Benachrichtigung

Tag der Organspende: Acht von zehn befürworten Organspende – aber kaum jemand hat es dokumentiert

In Baden-Württemberg warten derzeit 850 Menschen auf ein Spenderorgan – bundesweit sind es rund 8000.

"Organspende kann Leben retten!" - Felix von Jascheroff und Lara Dandelion Seibert werben für den Organspendeausweis. Foto: RTL+ / Anna Riedel
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Anlässlich des bundesweiten Tags der Organspende am 6. Juni rufen das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und das Sozialministerium Baden-Württemberg gemeinsam dazu auf, die persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende frühzeitig zu treffen und verbindlich zu dokumentieren. Die Zahlen zeigen, wie groß die Lücke zwischen Einstellung und Handeln ist: Laut Studien befürworten mehr als 80 Prozent der Bevölkerung die Organspende – schriftlich festgehalten und im Ernstfall auffindbar ist diese Entscheidung jedoch nur bei rund 15 Prozent.

Tausende warten – auch in Baden-Württemberg

Bundesweit stehen aktuell rund 8000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. In Baden-Württemberg sind es laut Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation derzeit rund 850 Personen; aufgrund von kombinierten Transplantationen werden im Land aktuell 885 Organe benötigt.

„Die Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende ist sehr persönlich. Wer sich bereits zu Lebzeiten mit dem Thema beschäftigt, erspart seinen Angehörigen, im Ernstfall unter großer emotionaler Belastung entscheiden zu müssen“, erklärte Dr. Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des BIÖG.

Sozial- und Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand betonte die Kluft zwischen Meinung und Dokumentation: „Es bleibt eine massive Lücke zwischen dringend benötigten Spenderorganen und tatsächlichen Organspenden – obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung der Organspende gegenüber positiv eingestellt ist.“ Er wirbt deshalb dafür, die Entscheidung im Organspende-Register zu hinterlegen – rechtlich verbindlich, kostenlos und jederzeit widerrufbar.

Baden-Württemberg mit positiver Entwicklung

Immerhin zeigt sich im Land eine ermutigende Tendenz: In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurden bereits 163 Organe von 55 Spendenden gespendet – ein stetiger Anstieg über die vergangenen drei Jahre. Damit liegt Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen auf Platz zwei der Bundesländer.

Zum Aufklärungserfolg trägt auch das Bündnis Organspende bei, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Im Bündnis wirken Transplantationszentren, Krankenkassen und Betroffenenorganisationen zusammen; sie informieren neben öffentlichen Veranstaltungen auch an Schulen, in Betrieben und Vereinen. Hildenbrand: „Die persönlichen Statements von Betroffenen sind durch keinen wissenschaftlichen Artikel und durch keine Statistik zu ersetzen.“

Reform und politische Debatte

Der Bundestag hat kürzlich eine Reform der Lebendorganspende beschlossen: Künftig sind Überkreuzspenden zwischen mehreren Paaren sowie anonyme Nierenspenden an unbekannte Personen möglich. Baden-Württemberg drängt gemeinsam mit sieben weiteren Bundesländern zusätzlich auf die Einführung der Widerspruchslösung. Nach dieser Lösung gilt grundsätzlich jede volljährige Person als Spenderin oder Spender, sofern sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat.

Stimme aus der Region – Zollernalb-Klinikum

Das Zollernalb Klinikum, als Krankenhaus der Region mit eigenem Transplantationsbeauftragten, macht die Zahlen greifbar: 2024 und 2025 wurde dort jeweils eine Organspende realisiert. Für Jan Krumpa, Oberarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Transplantationsbeauftragter des Hauses, ist die fehlende Dokumentation das zentrale Problem.

„Liegt keine Entscheidung der potenziellen Spenderin oder des potenziellen Spenders vor, müssen Angehörige häufig unter großer emotionaler Belastung stellvertretend entscheiden“, sagt Krumpa. Er empfiehlt daher ausdrücklich den Eintrag ins Organspende-Register – nicht nur als persönliche Absicherung, sondern aus einem praktischen Grund: „Dieses wird vor jeder anstehenden Organspende von uns abgefragt.“

Organspendeausweis, Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht seien ebenfalls geeignete Wege, den eigenen Willen festzuhalten – entscheidend sei, so Krumpa, dass die Haltung dokumentiert und den Angehörigen bekannt sei.

Was das für die Region bedeutet

Konkrete Zahlen für den Landkreis Rottweil veröffentlicht die Deutsche Stiftung Organtransplantation nicht getrennt. Doch auch Menschen aus dem Landkreis und den Nachbarkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen warten auf ein Spenderorgan oder haben durch eine Spende eine zweite Chance bekommen. Jede dokumentierte Entscheidung – ob dafür oder dagegen – hilft den Ärzteteams in den Kliniken der Region, im Notfall schnell Klarheit zu haben und Angehörige zu entlasten.

Auch im Raum Rottweil lässt sich das Thema konkret machen: im Gespräch mit der Familie, beim nächsten Besuch in der Hausarztpraxis oder direkt über das Organspende-Register unter www.organspende-register.de. Weitere Informationen gibt es unter www.organspende-info.de; Fragen beantwortet das gebührenfreie Infotelefon unter 0800 90 40 400 (Mo.–Fr., 9–18 Uhr).


So geht’s in der Region

  • Die eigene Entscheidung am besten mit der Familie besprechen und im Organspende-Register oder per Organspendeausweis dokumentieren – kostenlos und jederzeit änderbar.
  • Hausärztinnen und Hausärzte im Landkreis Rottweil können dabei helfen und Fragen beantworten.
  • Kliniken in der Region – darunter Schwerpunktstandorte in Villingen-Schwenningen, Tübingen und Freiburg – informieren im Rahmen von Patientenabenden über Organ- und Gewebespende.
  • Das Bündnis Organspende Baden-Württemberg informiert auch an Schulen, in Betrieben und Vereinen – Nachfragen lohnt sich.
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