„Wir fühlen uns unter Druck gesetzt“, so hat Rainer Langenbach vom Förderverein Lichtspielhaus Schramberg die Eindrücke seines Vereins nach der Gemeinderatssitzung vergangene Woche zusammengefasst. Ein anderes Gefühl sei, dass weder die Stadtverwaltung noch der Gemeinderat verstanden hätten, worum es dem Verein gehe. Es gehe darum, das Lichtspielhaus zu erhalten und das Bewusstsein in der Stadt für die Bedeutung und den Wert des Gebäudes zu stärken.
Schramberg. „Wir sind nicht Eigentümer des Gebäudes“, betont auch der Vorsitzende des Vereins, Carsten Kohlmann, bei einem Pressegespräch. Über den Beschluss des Rates, das Lichtspielhaus von seiner Asbestbelastung reinigen zu lassen, freue man sich. Man habe aber den Eindruck, weder der Verwaltung noch dem Rat sei klar, welche Möglichkeiten der Verein habe und das Lichtspielhaus biete.
Welche Perspektiven sieht die Stadt?
Für den Verein sei die zentrale Frage: „Welche Perspektiven sieht die Stadt für das Gebäude?“ Im Herbst habe es ein Abstimmungsgespräch des Vereins mit Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und Fachbereichsleiterin Susanne Gwosch gegeben. Dabei hätte der Verein sein Nachnutzungskonzept vorgestellt.
„Im Ausschuss für Umwelt und Technik war das kein Thema“, so Kohlmann, „das hat uns überrascht.“ Auch in der Sitzung des Gemeinderats kannten die Mitglieder des Gremiums das Konzept bis dahin wohl nicht. „Uns ist unklar, welche Rolle unsere Vorschläge bei den Überlegungen der Stadt spielen.“

Verein enttäuscht über die Verwaltung
Der Förderverein sei nicht Eigentümer des Gebäudes. „Und wir wollen es auch gar nicht sein“, ergänzt Jo Glaser aus der Vorstandschaft. Der Erhalt des Gebäudes sei Sache der Stadt als Eigentümerin, der Verein habe „weder den Auftrag noch die Möglichkeit, das Lichtspielhaus zu kaufen oder betreiben zu können“, erklärt Kohlmann. Man sehe die Verwaltung und den Rat in der Pflicht, zu den Vorschlägen des Vereins Stellung zu beziehen. Man sehe „großes Potenzial für die Stadt“, die immerhin schon seit zehn Jahren Eigentümerin des Lichtspielhauses sei.
Kohlmann erinnerte daran, dass schon vor 25 Jahren Stadtrat Bernd Richter von der damaligen Buntspechtfraktion vorgeschlagen habe, aus dem Lichtspielhaus ein Kulturhaus zu machen.
Mit Blick auf die Gemeinderatssitzung wundert sich Glaser, dass die Broschüre oder das „Hand-out“ des Vereins keine Beachtung gefunden habe – obwohl dieser das Papier auf Wunsch der Stadt zusammengestellt habe. Viele der von Verwaltungsseite unbeantworteten Fragen hätten sich anhand der Broschüre beantworten lassen, ärgert sich Glaser.
Verein vor den Kopf gestoßen
Er sei überrascht gewesen, dass der Gemeinderat mehrheitlich für die bis zu 35.000 Euro teure Reinigung gestimmt habe. Klar sei aber auch, dass der Verein „nie so viel Geld in die Hand nehmen und die Bürde von 35.000 Euro tragen“ könne. Rainer Langenbacher ergänzt, er sei verschiedentlich von Gemeinderäten angesprochen worden nach dem Motto: „Ihr müsst jetzt was tun.“ Und dabei sei noch nicht einmal klar, wann die Reinigung stattfinden soll. Um für das 100-jährige Jubiläum 2028 planen zu können, sollte man das wissen, findet Langenbacher.
Auch habe es seit dem Treffen im Herbst keinen Kontakt mehr mit der Stadtverwaltung gegeben. Als dann der Bescheid mit dem Betretungsverbot gekommen sei, habe die Stadt den Verein lediglich aufgefordert, die Schlüssel zum Lichtspielhaus abzugeben. „Das hat uns sehr vor den Kopf gestoßen“, so Langenbacher.

Verein hat kein Interesse, das Gebäude zu übernehmen.
Der Verein habe sich in der Vergangenheit um das Gebäude gekümmert, nachgeschaut, dass es nicht reinregnet, beispielsweise. Und nun komme es auf die Liste der zu verkaufenden Immobilien der Stadt, wundert sich Glaser. Wohl weil man die Gefahr sehe, dass es „zum Millionengrab“ werden könnte. Der Verein habe aber „mitnichten“ den Wunsch, das Gebäude zu betreiben oder gar zu erwerben, betonte Kohlmann. Der Vereinszweck sei, über das Haus zu informieren, die Stadt beim Erhalt zu unterstützen und seine Potenziale aufzuzeigen.
Die Stadt habe 2017 das Lichtspielhaus „als Zukunftsreserve“ gekauft. Zu einem möglichen Verkauf meinte Kohlmann: Wenn es „in gute Hände mit Konzept“ abgegeben werde, könnte das ein Weg sein. Er bedauerte, dass bei den Diskussionen im Rat bisher die Einzigartigkeit des Gebäudes und mögliche inhaltliche Fragen außer Betracht geblieben seien.
Wann wird gereinigt?
Glaser fand, im Zusammenhang mit der geplanten Reinigung müsse man klären, woher die Asbestverunreinigung genau herrühre. Dann könne man schauen, welche Nutzung möglich wäre. Es wäre schon schön, wenn zum 100-jährigen Bestehen das Gebäude wieder erlebbar wäre, findet er.
Zum möglichen Verkauf gab Langenbacher zu bedenken, dass wohl niemand ein Gebäude kaufen werde, das er nicht betreten darf. Lars Bornschein erinnerte daran, dass der Verein vor dem Betretungsverbot Führungen angeboten und Mitgliederversammlungen abgehalten habe. Um weitermachen zu können, braucht der Verein ein Statement der Stadt, was sie plane. Wenn ein Verkauf anstehe, „sind wir raus“.
Stadt: Reinigung bis Juli
Auf Nachfrage der NRWZ, wann denn mit der Reinigung des Lichtspielhauses zu rechnen sei, erklärt Hannes Herrmann von der Stadt Schramberg: „Vergangenen Montag war bereits ein Sachverständiger im Lichtspielhaus und hat Proben entnommen. Wir warten nun auf die Ergebnisse und den Bericht des Instituts.“ Darauf aufbauend würden die Kollegen im Hochbauamt die Reinigung entsprechend ausschreiben. „Bis die Ausschreibung erfolgt ist, der Auftrag vergeben wird und die Reinigung beginnen kann, wird es voraussichtlich Juli sein.“
Eine Anfrage zur Zukunft des Lichtspielhauses beantwortet Herrmann mit dem Hinweis auf eine Liste mit Immobilien, bei der die Stadt einen Verkauf für möglich hält. Dort heißt es unter Beschlussempfehlung: „Verkehrswert ermitteln, Gremium mit Verpachtung/Verkauf befassen.“
