Die Symbolik war sprechend: Vor einem riesigen Flammenbild und bei brütender Hitze erinnerte Cornelia Votteler am Freitag im Forum Kunst an die Menschen, die in Rottweil dem Hexenwahn zum Opfer fielen.
Anknüpfungspunkt war ein Gemälde von Karin Kneffel, das diese bereits 1996 für den Bürgersaal geschaffen hat und das nun ein Comeback erlebte. Kunst und Thema ergänzten sich frappierend, denn das Flammenmeer, das Kneffel altmeisterlich-naturnah auf der Leinwand gebannt hat, lässt in der Tat an Scheiterhaufen denken.
Cornelia Votteler schöpfte aus dem reichen Fundus ihrer Forschung. Sie zeigte, dass sich der Hexenwahn in unseren Breiten vom späten Mittelalter bis zu Aufklärung hinzog und aus mehreren Quellen speiste: aus einem magischen Denken, leicht entflammbarem Fanatismus, Umweltfaktoren wie der „kleinen Eiszeit“, aber auch sozialen Gründen und in hohem Maße Frauenhass.
Rottweil reihte sich bei der Hexenverfolgung in trauriger Weise in größere Entwicklungen ein. Schon 1437 wurde hier eine Frau wegen Zauberei vor Gericht gestellt. Ein verfestigter Hexenglaube stellte sich aber wohl erst langsam ein. So wurden 1546 vier Frauen mit dem „Feuergericht“ verurteilt. 1561 wurde das Delikt der Hexerei erstmals erwähnt: Katharina Höhnmayerin aus Zepfenhan wurde am 26. Juli 1561 wegen Hexerei hingerichtet. Von ihr ist das älteste „Urgicht“, eine unter Folter erzwungene Aussage übermittelt.

Dann flammte, wie Votteler anschaulich darlegte, der Wahn verstärkt auf: 1572 gab es elf Hinrichtungen, 1581 sogar 14. Zwischen 1579 und 1598 starben mindestens 113 Delinquenten auf dem Scheiterhaufen. Das Jahr 1629 stellt – mitten im Dreißigjährigen Krieg – mit 20 Hinrichtungen den traurigen Höhepunkt in der Geschichte der Rottweiler Hexenverfolgung dar.
Auslöser hierfür könnte laut Votteler gewesen sein, dass die Stadt nach einem schweren Unwetter 1627, das Missernten und eine Hungersnot ausgelöst hatte, seit 1628 unter Pest, Hunger und Krieg schwer litt. Zudem hatten sich die hygienischen Zustände durch Truppeneinquartierungen extrem verschlechtert.
Wie tief die Angst vor den Hexen saß, veranschaulicht etwa, dass der Rat 200 Mann schickte, um eine der Hexerei Verdächtige in Seedorf festzunehmen, was der Stadtkasse erhebliche Kosten verursachte. Nach 1648 fanden nur noch wenige Verfahren statt, der Hexenwahn ebbte ab. Die Gräuel des Krieges, die Bevölkerungsverluste und die insgesamt katastrophale Lage der Stadt forderten ein Umdenken.
In Rottweil war das Kapitel der Hexenverfolgung 1701 abgeschlossen, der letzte Prozess endete mit einem Landesverweis. In Rottweil hatten 287 Verfahren stattgefunden, von denen sich 234 gegen Frauen und 53 gegen Männer richteten. 266 der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt.
Für die Verfolgungen in Rottweil stellte Cornelia Votteler zusammenfassend fest, dass sie meist dann aufflammten, wenn Hungersnöte, Seuchenläufe oder andere existenzbedrohende Ereignisse stattfanden. Das war ein Unterschied zu anderen Gegenden, in denen Hexenprozesse auch zum Machterhalt durchgeführt wurden, auch vor hochgestellten Persönlichkeiten und Amtsträgern nicht Halt machten und zum Teil ganze Familien vernichteten.
Mit dem Blick auf einzelne Schicksale wie Katharina Höhnmayerin aus Zepfenhan machte Votteler sehr anschaulich, welch schreiendes Unrecht an den Opfern des Hexenwahns verübt und wie sie gequält wurden. Cornelia Votteler schloss mit dem Hinweis, dass Verfolgung von „Hexen“ bis heute in vielen Ländern Realität ist. Auch sei das Grundmuster, Schuldige für unerwünschte Geschehnisse zu suchen, ungebrochen aktuell und die Gräuel der Geschichte daher eine Warnung, die leider nichts an Brisanz verloren habe.
