12.01.2012, 16:05:10 Uhr

Knapp an der Katastrophe vorbei

Erdrutsch: Sanierung beginnt



Alles kaputt: Mike Kemmner vor den durch einen Erdrutsch zerstörten Taubenschlägen.
Foto: him
SCHRAMBERG, 12. Januar (him) - Ein Erdrutsch hat am späten Donnerstagnachmittag vor einer Woche oberhalb des Seilerwegles eine Taubenzuchtanlage von Heinrich Zinell total zerstört. (NRWZ online berichtete) Er und sein Sohn Mike Kemmner blieben nur durch Zufall unverletzt. Auch ein Wohnhaus unterhalb der Taubenschläge blieb verschont, weil zwei Fichten den Erdrutsch stoppten.


Am Drei-Königstag hatten die Taubenzüchter eine Ausstellung auf dem Sulgen. Zur Vorbereitung wollten Zinell und Kemmner zu ihren Tauben, beschlossen dann aber zunächst nach Lauterbach zu einem Metzger zu fahren, um Speck für die Ausstellungsbesucher zu kaufen: „Wenn wir eine Stunde später da gewesen wären, wären wir da drunter gelegen“, ist Kemmner überzeugt und zeigt auf die von Baumstämmen und Geröll zerstörten und verschütteten Taubenschläge. Der Hang sei ohne Vorwarnung heruntergekommen: „Es hat einen Rumser gemacht und dann war´s passiert.“

Ursachen für den Hangrutsch sind für Zinell der Dauerregen und der vor anderthalb Jahren neu angelegte Holzabfuhrweg mit seinem Einschnitt in den Hang: „Es war doch klar, dass da das Geröll abgeht.“ Seiner Meinung nach wurde auch das Wasser unsachgemäß abgeleitet. Es sei teilweise nicht in die bestehenden Gräben, sondern durch ein Drainagerohr direkt auf den noch unbewachsenen Hang unterhalb des Weges gelaufen.

Dem widerspricht Michael Kammergruber von der Stadt. Das „Oberrotliegende“ sei „heimtückisch“, weil hier Wasser an Stellen austrete, die vorher nicht zu erkennen seien. Deshalb habe man den Weg in den Berg auf eine sogenannte Berme gelegt, „ damit die Last auf dem Felsen liegt.“ Über Drainagerohre habe man das anfallende Wasser zur nächsten Klinge abgeleitet. Beim Erdrutsch sei deshalb auch nur ein kleiner Teil des Weges abgerutscht, so Kammergruber.

Gegen den Bau des Weges hatten sich vor etwa drei Jahren Vertreter des Naturschutzes gewandt. Das Landratsamt habe geprüft, ob der Weg in einem FFH-Gebiet liege. Weil dies nicht der Fall war, habe die untere Naturschutzbehörde dem Wegebau zugestimmt, „unter der Maßgabe, den Eingriff auf das unbedingt erforderliche Maß zu reduzieren“, so der erste Landesbeamte im Rottweiler Landratsamt, Hermann Kopp, zur NRWZ.

Bei einem Vor-Ort-Termin mit OB Thomas Herzog und Vertretern des Forstes am Mittwoch habe man beschlossen eine Felsnase zu entfernen, damit „der Weg insgesamt auf der sicheren Seite ist“, so Kammergruber. Derzeit würden auch die Drainagerohre wieder hergestellt, die durch die Rutschung zerstört wurden. Mit einem Bagger mit besonders langen Greifarm wolle man im Frühjahr das abgerutschte Material herauf ziehen und abfahren, kündigt Kammergruber an.

Den Hang werde man mit gegen Trockenheit widerstandsfähigen Robinien und am Fuß mit Eschen und Weiden bepflanzen. Außerdem sollen langfristig die Fichten in diesem Bereich durch Laubbäume ersetzt werden, um dem Hang mehr Halt zu geben. Wegen der entstandenen Schäden habe man die Versicherung der Stadt informiert.

Unterdessen hat man auch für die überlebenden Tauben ein neues Heim gefunden: Die Stadt hat Taubenzüchter Zinell ein früheres Wochenendhäuschen unmittelbar neben seiner zerstörten Zuchtanlage für den Wiederaufbau seiner Zucht überlassen.



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