Benachrichtigung
Zollkontrolle in Schramberg - gemeinsam mit der Landespolizei. Foto: Peter Arnegger

Großkontrolle in Schramberg: Ein BMW X6, ein Schäferhund und die Suche nach dem großen Fang

Polizei und Zoll kontrollieren am Freitagabend gemeinsam den Verkehr in der Schramberger Schlossstraße. Sie durchsuchen Autos, überprüfen Fahrer, halten sogar einen Linienbus an. Die NRWZ begleitet die außergewöhnliche Aktion über Stunden. Eine Reportage über einen aufgebrachten BMW-Mitfahrer, einen bemerkenswert gelassenen Hund und Fahnder, die auf den großen Treffer hoffen.

Autor / Quelle:
Lesezeit 25 Min.

Schramberg. Punkt 20 Uhr. Ein Zollbeamter tritt entschlossen auf die Schlossstraße, direkt vor einen schwarzen Mercedes. Der Fahrer bremst. Der Wagen sieht teuer aus, steht auf mächtigen 20-Zoll-Felgen und trägt ein albanisches Kennzeichen. Sofort interessieren sich mehrere Beamte für das Fahrzeug. Es ist eines der ersten, das an diesem Freitagabend in die großangelegte Kontrollaktion von Polizei und Zoll gerät.

„Genau so etwas suchen sie“, sagt Jürgen Lederer, Leiter des Polizeireviers Schramberg und Gesamteinsatzleiter der Aktion. Was er meint, ist zunächst einmal ein Fahrzeug mit ausländischer Zulassung. Denn der Zoll hat an diesem Abend auch mögliche Verstöße gegen das Kraftfahrzeugsteuerrecht im Blick. Etwa dann, wenn Menschen mit Wohnsitz in Deutschland dauerhaft im Ausland zugelassene Fahrzeuge nutzen, ohne die hier gegebenenfalls fällige Steuer zu entrichten.

Doch das ist nur einer der Gründe für den ungewöhnlich großen Einsatz. Polizei und Zoll suchen nach Alkohol- und Drogensündern, nach mitgeführten Betäubungsmitteln und Waffen, nach gesuchten Straftätern. Und möglicherweise, so die Hoffnung der Fahnder, geht ihnen auf einer der Durchgangsrouten aus Richtung Frankreich sogar ein größerer Drogentransport ins Netz.

Noch ist allerdings alles offen. Der schwarze Mercedes ist erst der Anfang eines langen Abends.

Ein Parkplatz wird zur Kontrollstelle

Schon vor 20 Uhr hat sich die Schlossstraße in Schramberg verändert. Auf dem Parkplatz am Schloss, zwischen dem Firmengelände der Majolika und dem Schramberger Schloss, haben die Helfer des Technischen Hilfswerks eine regelrechte Kontrollstation errichtet. Lichtmasten erhellen das Gelände. Ein Stromgenerator liefert die notwendige Energie. Leitkegel lenken den Verkehr, ein Zelt dient der Versorgung der Einsatzkräfte. Auf der Fahrbahn liegen Kabelschutzschwellen, unter denen die Stromleitungen zu den Scheinwerfern verlaufen. Sie erfüllen zugleich einen zweiten Zweck: Wer hier entlangfährt, muss langsam machen.

Das ist an diesem Freitagabend durchaus notwendig. Die Schlossstraße ist auch nach Einbruch der Dunkelheit noch stark befahren.

15 Einsatzkräfte der Polizei sind nach Angaben Lederers an der Aktion beteiligt. Sie stammen allesamt vom Polizeirevier Schramberg. Die regulär diensthabenden Beamten sind nicht darunter. Ihre Kolleginnen und Kollegen haben sich freiwillig für die zusätzliche Kontrollaktion gemeldet.

Dazu kommen die Kräfte des Zolls sowie 15 ehrenamtliche Helfer des THW-Ortsverbands Schramberg. Beim THW hat Zugführer Oliver Rapp die Einsatzleitung, Gruppenführer Arno Jakubaschk kümmert sich um die operative Umsetzung. Mit einem Transport-Lkw, Generator, Lichtmasten und weiterer Ausrüstung haben die Helfer die technische Infrastruktur für den Einsatz geschaffen. Und das erstaunlich rasch, wie später von der Polizei zu hören sein wird.

Eine kleine Unwägbarkeit gibt es allerdings bereits beim Aufbau. Die Polizei hatte die Stadtverwaltung darum gebeten, den Parkplatz für die Aktion freizuhalten. Doch dort stehen zunächst noch einige Autos. Lederer nimmt das gelassen. Die Stadt habe sicherlich andere Dinge zu tun gehabt, als den Parkplatz zu räumen, meint er.

Ohnehin: Der Polizeichef ist ausgesprochen zufrieden mit den Vorbereitungen. Die Initiative zu der gemeinsamen Kontrolle sei vom Zoll ausgegangen. In seiner mehr als zehnjährigen Zeit als Revierleiter habe er eine solche Aktion in dieser Größenordnung noch nicht erlebt, sagt Lederer der NRWZ.

Dass ausgerechnet einer der THW-Verantwortlichen auf dem Weg zum Einsatz selbst die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zieht, sorgt später noch für Heiterkeit: Oliver Rapp ist bei seiner Anfahrt zügig nach rechts auf einen Parkplatz eingebogen. Offenbar halten ihn die Polizeibeamten zunächst für einen Autofahrer, der der Kontrolle ausweichen möchte. Eine Streife schaltet das Blaulicht ein und fährt hinterher. So gerät ausgerechnet der THW-Zugführer selbst in eine Kontrolle.

Lederer kommentiert das mit einem Lob für seine Beamten. Sie seien eben „sehr motiviert“.

Von Fußmatten, Führerscheinen und Verbandskästen

Gegen 20 Uhr passieren die letzten Autofahrer zunächst noch die nicht ganz fertig eingerichtete Kontrollstelle. Die meisten rollen im Schritttempo vorbei. Manche beschleunigen unmittelbar danach, fast als seien sie erleichtert, noch unbehelligt davongekommen zu sein.

Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Bis zu acht Fahrzeuge werden zeitweise gleichzeitig auf dem Parkplatz überprüft. Polizei und Zoll arbeiten dabei Hand in Hand, häufig mit jeweils zwei Beamten beider Behörden an einem Wagen.

Die Aufgaben sind unterschiedlich verteilt. Die Landespolizei interessiert sich vor allem für Fahrerlaubnis, Fahrzeugpapiere und die Fahrtüchtigkeit der Menschen am Steuer. Gibt es Hinweise auf Alkohol- oder Drogenkonsum? Stimmen die Dokumente? Ist das Auto verkehrssicher? Gelegentlich lassen sich die Polizeibeamten auch den Verbandskasten zeigen und prüfen dessen Inhalt samt Haltbarkeitsdatum.

Die Zollbeamten gehen häufig einen Schritt weiter. Sie lassen sich auch Papiere zeigen, öffnen aber Kofferräume, untersuchen Gepäckstücke und durchsuchen mitunter den Fahrzeuginnenraum sehr gründlich. Dabei geraten auch die Bereiche unter den Fußmatten, zwischen den Sitzen und hinter den Rücksitzen in ihren Blick. Einige Fahrer und Mitfahrer werden zusätzlich körperlich durchsucht. Währenddessen müssen die übrigen Insassen meist einige Meter entfernt warten.

Lederer gefällt diese Zusammenarbeit. Genau so stelle er sich das vor: Polizei und Zoll gemeinsam am Fahrzeug, jeder mit seiner Zuständigkeit. Die Zollkräfte kommen nach den Angaben vor Ort vom Hauptzollamt Singen. Sie möchten übrigens weder namentlich genannt noch erkennbar abgebildet werden.

Es ist eine aufwendige Aktion, die dennoch erstaunlich geräuschlos abläuft. Kaum ein lautes Wort fällt. Die Autofahrer folgen den Anweisungen, fahren langsam auf die zugewiesenen Plätze, steigen aus und warten. Über allem liegt das gleichmäßige, mittellaute, nicht unangenehme Grummeln des THW-Stromgenerators.

Mancher Fahrer steht breitbeinig neben seinem Wagen und beobachtet, wie die Beamten darin nachsehen. Andere beschäftigen sich mit ihrem Smartphone oder zünden sich eine Zigarette an. Die angehaltenen Fahrzeuge tragen deutsche, französische, Schweizer und weitere ausländische Kennzeichen. Auffallend häufig sind jüngere Fahrer darunter. Auch junge Männer mit Bart geraten nach dem Eindruck vor Ort oft in die Kontrolle. Ob das Erscheinungsbild tatsächlich ein Auswahlkriterium ist, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Lastwagen werden hingegen offenbar nicht in die eigentlichen Kontrollen einbezogen. Sie passieren die Kontrollstelle langsam, müssen über die Kabelschutzschwellen rollen und können weiterfahren. Eine unmittelbare Umfahrung der Kontrollstelle gibt es übrigens nicht. Die einzige direkt parallel verlaufende Straße endet in einer Sackgasse.

Und während überall kontrolliert wird, holt eine ältere Dame völlig unbeeindruckt ihren VW Polo vom Parkplatz und fährt davon. Ein kleiner Augenblick gewöhnlichen Alltags mitten im Polizeieinsatz.

dsc 5319
Zollbeamte im Einsatz.

Der erste Verdacht – und ein negatives Ergebnis

Nach gut einer Stunde gibt es zunächst wenig zu vermelden. Ein Autofahrer ist wegen des Verdachts auf Drogenbeeinflussung auf das Polizeirevier gebracht worden. Dort gibt er nach Angaben Lederers freiwillig eine Urinprobe ab. Der Test fällt negativ aus. Für den Fahrer eine erfreuliche Nachricht. Für die Beamten, die auf einen Nachweis gehofft hatten, bleibt der Verdacht damit zunächst unbestätigt.

Gegen 21.06 Uhr zeichnet sich dann doch ein möglicher Verstoß ab. Ein Pkw muss offenbar wegen fehlenden Versicherungsschutzes an der Kontrollstelle zurückbleiben. Die Entstempelung des Kennzeichens steht im Raum. Die beiden Insassen, zwei ältere Herren, sind sichtlich verärgert. Sie stehen am Rand des Geländes und beschäftigen sich intensiv mit ihren Smartphones. Vielleicht versuchen sie bereits, eine andere Fahrgelegenheit zu organisieren. Ob die mutmaßliche Versicherungsangelegenheit tatsächlich zu einer Anzeige oder zur Entstempelung führt, ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht geklärt.

Ein anderer Fall nimmt einen überraschenden Verlauf. Ein älterer grauer VW Polo fährt zunächst auffällig zügig auf die Kontrollstelle zu, als wolle sein Fahrer möglichst rasch daran vorbeikommen. Doch er wird herausgewunken. An dem Kleinwagen gibt es augenscheinlich einiges zu beanstanden: Die Windschutzscheibe ist großflächig beschädigt, am rechten Außenspiegel fehlt ein Teil. Die Polizei nimmt die Schäden wahr. Der Zoll untersucht den Wagen und seine Insassen, findet jedoch nichts zu beanstanden.

Und dann darf der Polo tatsächlich weiterfahren. Der Fahrer lässt sich nicht lange bitten und beschleunigt. Ob die offensichtlichen Fahrzeugmängel noch behördliche Folgen haben, bleibt offen.

dsc 5400
Die Autos werden genau unter die Lupe genommen.

„Ihr seid Amateure!“ – Ärger am BMW X6

Die wohl lauteste Szene des Abends spielt sich an einem BMW X6 mit Rottweiler Kennzeichen ab. Ein junger Mitfahrer auf dem Rücksitz hat offenbar bereits die Einfahrt in die Kontrollstelle mit seinem Smartphone gefilmt. Darüber entwickelt sich eine Auseinandersetzung mit den Beamten.

Der Mann ist aufgebracht. Er redet laut, beschwert sich über das Vorgehen der Leute vom Zoll und lässt sich auch durch die laufende Kontrolle nicht beruhigen. Offenbar spielt dabei auch die Frage eine Rolle, ob er Serbe oder Kosovo-Albaner sei. Was genau zuvor gesagt wurde und wie sich der Streit entwickelte, ist für Außenstehende allerdings nicht vollständig nachvollziehbar.

Hinzu kommt der Verdacht, dass der junge Mann die Kontrolle möglicherweise live über Snapchat übertragen hat. Das ärgert offenbar sowohl Zoll- als auch Polizeibeamte. Einer der Einsatzkräfte erklärt, solche Liveübertragungen seien nachträglich nicht nachweisbar. Ob das technisch in dieser Allgemeinheit zutrifft und ob tatsächlich eine Liveübertragung stattgefunden hat, konnte die NRWZ vor Ort nicht überprüfen.

Währenddessen durchsuchen die Beamten den sportlichen BMW intensiv. Lederer verweist auf die weitreichenden Kontrollbefugnisse des Zolls. Dessen Beamte untersuchen das Fahrzeug eingehend. Auch die Insassen werden überprüft. Der junge Mann zündet sich unterdessen eine Zigarette an. Doch ruhiger wird er dadurch nicht.

Mehrere Minuten vergehen. Schließlich erklärt ihm einer der Zollbeamten, dass die Kontrolle beendet sei und die Insassen gehen könnten. Der junge Mann hat noch eine Antwort parat. „Ihr seid Amateure, ohne Witz, ihr seid Amateure“, ruft er den Beamten entgegen. Dann steigt er wütend ein. Aber auch im Wagen beruhigt sich die Situation zunächst nicht vollständig. Inzwischen haben sich rund zehn Beamte um den BMW versammelt. Einige lächeln, bleiben jedoch aufmerksam und bereit einzugreifen, sollte die Auseinandersetzung weiter eskalieren.

Das tut sie schließlich nicht. Um 21.19 Uhr rollt der BMW X6 langsam vom Gelände. Weitere Provokationen bleiben aus. Die Beamten wenden sich den nächsten Fahrzeugen zu.

Ein rumänischer Mazda und Pfefferminztee

Allmählich wird es ruhiger. Gegen 21.20 Uhr hat der Verkehr so stark nachgelassen, dass einige der Einsatzkräfte beinahe beschäftigungslos herumstehen. Auf beiden Seiten der Schlossstraße beobachten jeweils zwei bis drei Zollbeamte die ankommenden Fahrzeuge. Doch längst nicht jeder Wagen wird noch herausgewunken.

Um 21.35 Uhr steht nur ein einziges Fahrzeug auf dem Kontrollgelände: ein Mazda mit rumänischem Kennzeichen. Der junge Fahrer ist schon länger dort. Sein Wagen wird gründlich untersucht. Vier Minuten später ist auch diese Kontrolle beendet. Die Beamten haben nach den Beobachtungen vor Ort nichts gefunden. Der junge Mann darf weiterfahren. Er zündet sich erst einmal eine selbst gedrehte Zigarette an und macht sich dann auf den Weg.

Während draußen die Kontrollen weiterlaufen, hat sich am THW-Zelt eine beinahe gemütliche Atmosphäre entwickelt. Hier gibt es Kaffee und heißen Tee. Drei Sorten stehen zur Auswahl: Schwarztee, Kamille und Pfefferminze. Heißes Wasser und Teebeutel liegen bereit. Offenbar ist auch für etwas zu essen gesorgt. Die ehrenamtlichen Helfer haben ihre wichtigste Arbeit zu diesem Zeitpunkt längst erledigt. Die Beleuchtung funktioniert, das Zelt steht, die Verkehrsführung ist eingerichtet.

Im Zelt ist zu hören, dass die Polizei die Arbeit des THW ausdrücklich gelobt habe. Alles sei schnell und reibungslos aufgebaut worden, die Kontrollstelle sei hervorragend ausgeleuchtet.

Für die Helfer ist das eine schöne Anerkennung. Und fertig sind sie deshalb noch lange nicht: Wenn die übrigen Einsatzkräfte abrücken, müssen sie schließlich alles wieder abbauen.

dsc 5464
Mazda unter Kontrolle.

Marihuanageruch und eine widerspenstige Heckklappe

Um 21.41 Uhr füllt sich der Parkplatz wieder. Ein französischer und vier deutsche Wagen werden gerade untersucht, als ein Zollbeamter plötzlich die Nase hebt. Er hat Marihuanageruch wahrgenommen. Tatsächlich scheint ein entsprechender Geruch über dem Gelände zu liegen. Woher er stammt, ist allerdings nicht auszumachen.

Zur gleichen Zeit nehmen sich Beamte einen älteren, ziemlich verschrammten Peugeot Partner mit französischem Kennzeichen vor. Die beiden Insassen müssen aussteigen und einige Meter entfernt warten. Der Wagen wird intensiv durchsucht. Während gegenüber, bei einem weiteren Wagen, der Fahrer einer Kontrolle durch die Polizei unterzogen wird, nimmt der Zoll Gepäckstück für Gepäckstück aus dem Peugeot heraus. Alles wird gründlich untersucht.

Das erweist sich als etwas umständlich, denn die Heckklappe des alten Peugeot bleibt offenbar nicht mehr von allein oben. Eine Polizeibeamtin muss sie festhalten, damit ihre Kollegen ungehindert das Gepäck kontrollieren können. So geht es eine ganze Weile.

Doch auch diese Überprüfung endet ohne mitgeteilten Fund. Um 21.51 Uhr dürfen die beiden Franzosen weiterfahren. Sie lächeln, wirken ein wenig erleichtert. Der Fahrer vergisst beim Verlassen des Parkplatzes noch zu blinken. An diesem Abend scheint das aber niemanden mehr zu interessieren.

Ein paar Minuten später werden wieder zahlreiche Fahrzeuge durchgewunken. Eine ältere Dame darf mit ihrem Kleinwagen direkt passieren. Ein junger Handwerker im Fahrzeug eines Gartenbaubetriebs hingegen muss zur Kontrolle. Sogar einen Fußgänger, wiederum einen jungen Mann mit Bart, nehmen die Beamten unter die Lupe, während auf einer Fahrspur gerade kaum Autos ankommen.

Gegen 22.03 Uhr ist auch beim Einsatzleiter des Zolls erstmals ein deutlich gelöstes Lachen zu beobachten. Zuvor hatte er während des Abends überwiegend ernst und konzentriert gewirkt. Die seit Wochen vorbereitete Aktion scheint ihm wichtig zu sein.

dsc 5157
Auch die Polizeibeamten schauen genau hin.

Ein Schäferhund, der lieber nicht aussteigen möchte

Kurz nach 22 Uhr rollt ein Mazda 3 auf das Gelände. Am Steuer sitzt ein junger Mann, der etwas nervös wirkt. Auf dem Rücksitz hat er einen besonderen Begleiter: einen schwarzen Schäferhund-Mischling, geschätzte 30 bis 35 Kilogramm schwer. Der Hund bellt einmal kurz. Dann beobachtet er interessiert, was die Zollbeamten mit seinem Herrchen und dem Fahrzeug vorhaben.

Es ist ein erstaunlich gelassenes Tier. Selbst als die Seitentür geöffnet wird, denkt es offenbar nicht daran, einfach hinauszuspringen. Erst als sein Besitzer die Leine nimmt, klettert der Hund mit eingezogenem Schwanz aus dem Wagen und lässt sich zum nächsten Gebüsch führen. Anschließend dauert die Kontrolle ungewöhnlich lange. Die Beamten nehmen den Mazda gründlich auseinander, zumindest was die Überprüfung seines Inhalts betrifft. Taschen und weitere Gegenstände werden aus dem Wagen geholt, sogar Schuhe werden untersucht.

Der junge Mann wird auch körperlich durchsucht. Das gefällt seinem vierbeinigen Begleiter nun weniger. Während der Hund vorher nur gelegentlich und wenig überzeugend gebellt hat, erhebt er jetzt deutlicher Protest. Immer wieder meldet er sich zu Wort. Eine Zollbeamtin behält ihn im Auge. Zeitweise stehen rund neun Einsatzkräfte um den Mazda und seinen Fahrer.

Ob es einen konkreten Verdacht gibt oder ob die Kontrolle einfach möglichst zügig abgeschlossen werden soll, ist nicht zu erkennen. Zwischendurch beruhigt eine streichelnde Hand auf seinem Kopf den Hund wieder. Die Beamten setzen ihre Arbeit fort. Gepäckstücke und Schuhe werden nach der Untersuchung ordentlich zurück in den Wagen gelegt. Schließlich scheint auch der Fahrer noch einige Hinweise oder eine Belehrung zu erhalten. Erst um 22.23 Uhr ist die Sache beendet. Herrchen und Hund dürfen wieder einsteigen und weiterfahren.

Der junge Mann wirkt erleichtert. Ob es noch eine spätere Beanstandung geben wird, bleibt offen. Der Schäferhund jedenfalls hat seine ganz eigene kleine Prüfung an diesem Abend bestanden.

dsc 5433
Arbeiten eng zusammen: Zoll und Landespolizei.

Ein elektrischer Mercedes und ein Kleinwagenfahrer mit Kapuze

Während die langwierige Mazda-Kontrolle noch läuft, zieht um 22.15 Uhr ein anderes Fahrzeug die Aufmerksamkeit auf sich. Ein offenbar brandneuer, vollelektrischer Mercedes-Benz GLC 400 rollt auf das Kontrollgelände. Ein stattlicher Wagen, der zwischen all den älteren Kleinwagen und gewöhnlichen Alltagsautos durchaus auffällt. Die Zollbeamten befragen den Fahrer. Die Landespolizei interessiert sich erkennbar weniger für das Fahrzeug.

Nach gerade einmal drei Minuten ist alles erledigt. Um 22.18 Uhr gleitet der Mercedes beinahe majestätisch wieder vom Parkplatz. Sein Fahrer lenkt ihn lässig mit einer Hand.

Ganz anders der Auftritt eines jungen Mannes in einem deutlich mitgenommenen Kleinwagen. Der Wagen hat schon bessere Zeiten gesehen. An der Heckscheibe befindet sich eine Folie, die Radkappen wirken einfach. Auch der Fahrer ist nicht gerade für einen schicken Ausgehabend gekleidet. Seinen schwarzen Hoodie trägt er mit tief über den Kopf gezogener Kapuze – wie wie Bob Dylan jüngst bei seiner Papstaudienz. Die Beamten sehen sich den Wagen und seinen Fahrer eingehend an. Doch trotz des auffälligen Erscheinungsbildes gibt es offensichtlich nichts zu beanstanden. Der junge Mann darf weiterfahren.

Auch das gehört zu diesem Abend: Viele Kontrollen, viele auffällige Details, aber nicht zwangsläufig ein Verstoß.

Um 22.27 Uhr gibt es noch einmal einen kurzen Aufreger. Eine junge Frau fährt mit ihrem VW Polo auffallend schnell durch die Kontrollstelle. Zollbeamte stoppen sie und belehren sie kurz. Danach darf auch sie ihre Fahrt fortsetzen.

dsc 5538
Nehmen sich einen Fahrgast in einem Linienbus vor: Beamte von Zoll und Polizei.

Plötzlich steht ein Linienbus in der Kontrolle

Um 22.30 Uhr wird es noch einmal ungewöhnlich. Ein Linienbus der Südbadenbus-Linie 50 von Schramberg nach Rottweil wird angehalten. Der Bus stoppt zunächst direkt in der Schlossstraße. Vier Zollbeamte und ein Polizeibeamter widmen sich einem jungen Fahrgast. Er wird körperlich durchsucht. Auch weitere Passagiere geraten in den Blick der Kontrolleure.

Ein Polizeibeamter nimmt sich mehrere Minuten Zeit, um mitgeführtes Gepäck näher zu untersuchen. Auch die Sachen des jungen Mannes werden überprüft. Unterdessen ist die Kontrollstelle auf der gegenüberliegenden Seite, in Richtung Schiltach, praktisch verwaist. Hier der Linienbus mit den kontrollierenden Beamten, dort eine weitgehend leere Fahrspur.

Um 22.32 Uhr darf der Bus weiterfahren. Der junge Mann ist noch an Bord, die Zollbeamten bleiben zurück. Ein Fund wird auch hier nicht bekannt.

Ein Abend ohne großen Fang?

Gegen 22.39 Uhr deutet sich das Ende der Großkontrolle an. Eine größere Gruppe von Zollbeamten hat die Kontrollstelle bereits verlassen. Zuletzt waren noch zwölf Zollkräfte vor Ort. Der Einsatzleiter des Zolls erklärt, dass die Aktion nicht mehr lange dauern werde.

Und die Bilanz? Seines Wissens habe es bislang keinerlei Funde gegeben, sagt er.

Das ist allerdings ausdrücklich keine abschließende Einsatzbilanz. Ob und wie viele Beanstandungen ausgesprochen, Verstöße festgestellt oder weitere Verfahren eingeleitet wurden, lässt sich während der laufenden Aktion noch nicht verlässlich sagen. Auch die leitenden Beamten haben zu diesem Zeitpunkt noch keinen vollständigen Überblick über sämtliche Kontrollergebnisse.

Fest steht: Zahlreiche Autos und Menschen sind an diesem Abend überprüft worden. Es gab intensive Durchsuchungen, einen zunächst verdächtigen, letztlich aber negativen Drogentest und Hinweise auf mögliche andere Verstöße. Was davon in die offizielle Statistik eingeht, müssen Polizei und Zoll erst zusammentragen.

Polizeichef Lederer sieht den Erfolg der Aktion ohnehin nicht allein in der Zahl möglicher Treffer. Gerade in der dunklen Jahreszeit, in der Wohnungseinbrüche für die Polizei ein besonderes Thema sind, komme es auch auf die abschreckende Wirkung solcher Kontrollen an. Er hätte nichts dagegen, wenn sich herumspräche, dass Polizei und Zoll in Schramberg genauer hinschauen. Dass Schramberg für Straftäter kein gutes Pflaster sein soll – darauf läuft seine Botschaft hinaus.

Und so hat dieser Abend noch eine zweite Seite. Da sind die Beamten, die sich freiwillig gemeldet haben, um gemeinsam mit ihren Kollegen vom Zoll den Verkehr zu kontrollieren. Die trotz gründlicher Untersuchungen freundlich bleiben, den richtigen Ton treffen, gelegentlich einen Scherz machen und angespannte Situationen oft rasch beruhigen.

Da sind die Autofahrer, die ihre Papiere vorzeigen, ihre Kofferräume öffnen, mitunter lange warten und anschließend erleichtert weiterfahren. Manche davon mit einer Zigarette, manche mit einer Hand am Lenkrad, einer sogar mit einem schwarzen Schäferhund auf dem Rücksitz.

Und da sind die 15 Ehrenamtlichen des THW, ohne die dieser außergewöhnliche Einsatz in dieser Form kaum möglich gewesen wäre. Sie haben Licht geschaffen, Zelte und technische Infrastruktur aufgebaut und die Versorgung der Einsatzkräfte übernommen. Während die gemeinsame Polizei- und Zollkontrolle ihrem Ende entgegengeht, stehen einige von ihnen beisammen und beobachten das Geschehen.

Noch brummt der Generator. Noch erhellen die Scheinwerfer den Parkplatz am Schloss. Und während andere bald nach Hause fahren können, wartet auf die Helfer noch einmal Arbeit: Lichtmasten abbauen, Zelt zusammenpacken, Leitungen und Ausrüstung verladen. Vielleicht sind sie am Ende tatsächlich die Letzten, die diesen Parkplatz verlassen.

Eine endgültige Bilanz der Großkontrolle lag am Freitagabend zunächst nicht vor. Die Ergebnisse sollen nach Angaben der Einsatzleitung zusammengestellt und gegebenenfalls erst in den kommenden Tagen nachgereicht werden.

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.