144 von rund 975 sechsjährigen Kindern, die im Landkreis Rottweil bei der AOK versichert sind, haben 2025 eine Sprachtherapie verordnet bekommen. Das sind 14,8 Prozent – rund jedes siebte Kind. So steht es in einer Auswertung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Im landesweiten Vergleich liegt der Kreis damit eher am unteren Ende.
Jungen häufiger betroffen als Mädchen
Bei den Jungen lag der Anteil laut AOK bei 16,4 Prozent, bei den Mädchen bei 13,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist die Quote im Kreis leicht zurückgegangen: 2024 hatte sie bei 15,3 Prozent gelegen.
Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Kinder, die bei der AOK versichert sind. Wie viele Sechsjährige im Kreis insgesamt eine Sprachtherapie bekommen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Große Unterschiede im Land
Von Kreis zu Kreis schwankt die Quote in Baden-Württemberg erheblich. Am niedrigsten war sie 2025 nach Angaben der Kasse in Pforzheim (11,7 Prozent), Lörrach (12,3 Prozent) und Konstanz (14,1 Prozent).
Am höchsten lag sie in Heidelberg (26,9 Prozent), Rastatt (26,3 Prozent) und im Rhein-Neckar-Kreis (24,1 Prozent). Dort bekam mehr als jedes vierte sechsjährige Kind eine Sprachtherapie.
Die AOK weist darauf hin, dass die Werte in kleineren Stadtkreisen auf wenigen Fällen beruhen und deshalb stärker schwanken können. In Heidelberg etwa stehen hinter den 26,9 Prozent 107 von 398 Kindern.
Warum gerade mit sechs Jahren?
Kindern mit Entwicklungsstörungen der Sprache oder des Sprechens wird eine Sprachtherapie meist ab vier Jahren verordnet. Am häufigsten ist sie – im Land wie bundesweit – im Alter von sechs Jahren, also kurz vor oder rund um die Einschulung.
Warum das so ist, wird in der Fachwelt seit Jahren diskutiert. Die AOK nennt mehrere mögliche Erklärungen: Die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern könnten sich tatsächlich verändert haben, Schule und Eltern könnten heute andere Anforderungen stellen, oder Ärztinnen und Ärzte diagnostizieren und verordnen anders als früher. Welcher Faktor wie stark wirkt, geht aus der Auswertung nicht hervor.
Von falschen Lauten bis Stottern
Am häufigsten sind laut AOK Artikulationsstörungen: Das Kind bildet einzelne Laute nicht richtig. Sind zusätzlich Wortschatz oder Satzbau betroffen, kann eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen.
Dazu kommen Redeflussstörungen wie Stottern oder Poltern, also sehr schnelles, undeutliches Sprechen.
Was Eltern tun können
Die Kasse rät Eltern, Auffälligkeiten beim Sprechen früh mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu besprechen. Häufig fallen solche Auffälligkeiten zuerst den Eltern oder den Fachkräften in der Kita auf.
Zur Einordnung: Die Sprachentwicklung ist auch Thema der regulären Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. In Baden-Württemberg prüft zudem das Gesundheitsamt bei der Einschulungsuntersuchung, die bereits im vorletzten Kindergartenjahr beginnt, den Sprachstand der Kinder. Im Kreis Rottweil ist dafür das Gesundheitsamt beim Landratsamt zuständig.
So wurde gezählt
Die AOK hat die bei ihr versicherten Vier- bis Sechsjährigen mit Wohnort in Baden-Württemberg ausgewertet, die 2024 beziehungsweise 2025 mindestens einen Tag versichert waren. Gezählt wurde der Anteil der Kinder mit mindestens einer Verordnung aus dem Bereich Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie im jeweiligen Jahr. Ausgewiesen sind nur Kreise mit mindestens 30 Versicherten je Altersgruppe. Stand der Daten: 29. Juli 2026.
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