Er wurde schon als Jugendlicher europaweit gefeiert, sie durfte ihr Talent als Frau nur im Halböffentlichen entfalten – und schuf dennoch Werke, die bis heute staunen machen: Fanny Hensel und Felix Mendelssohn stehen im Mittelpunkt des Konzerts des Bachchors Schwenningen am Sonntag, 22. November 2026, um 18 Uhr in der evangelischen Johanneskirche Schwenningen (Mozartstraße 42). Zu hören sind Felix Mendelssohns Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und sein Psalm 114 „Als Israel aus Ägypten kam“ für achtstimmigen Chor – sowie Fanny Hensels „Oratorium nach Bildern der Bibel“, das sie 1832 als Requiem für die Toten der Cholera-Epidemie komponierte und das erst 150 Jahre später wiederentdeckt wurde. Karten kosten 22 Euro und sind an allen städtischen Vorverkaufsstellen, online unter reservix.de sowie ab 17 Uhr an der Abendkasse erhältlich. Schüler, Studierende und Inhaber des Sozialpasses zahlen die Hälfte.
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn und ihr jüngerer Bruder Felix Mendelssohn gehören zu den herausragenden musikalischen Erscheinungen des 19. Jahrhunderts. Während Felix bereits von Jugend auf zu einem Komponisten europäischen Ranges wurde, durfte Fanny als Frau ihre eminente Begabung nur im halböffentlichen Raum pflegen. Mit Energie und Tatkraft setzte sie, allen Beschränkungen zum Trotz, ihre musikalischen Vorstellungen um und avancierte zu einer der angesehensten Musikerinnen im Berlin ihrer Zeit. Dabei blieben sie und ihr Bruder musikalisch wie menschlich immer eng verbunden.
Der Bachchor Schwenningen widmet diesem genialen Geschwisterpaar ein Konzert mit ihren schönsten und wichtigsten geistlichen Werken.
Zu Beginn des Konzerts erklingt die Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn, bewusst als eine Art aktuelle Überschrift über das Konzert. Mit dem Psalm 114 „Als Israel aus Ägypten kam“ bleibt das Erbe Bachs spürbar, als kompakter, kraftvoll bewegender Ausdruck gemeinschaftlichen Glaubens, das von einer ungemein einfühlsamen Melodik und einem untrüglichen Gespür für überzeugende harmonische Verläufe geprägt ist. In der majestätischen Ausführung sind keine Solisten zu hören, stattdessen stützt sich Mendelssohn auf einen erweiterten achtstimmigen Chor, der den gesamten Text des Psalms deklamiert.
Das „Oratorium nach Bildern der Bibel“ schrieb Fanny Hensel 1832 als Requiem für die Toten der Cholera Epidemie. Ähnlich wie später Johannes Brahms schuf sie mit ihrem ausgedehntesten Vokalwerk ein „Deutsches Requiem“, das anstelle liturgischer lateinischer Texte ausschließlich biblische Texte in deutscher Übersetzung aus dem Alten und Neuen Testament verwendet – mit großem dramatischem Gespür. Erst 1982 wurde das chorsinfonische Werk unter Elke Mascha Blankenburg wiederentdeckt und 1984 uraufgeführt. Die Kieler Nachrichten schrieben dazu: „Man staunt über die stilistischen Vorgriffe des Oratoriums. Sie weisen in der Tat vor allem über Bruder Felix hinaus. Vornehmlich wenn es um dramatische Klangballungen geht. Reiches Themenmaterial wird verschwenderisch eingesetzt und die harmonischen Rückungen scheinen wegweisend auf Brahms hinzudeuten. Ein wahrhafter Fund das Ganze.“
Die tiefe emotionale Kraft der beiden Geschwister wird an diesem Konzertabend ebenso erlebbar wie Fannys Eigenständigkeit als Komponistin – ein mutmachendes gesellschaftliches Vorbild bis heute.

INFO: Eintrittskarten für das Konzert am Sonntag, den 22.11.2026 um 18.00 Uhr in der evangelischen Johanneskirche Schwenningen (Mozartstraße 42) sind erhältlich zu 22 € an allen städtischen Vorverkaufsstellen und ab 17 Uhr an der Abendkasse (Ermäßigung 50% für Schüler, Studenten und Inhaber des Sozialpasses).