Im Kreis Rottweil wird die Müllabfuhr neu ausgeschrieben, und für die Haushalte ändert sich einiges. Die Biotonne soll seltener geleert werden, die Papiertonne nur noch einmal im Monat. Altmetall wird nicht mehr zu Hause abgeholt. Den Tonnendienst und die Abholung von Elektroschrott will der Landkreis selbst übernehmen. Daran gibt es Kritik von der AfD. Am Montag entscheidet der Kreistag.
KREIS ROTTWEIL – Nach acht Jahren laufen Ende 2027 die Verträge für die Müllabfuhr im Landkreis Rottweil aus. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft schreibt die Leistungen deshalb EU-weit neu aus. Seit März hat der Arbeitskreis Abfallwirtschaftskonzept die Eckpunkte in vier Sitzungen beraten. Begleitet wurde er vom Beratungsunternehmen Schmidt/Bechtle GmbH. Am 21. September hat der Betriebsausschuss die Eckpunkte in nichtöffentlicher Sitzung vorberaten und mehrheitlich bei einer Gegenstimme gebilligt. Am Montag, 12. Oktober, soll der Kreistag den Auftrag zur Ausschreibung erteilen.
Als Grund für die Änderungen nennt die Präsentation steigende Kosten: „Kostensteigerung zu erwarten: Kraftstoff, Personal usw.“ Gespart werden soll vor allem beim Leerungsrhythmus.
Das ändert sich für die Haushalte
• Biotonne: Statt bisher 39 bis 40 Leerungen pro Jahr soll es ab 2028 nur noch 36 geben. Eine weitere Leerung ist optional.
• Papiertonne: Sie wird künftig einmal im Monat geleert statt alle vier Wochen. Das sind 12 statt 13 Leerungen im Jahr.
• Altmetall: Die Abholung an der Haustür wird eingestellt. Metall soll künftig an den Wertstoffhöfen abgegeben oder von Vereinen gesammelt werden.
• Elektroschrott: Kühlgeräte und große Elektrogeräte holt künftig der Eigenbetrieb selbst ab. Bildschirme und Monitore können nach Anmeldung dazugestellt werden.
• Tonnentausch: Auch das Bringen, Tauschen und Abholen von Tonnen übernimmt der Landkreis selbst. Das soll laut Verwaltung den Service verbessern.
Drei Lose, kürzere Verträge
Die Abfuhr wird wie bisher in drei Losen vergeben, die Verträge laufen aber kürzer. Bisher galten sechs Jahre plus Verlängerungsoptionen. Künftig sind es für Rest- und Bioabfall sowie für Sperrmüll und Altholz jeweils fünf Jahre mit zweimal einem Jahr Option. Für Altpapier sind es drei Jahre mit einem Jahr Option. Ab 2030 will der Landkreis das Papier außerdem selbst umschlagen können. Das soll mehr Firmen die Teilnahme an der Ausschreibung ermöglichen und so den Wettbewerb verbessern.
Für die Fahrzeuge gibt es neue Vorgaben. Bei der Papiersammlung und bei der Rest- und Biomüllabfuhr muss jeweils ein Fahrzeug mit „alternativem“ Kraftstoff fahren. Wer ab 2028 ein Sammelfahrzeug mit Elektroantrieb einsetzt, bekommt in der Bewertung einen Bonus von 40.000 Euro. Seitenlader-Fahrzeuge werden nicht zugelassen. Ein Biomüllfahrzeug soll ein System bekommen, das Fremdstoffe in der Biotonne erkennt.
Zeitplan
Die Ausschreibung soll Ende November oder Anfang Dezember 2026 veröffentlicht werden. Ab Februar 2027 ist der Vergabebeschluss geplant. Die neuen Firmen beginnen am 1. Januar 2028.
Streitpunkt Eigenleistung
Kritik gibt es an der Entscheidung, den Tonnendienst und die Elektroschrott-Abholung selbst zu übernehmen. Die AfD-Fraktion um Emil Sänze und Daniel Schlesier bemängelt, im Ausschuss sei von einer „Dämpfung des Kostenanstiegs“ die Rede gewesen, „ohne dass diese Aussage durch nachvollziehbare Zahlen belegt wurde“. Sie verlangt eine vollständige Kostenrechnung mit Personal, Fahrzeugen und Anlaufkosten. Außerdem fordert sie eine Markterkundung und die Unterlagen des Beraters samt dessen Honorar. Vor allem will sie wissen, was das für die Gebühr pro Haushalt bedeutet, und zwar „nicht nur prozentual, sondern in absoluten Beträgen“. Bis dahin soll der Kreistag nicht entscheiden.
Die Verwaltung ordnet die Größenordnung ein. Tonnendienst und Elektroschrott-Abholung mit rund 12.000 Vorgängen im Jahr kosten derzeit samt Verwaltungsaufwand etwa 650.000 Euro jährlich. Die Abfallwirtschaft kostet insgesamt rund 17,5 Millionen Euro, der Anteil liegt also bei knapp vier Prozent. Das sei „eine eher untergeordnete Bedeutung“. Für die Aufgaben reichten kleine Lkw mit 3,5 bis 7,5 Tonnen. Der heutige Entsorger gebe einen Teil der Arbeit an Subunternehmer weiter, was die Preise erhöhe. Nach „ersten Kostenabschätzungen“ sei die Eigenleistung günstiger als eine neue Ausschreibung. Beim wilden Müll ändere sich nichts, und die Übergabestelle für Elektroschrott in Bochingen sei „im Wesentlichen nur ein Verwaltungsvorgang“.
Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsrechnung gibt es allerdings nicht. Darauf habe man verzichtet, „auch aus Kostengründen für ggf. notwendige Beratungsleistungen“, schreibt die Verwaltung. Bis Montag könne der Vergleich nicht mehr erstellt werden. Beschließt der Kreistag ihn, werde er nachgereicht. Für Tonnendienst und Elektroschrott könne man notfalls Anfang 2027 noch eine eigene Ausschreibung starten. Die übrige Neuvergabe wäre davon nicht betroffen.
So geht es weiter
Über den AfD-Antrag wird am Montag nicht abgestimmt (Vorlage 133/2026). Entschieden wird bei Tagesordnungspunkt 5 (Vorlage 135/2026) über die gesamten Eckpunkte, also auch über die selteneren Leerungen.
