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Mundart-Aktivist Pius Jauch: KI mit schwäbischen Inhalten „füttern“

Mit KI den Dialekt fördern - das will der Bösinger Mundart-Aktivist Pius Jauch. Hier ein Eindruck des neuesten Experiments. mit dem das gelingen soll, die KI-generierte Produktion „Streets of Stuttgart // Saving Heinrich Schickhardt“. Screenshot: al
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Künstliche Intelligenz (KI) bestimmt mehr und mehr, wie Menschen die Welt sehen –stützt sich aber vor allem auf englischsprachige Daten. Deshalb droht vieles verloren zu gehen, zum Beispiel Dialekte. Der Bösinger Schwäbisch-Aktivist Pius Jauch will diesen Trend umdrehen. Und gibt Beispiele, die auch für Rottweil und die Region Potenzial haben.

Das erste Beispiel ist die Fortsetzung des 2023 vorgestellte fiktive Open-World-Game mit dem Titel „SOS – Streets of Stuttgart“: Ein 17-Minuten-Streifen, für den Szenen auch in Rottweil gedreht wurden – unter anderem mit Andreas „Lumpi“ Engisch.

Es war der Versuch von engagierten Leuten aus dem Kreativ-Netzwerk des Vereins „schwäbische mund.art“, an ein kurioses Medien-Phänomen anzuknüpfen – das teils millionenfach angeklickte Kommentieren von Videospielen auf YouTube – und dabei zu zeigen, wie humorvoll und unterhaltsam der schwäbische Dialekt sein kann.

Pünktlich zum Weltspieltag am 11. Juni kommt nun die Fortsetzung unter dem Titel „Streets of Stuttgart // Saving Heinrich Schickhardt“. KI-gestützt ist visuell die Welt des Jahres 1635 entstanden. Man taucht ein in einen Kosmos, in der dem berühmten Baumeister Heinrich Schickhardt das Messer an die Kehle gehalten wird – und die Spieler des Open-World-Game haben die Chance, ihn in letzter Sekunde zu retten.

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Sieht in KI neben Gefahren auch eine Chance für den Dialekt: Pius Jauch Archivfoto: al

Was dabei geboten wird, verdeutlicht die mediale Revolution, die wir gerade erleben: „Ausgehend von historischen Stichen, Federzeichnungen und alten Plänen haben wir das Neue Lusthaus im Lustgarten detailgetreu rekonstruiert“ berichtet Pius Jauch im Gespräch mit der NRWZ. Man erlebt den Bau aus der Vogelperspektive, samt Deckengemälde, Arkadengang und Wasserbassins im. Und meint dann echte Personen – natürlich auf Schwäbisch – sprechen und um Schickhards Leben rennen zu sehen.

Das Ganze ist aber nicht nur ein Spaß für Gamer. Dahinter steckt die Idee, die „KI“ genannten großen Sprachmodelle nicht nur der Überfülle englischsprachiger Daten zu überlassen, sondern sie gezielt mit Varietäten anderer Sprachen – zum Beispiel des schwäbisch-alemannischen Dialekts – zu „füttern“. Denn KI gibt nur aus, was sie vorher an Daten aufgesogen hat – zum krassen Nachteil aller, die diese Datenbasis nicht selber mitgestalten.

Das ist eine Gefahr, vor der viele Experten warnen. Auch Pius Jauch sieht diesen drohenden Abgrund des technisch bedingten Vergessens. Er sieht aber auch die Chancen von KI. „Die Sprachmodelle sind so weit, dass die Dialekt-Varianten von jedem Dorf abgebildet werden können“, erzählt er fast enthusiastisch.

„Wenn man die Daten entsprechend einspeist, können die Modelle klingen wie die Dialektvarianten zum Beispiel in Rottweil, Bösingen oder Irslingen“, veranschaulicht Jauch. Das biete die Chance, dem fortschreitenden Rückgang des Dialekts entgegenzuwirken, Überlieferung auf der Höhe der Zeit zu organisieren – und die Mundart vielleicht sogar mit attraktiven Angeboten zu revitalisieren, beschreibt der Aktivist die Potenziale.

Wie das konkret aussehen könnte, verdeutlicht das zweite Beispiel: Eine Geschichte der einstigen Schalksburg bei Balingen. Von ihr findet man in der realen Welt kaum noch sichtbare Reste. Aber mithilfe von Experten und einschlägigen Daten hat Jauch – gemeinsam mit Manfred Stingel – mittels KI einen knapp zwölfminütige Dokumentation erstellt.

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KI, genutzt für die Vermittlung von Lokalhistorie: ein Einblick in die Produktion zur Schalksburg bei Balingen. Screenshot: al

Und die hat es in sich: Man sieht die Burg zum Greifen genau, erlebt, wie sie beschossen wird – und bekommt die einschlägigen Geschichte von etlichen historischen Promi-Akteuren vermittelt. Gekleidet und ausstaffiert wie in historischen Gemälden, dabei umwerfend lebensnah – und natürlich mit passendem Dialekt und Zungenschlag.

So etwas konnten bis vor Kurzem nur große Produktionsfirmen mit entsprechendem Budget auf die Beine stellen. Heute können es kreative Köpfe wie Jauch und Stingel – mit entsprechendem Wissen, Ideen sowie viel Fleiß und Geduld.

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Für die in der Schalksburg-Produktion täuschend echt generierten historischen Personen stützten sich Pius Jauch und Manfred Stingel auf historische Abbildungen. Screenshot: al

Was der absolut sehenswerte Streifen verdeutlicht: Im Grunde kann jedes noch so kleine Dorf seine Geschichte(n) KI-gestützt selber erzählen – und damit vor dem drohenden Vergessen bewahren und für Zeitgenossen wie künftige Generationen erinnerungswürdig und spannend aufbereiten. Das wäre ein wirkliches „Saveing“, nicht nur für eine virtuelle Figur.

Info: „Streets of Stuttgart // Saving Heinrich Schickhardt“ ist unter diesem Link aufrufbar: https://youtu.be/5Y1oXHiaIFo. Die Produktion zur Geschichte der Schalksburg findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=q1Xo8djAZxM

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