Knapp vier Jahrzehnte ist die Holzmanufaktur im Rottweiler Neckartal beheimatet. Heute restaurieren, verbessern und rekonstruieren rund 100 Mitarbeitende historisch wertvolle Bauausstattungen im deutschsprachigen Raum. Seit dem Frühjahr hat das Unternehmen eine neue Inhaberin: Adelina Dordolli.
Nachfolge will gut geplant sein, bei der Holzmanufaktur funktioniert sie reibungslos. Die beiden Gründer Hermann Klos und Günther Seitz arbeiten weiterhin mit, auch wenn nun ihre junge Kollegin die Geschicke des Unternehmens lenkt.
Adelina Dordolli arbeitet selbst seit 18 Jahren im Unternehmen, kam direkt nach ihrer Ausbildung als Industriekauffrau bei der Peterzeller Saier-Gruppe zur „Homa“, wie die Holzmanufaktur meist liebevoll genannt wird. Dass sie brennt für ihr Team, wird von der ersten Minute an deutlich – und sogleich versucht sie den besonderen „Homa-Spirit“ zu umreißen, der von Vertrauen, Offenheit und respektvollem Umgang geprägt sei.
Werte und Gemeinwohl zählen
„Hier habe ich gelernt, was Werte sind“, betont Dordolli. Man nimmt es ihr ab, die Stimmung im Unternehmen ist spürbar gut, die anwesende Pressesprecherin Salome Ehrenberger nickt eifrig, und tatsächlich arbeitet auch fast ihre ganze Familie im Unternehmen.
Das ist seit Dordollis Eintritt auf etwa die doppelte Belegschaftsstärke angewachsen, bewegt sich seit Jahren im gewünschten Umsatzrahmen von zehn bis zwölf Millionen Euro und erwirtschaftet die Einkommen etwa hälftig aus öffentlichen wie privaten Aufträgen.
Die Einsatzorte liegen in der Regel maximal drei bis vier Fahrstunden entfernt, auch das trägt zur geringen Fluktuation bei. Bewerber*innen melden sich inzwischen aus dem gesamten Bundesgebiet, die beruflichen Hintergründe sind weit gefächert, die Kombination aus Lehrkräften mit eigener abgeschlossener Schreinerlehre findet sich relativ häufig.
Die Holzmanufaktur als Unternehmen hat sich der Gemeinwohl-Ökonomie verschrieben, einem werteorientierten Wirtschaftsmodell, das Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung sowie Mitbestimmung und Transparenz berücksichtigt.


Gebäudeerhalt statt Abriss und Neubau
Direkte Wettbewerber, die sich dem Thema Gebäudeerhalt auf gleiche Weise widmen, gibt es kaum, „wir messen uns mit niemandem“, unterstreicht Dordolli selbstbewusst. Ohnehin sei die Holzmanufaktur nicht auf ständiges Wachstum ausgerichtet, der Zielkorridor erreicht.
Was der jungen Inhaberin für die Zukunft am Herzen liegt? „Das Bewusstsein für den Erhalt möchte ich noch viel stärker in die Welt hinaustragen. Wir als Unternehmen haben eine große Verantwortung für die Ressourcen.“
In der Tat: Wurden Bauwerke weltweit früher für Jahrhunderte errichtet, stehen sie heute wenige Jahrzehnte – das Rottweiler Landratsamt ist hier nur eines von vielen Beispielen.
Entsprechend engagiert sich die Holzmanufaktur in europäischen Forschungsprojekten, unterstützt beim europaweiten Erkennen von Gebäudetypologien wie Backstein- oder Fachwerkbau, tauscht sich in Netzwerken mit anderen europäischen Handwerkern aus, denn „was Denkmalerhalt angeht, sind Frankreich und Spanien schon viel weiter als wir. Und es geht nicht nur um die ‚berühmten‘ Denkmäler, sondern um jedes einzelne Fenster.“
Da spricht die junge Geschäftsführerin den Gründervätern aus der Seele. Entsprechend zahlreiche Preise hat das Rottweiler Unternehmen in den letzten Jahren erhalten. Und als wäre das nicht genug, engagieren sich Leitung und Mitarbeitende zudem noch ehrenamtlich, etwa beim jährlichen Denkmalrettercamp der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Da kratzt sogar ein Auszubildender seine Urlaubstage zusammen, um gemeinsam mit hunderten anderer Teilnehmer der Jugendbauhütten zu arbeiten. Echtes Anpacken fürs Kulturerbe also.