Schramberg. Ein Technologie-Analyst aus dem Silicon Valley, ein Hersteller aus Villingen-Schwenningen und ein Aichhalder Betrieb, der seit einem halben Jahr mit einem selbst gebauten Roboter experimentiert: Am Donnerstag, 11. Juni, treffen in der Szene 64 in Schramberg drei Perspektiven auf humanoide Robotik aufeinander – für eine solche Konstellation braucht es sonst einen weiten Anreiseweg.
Dass an humanoiden Robotern längst auch mitten im Schwarzwald gearbeitet wird, dürfte vielen noch unbekannt sein. Genau das will ein Abend zeigen, zu dem die KI-Impact Group gemeinsam mit „Make it in Schramberg“, der Initiative der städtischen Wirtschaftsförderung, am Donnerstag, 11. Juni, ab 18 Uhr in die Szene 64, Geißhaldenstraße 49, einlädt. Der Eintritt ist frei; bereits mehr als 70 Anmeldungen liegen vor.
Den greifbaren Beitrag liefert ein Betrieb aus dem benachbarten Aichhalden. Tobias Hilgert hat mit seinem Team bei der Simon-Gruppe vor rund einem halben Jahr beschlossen, das Thema selbst auszuprobieren statt nur zu beobachten. Statt einen fertigen Humanoiden für viel Geld zu kaufen, griffen sie zum quelloffenen Bausatz „pib“ aus Nürnberg: Elektronik bestellen, die übrigen Teile am eigenen 3D-Drucker herstellen – für einige tausend Euro steht ein eigener Roboter zum Experimentieren auf dem Tisch. Das Team bringt das Gerät mit, baut es vor Ort auf und berichtet, was es in den vergangenen Monaten dabei gelernt hat.
Den Schritt hin zur professionellen Fertigung zeigt der zweite regionale Gast. Das Unternehmen fruitcore robotics, eine Ausgründung der Hochschule Konstanz (HTWG) mit Sitz in Villingen-Schwenningen, hat vor wenigen Wochen „PLEXA One“ vorgestellt – einen sogenannten Industrial Humanoid, der ausdrücklich für den Produktionsalltag entwickelt wurde, nicht für die Messebühne. Das Gerät baut auf der bewährten HORST-Industrieroboterhardware auf und wird um einen KI-gestützten Intelligence Layer ergänzt. Wo viele Humanoide im Dauerbetrieb scheitern oder wirtschaftlich kaum darstellbar sind, setzt fruitcore auf diese Kombination aus erprobter Hardware und neuer Steuerungsintelligenz.
Den Hauptvortrag hält Dr. Mario Herger, Technologie-Analyst und Buchautor aus dem Silicon Valley. Bereits 2024 sprach er in der Szene 64 über künstliche Intelligenz; diesmal kommt er nur eine Woche nach Erscheinen seines neuen Buchs „Homo Syntheticus – Wie Mensch und Maschine verschmelzen“. Wie schnell sich die Entwicklung bewegt, verdeutlicht eine Zahl: Beim Pekinger Roboter-Halbmarathon benötigte der schnellste Roboter 2025 noch zwei Stunden und 40 Minuten; ein Jahr später durchlief der Sieger die gut 21 Kilometer in 50 Minuten und 26 Sekunden – unterhalb des menschlichen Weltrekords. Herger führt das auf ein Muster zurück, das er „Accelerating Change“ nennt: Technologie entwickelt sich nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt sich selbst, weil jeder Fortschritt die Bedingungen für den nächsten verbessert. Weniger die Zahlen als die gesellschaftliche Frage stehe dabei im Mittelpunkt: Was bedeutet es, wenn Roboter immer menschlicher werden und die Grenze zwischen Mensch und Maschine zunehmend verschwimmt?
Global, regional, lokal – und alle drei tauschen an diesem Abend ihre Erfahrungen aus, statt nur nacheinander Vorträge zu halten. Der Abend endet gegen 21 Uhr. Anmeldungen sind über ki-impact.org möglich.
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