehmen und selbst entsorgen.

Besonders dringend sucht das Team Verstärkung für die Reparatur von Nähmaschinen. Wer größere Anliegen an einer Nähmaschine hat, meldet sich am besten vorher bei Juliane Kugler unter 0151 53393931 an, damit es keine langen Wartezeiten gibt. Grundsätzlich sind neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer immer willkommen. Wer zuschauen oder nur beim Kaffeetreff vorbeischauen will, kann das ebenfalls tun. Das SeFo-Team und der Förderverein der Peter-Meyer-Schule bewirten mit Kaffee und Hefezopf.

Nach diesem Rhythmus ist der nächste Termin am Samstag, 14. November.

Weitere Repair-Cafés in der Umgebung mit aktuellen Terminen listen reparatur-initiativen.de und repaircafe.org.

Zum offenen Brief: www.duh.de/informieren/ressourcen-und-abfall/reparatur-und-wiederverwendung/

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne.Die Redaktion erreichen Sie unter redaktion@NRWZ.de beziehungsweise schramberg@NRWZ.de
Keine Kommentare

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.