Weniger Eingänge an Fällen, schnellere Erledigung und daher weniger offene Fälle: Sabine Mayländer, Leiterin der Staatsanwaltschaft Rottweil, vermeldete beim Jahres-Pressegespräch Positives.
Rottweil – Die Leitende Oberstaatsanwältin vergaß nicht zu erwähnen, wie das zustande kam: „Das liegt an den fleißigen Dezernentinnen und Dezernenten!“, sagte sie, weil sie „nicht nach 41 Wochenstunden ihre Griffel fallen lassen.“
Ruhig war es in Rottweil und dem Bezirk, den Landkreisen Tuttlingen, Freudenstadt und Rottweil, aber beileibe nicht. So hat die Staatsanwaltschaft im Berichtsjahr 2025 27.089 Ermittlungsverfahren geführt. Gegen unbekannte Täter waren es 10.376 Verfahren, 352 mehr als 2024. Gegen namentlich bekannte mögliche Täter (und auch –innen) wurden 15.732 Verfahren mit 17.417 Beschuldigten geführt (1,3 Prozent weniger als 2024). Hieraus resultierten dann 1343 Anklagen, 14 Prozent mehr als 2024. Davon gingen die meisten nämlich 1115, zu den Straf- und Jugendrichtern der sechs Amtsgerichte im Bezirk (Freudenstadt, Horb, Oberndorf, Rottweil, Spaichingen und Tuttlingen). Bei den Schöffengerichten landeten 191 Anklagen, und 37 gingen ans Landgericht, wo die schwereren Fälle verhandelt wurden. 2462 Anträge auf Strafbefehl stellte die Staatsanwaltschaft. In 785 Fällen verwies die Staatsanwaltschaft die Anzeigeerstatter auf den (teuren) Privatklageweg. Das sind erfahrungsgemäß in der Regel Beleidigungen und ähnliches. 5782 Fälle wurden mangels eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt.
Auch Bußgeldsachen sind Aufgabe der Staatsanwaltschaft, wenn nämlich gegen den Bescheid der Verwaltungsbehörde Einspruch eingelegt wird. Mit 981 solcher Fälle, davon 904 Verkehrsordnungswidrigkeiten, mussten sich Mayländer, ihre Kolleginnen und Kollegen befassen. Das waren 231 weniger als im Jahr zuvor.
Kürzere Bearbeitungszeiten
Die Staatsanwaltschaft erledigte 2025 ihre Fälle schneller als zuvor. Vom Eingang bis zur Beendigung dauerte es im Durchschnitt 49,11 Kalendertage, im Jahr zuvor waren es noch 53,87 gewesen. Der Durchschnitt aller württembergischen Staatsanwaltschaften liege bei 58,7 Kalendertagen, berichtete Mayländer. So baute die Behörde ihre offenen Verfahren gegen bekannte Täter um 9,3 Prozent ab. Als einzige Staatsanwaltschaft in Württemberg.
Strafvollstreckung
Wenn die Gerichte ihr Urteil gesprochen haben, ist wieder die Staatsanwaltschaft dran: Eine ihrer Aufgaben ist die Strafvollstreckung. Das sind zum einen die Freiheitsstrafen. Zum anderen aber muss die Staatsanwaltschaft aber auch verhängte Geldstrafen und -auflagen beitreiben. An Strafen und Geldbußen holte die Behörde 3,77 Millionen Euro ein. „Wir finanzieren uns selbst“, merkte Mayländer dazu an.
Opferbeauftragte
Seit Oktober hat die Staatsanwaltschaft Rottweil zwei Opferbeauftragte. Eine davon, Erste Staatsanwältin Sama Martina, war beim Pressegespräch dabei. Sie sollen Ansprechpartnerinnen und Lotsen für Geschädigte sein, sie auf Opferhilfe aufmerksam machen wie „Frauen helfen Frauen“ oder den Weißen Ring, auf die Möglichkeit zum Täter-Oper-Ausgleich und mehr. Auch suchen sie Kontakt zu Angehörigen wie im vorigen Jahr nach dem Baustellen-Unfall in Horb, als drei Arbeiter tödlich verunglückten.
Weitere Zahlen
Steigende Eingangszahlen gab es 2025 bei Kapitaldelikten wie Mord und Totschlag (27 nach 17), Verbreitung pornografischer Inhalte (um 22 Prozent) und Verkehrsdelikten. Bei Geldwäsche waren 759 Fälle zu bearbeiten nach 572 im Vorjahr. „Die schaffen wirklich fleißig“, sagte Mayländer. Dabei werden oft genug eigentlich arglose Menschen ausgenutzt, die „dummen Geldwäscher“ (Mayländer), die ihre Bankkonten zur Verfügung stellen – bewusst oder nicht.
Sinkende Zahlen gab es bei der Drogenkriminalität, was auf die teilweise Legalisierung von Cannabis zurückzuführen sei. 108 Verfahren waren es dennoch, nun als Verstöße gegen die Cannabis-Gesetze. Wegen 381 Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde noch ermittelt; 2023 waren es noch 1044 gewesen. Einen Rückgang gab es bei den Sexualdelikten, von 277 auf 168. Auch Körperverletzung und Diebstahl wurden etwas weniger angezeigt.
Elektronische Akte
Im November wurde bei der hiesigen Staatsanwaltschaft die elektronische Akte eingeführt, als vorletzte im Land. Das ergab viele Änderungen, die die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft „vor große Herausforderungen gestellt“ haben, wie Mayländer berichtete. Die elektronische Akte wurde „erfolgreich implementiert“, sagte Mayländer. Aber das bedeute nicht, dass es nun kein Paper mehr gebe: Bei der Polizei werde beispielsweise die E-Akte erst Ende des Jahres eingeführt. Auch Bundespolizei und Zoll hätten noch keine. Probleme gebe es auch bei Kontakten mit Staatsanwaltschaften in anderen Bundesländern, die teilweise andere Systeme hätten.
Info
Bei der Staatsanwaltschaft Rottweil sind 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, zwei Drittel davon weiblich. Davon sind 20 Staatsanwältinnen und –anwälte, einige davon in Teilzeit, vier Amtsanwältinnen und –anwälte, vier Rechtspflegerinnen und –pfleger, 26 Personen „im Unterstützungsbereich in den Service-Einheiten“ und zwei Wachtmeister.
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