„… bis am Aschermittwoch Morga“

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Gisela Lixfeld, die ehemalige Leiterin des Schramberger Stadtmuseums, hat sich erneut an ein Buchprojekt zu Schramberg gemacht. Gemeinsam mit Cajetan Schaub und Martin Windhab hat sie eine närrische Bilderreise über die Schramberger Fasnet veröffentlicht: „… bis am Aschermittwoch Morga“.

Es ist nicht Lixfelds erstes Schramberg-Bilderbuch. Schon 1998 erschien „Stadt im Bild“, fünf Jahre später „Die 50er Jahre“. Zum „Frauenalltag“ schrieb Lixfeld 2011 ein Büchlein und 2017 erschien „150 Jahre Stadt Schramberg“. Diese Bände seien immer sehr gut angekommen, weil Geschichte anschaulich in Bildern zu erleben sei. In Bildern, auf denen die Betrachtenden vieles selbst entdecken können. Deshalb sei ein Buch über die Fasnet „naheliegend“ gewesen, so Lixfeld zur NRWZ.

„Nach zwei Jahren ohne Fasnet reifte die Idee, doch wenigstens ein historisches Bilderbuch zu machen“, erläutert sie. Weil aber das Stadtarchiv aus Anlass 100 Jahre Hansel 2025 ein historisches Werk plane, habe Stadtarchivar Carsten Kohlmann vorgeschlagen, doch Martin Windhabs Fasnets-Fotoarchiv der letzten zehn Jahre bis Corona zu sichten und daraus ein Buch zu machen. „Das haben wir dann zu Dritt aufgegriffen.“

Martin Windhab beim Hanselsprung 2017 zwischen dem damaligen Zunftmeister Michael Melvin und dem damaligen OB Thomas Herzog auf dem Elferwagen. Archiv-Foto: him

Martin Windhabs Fotos

Seit 2011 fotografiere Martin Windhab ehrenamtlich fürs Stadtarchiv die Fasnet, so Lixfeld. Er hat damit eine Aufgabe der Kasenbachers übernommen. Annette und Martin hatten wie zuvor ihr Vater Karl die Schramberger Fasnet professionell begleitet und die Aufnahmen in ihrem Geschäft verkauft.

„Doch mit dem Aufkommen der Smartphone wurde es für den Profi finanziell immer uninteressanter, die Fasnet durchgängig zu dokumentieren“, schildert Lixfeld das Problem. Daraufhin übernahm Martin Windhab die Aufgabe ehrenamtlich. Seither ist Windhab mit Kameras, Stativ und phantasievollen Hüten an der Fasnet vom „Schmotzigen“ bis zum Aschermittwoch allgegenwärtig.

Und zwar nicht allein bei der Straßenfasnet und der Da-Bach-na-Fahrt. Er dokumentiert auch „das Feiern in den Wirtschaften und die Bälle“.

Die Kapitel sind laut Lixfeld gegliedert nach den Hauptfastnachtstagen. Das Buch spiegle so den Ablauf dieses Zeitraums mit den Veranstaltungen, die in dieser Zeit stattfinden. “Bei der Sichtung des Materials fiel wieder auf, wie viel Kreativität in all den Veranstaltungen steckt: egal ob beispielsweise Bälle, Rumziehgruppen oder Zuberbau.“

Windhab, der früher als Ingenieur für Gebäudetechnik weltweit tätig war, ist der Schramberger Fasnet in seiner Jugend verfallen. Sein Vater, Anton Windhab, war Gehörlosenlehrer in Heiligenbronn. Und so kam Martin mit der Bach-na-Fahrt Anfang der 70er Jahre in Berührung. Auch seine Leidenschaft fürs Fotografieren hat er von seinem Vater geerbt.

Unvergessen: Der Berger Sepp

Die Bilder zeigen die Schramberger Fasnet in all ihren Facetten. Beim Durchblättern begegnen einem Freunde und Bekannte, Originale wie den unvergessenen Berger-Sepp oder den Hafner Sigger.
Neben den Fotos von Martin Windhab haben Lixfeld und Straub auch historische Fotografien hinzugefügt.

Kreativ, nicht starr

In ihrer Einleitung würdigen sie die Kreativität der Schramberger Fasnet, die „nicht in starren Traditionen“ stecken bleibe, sondern sich weiterentwickle, „was die Fasnet bis heute lebendig erhält“. Als Beispiel erwähnen sie den 1979 gegründeten Alternativ-Elferrat, der von der Narrenzunft nach und nach akzeptiert wurde.

Ein jüngeres Beispiel: Die „Schnupfelfinger Schnoogedatscher“ sind auf mehreren Bildern zu sehen. Dass sie ebenfalls als Verhohnepiepelung der offiziellen Fasnet entstanden sind, wissen ja die fasnetskundigen Leserinnen und Leser.

Info: Am 12. Dezember findet um 19 Uhr die Buchvorstellung im Stadtmuseum Schramberg im Schloss statt. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich.

Gisela Lixfeld, Cajetan Schaub, Martin Windhab
Die Schramberger Fasnet „… bis am Aschermittwoch Morga“ Eine närrische Bilderreise
128 Seiten, etwa 170 Abbildungen
ISBN: 978-3-95400-956-5 22,99

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.