Benachrichtigung

Lkw-Abstand per Drohne: Alle 24 kontrollierten Lkw fuhren zu dicht auf

Ein überladener Schwerlasttransporter durfte nicht weiter. Die Drohne sichert nur Beweise, gestoppt wird Kilometer später.

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Kontrolliert Abstände: Drohne der Polizei. Foto: Peter Arnegger

Die Verkehrspolizei Zimmern ob Rottweil hat am Dienstag auf der A81 zwischen Oberndorf und Rottweil den Lkw-Abstand per Drohne kontrolliert. Innerhalb von gut fünf Stunden zogen die Beamten 24 Lastwagen heraus, alle 24 hatten den Mindestabstand unterschritten. Bei manchem lag noch mehr im Argen, ein Brummilenker durfte seinen Lkw nicht weiterbewegen. Das Pilotprojekt läuft seit Mai und soll bis Ende 2026 ausgewertet werden.

Das Polizeipräsidium Konstanz hatte zu einem Pressetermin in die Verkehrspolizeiinspektion in Zimmern ob Rottweil eingeladen. Polizeipräsident Jürgen von Massenbach-Bardt erläuterte dort Ziel, Nutzen und mögliche Weiterentwicklung des Projekts. Die Kontrolle lief seit etwa 10 Uhr, die Zahlen sind die Bilanz nach gut fünf Stunden.

So läuft die Kontrolle ab

Kontrolliert werden Lkw über 3,5 Tonnen, die auf der Autobahn schneller als 50 km/h fahren. Für sie gilt ein Mindestabstand von 50 Metern. Wer ihn unterschreitet, muss mit 80 Euro Bußgeld und einem Punkt rechnen.

Die Drohne misst dabei keine Geschwindigkeit. Sie dient nach Angaben der Polizei ausschließlich der Beweissicherung und dokumentiert, ob ein Lkw über einen längeren Zeitraum mit zu geringem Abstand fährt. Im Mittelpunkt stehen nicht kurze oder zufällige Unterschreitungen, sondern Fahrzeuge, die beharrlich deutlich zu dicht auffahren. Es gehe um die Fälle mit tatsächlichem Gefahrenpotenzial, hieß es von der Polizei.

Hat die Drohne einen Verstoß dokumentiert, behalten die Beamten den Lkw im Blick. Welcher Lkw herausgezogen werden soll, melden sie von der Messstelle auf einer Brücke zwischen den Ausfahrten Oberndorf und Rottweil weiter. Polizisten auf Motorrädern bringen die Fahrzeuge dann zur Kontrollstelle auf dem Parkplatz Eschachtal-West. Von der Messstelle bis zur ersten Polizeiposition sind es etwa 1,5 Kilometer, danach noch mehrere Kilometer bis zur Kontrollstelle. Insgesamt bleibt das Fahrzeug ungefähr vier Kilometer im Blick. Nach der Messung bleiben etwa fünf bis sechs Minuten, um den Lkw eindeutig bis zur Kontrolle zu verfolgen.

An der Kontrollstelle halten die Beamten dem Fahrer den dokumentierten Abstandsverstoß vor. Zugleich nutzt die Polizei die Gelegenheit für eine umfassendere Kontrolle. Geprüft werden unter anderem Ladungssicherung, technischer Zustand sowie Lenk- und Ruhezeiten. Diese Verbindung aus dokumentiertem Verstoß und vollständiger Kontrolle sieht die Polizei als Vorteil des Verfahrens.

Wie weit die Kontrolle über den Abstand hinausgeht, zeigten zwei Beispiele. Ein Schwerlasttransporter, der ein Gegengewicht für einen Kran geladen hatte, war neben dem Abstandsverstoß stark überladen und durfte nicht weiterfahren. Der frustrierte Fahrer sagte der NRWZ, nun müsse ein zweiter Lkw kommen und ein Teil der Ladung umgeladen werden. Ein anderer Lkw hatte einen Schlag in der Windschutzscheibe, die entsprechend gesplittert war. Auch dafür bekam der Fahrer Ärger mit der Polizei, er durfte aber weiterfahren.

Datenschutz und Identifizierung

Die Drohnenkamera läuft während der Kontrolle dauerhaft und erfasst damit zwangsläufig auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Auf den Aufnahmen seien deshalb weder Fahrer noch Kennzeichen erkennbar, so die Polizei. Dazu sagte PHK Markus Maier, Dienstgruppenleiter der Autobahnpolizei Zimmern: „Wenn einer nicht gerade seinen Namen auf dem Dach stehen hat.“ Der betreffende Lkw wird deshalb nicht über die Aufnahmen identifiziert, sondern über die fortlaufende Beobachtung bis zur Kontrollstelle. Der ADAC warnt vor anlassloser Überwachung.

Ein Pilotprojekt zum ganzen Verfahren

Das Verfahren wurde nicht neu entwickelt, sondern orientiert sich an einem Modell, das in Brandenburg bereits praktiziert wird. Dort misst die Polizei nach Angaben der Polizeidirektion Ost seit 2019 über der A12 aus der Luft, inzwischen monatlich. Seitdem gebe es weniger Verstöße und größere Abstände.

In Baden-Württemberg geht es nach Angaben der Polizei weniger darum, ob die Drohnentechnik funktioniert. Getestet wird das gesamte Verfahren: von der Feststellung des Verstoßes über die Dokumentation, die eindeutige Zuordnung des Fahrzeugs und die Kontrolle bis zur Datenübermittlung und zur rechtlichen Bearbeitung durch die Bußgeldstelle. Geklärt werden soll unter anderem, welche Daten aufgenommen werden müssen, welche Nachweise die Bußgeldstelle braucht, wie sich Abläufe verbessern lassen und für welche weiteren Einsätze sich das Verfahren eignet.

Beim ersten Einsatz mit Drohne im Mai hatten die Beamten bei einer Kontrolle in Fahrtrichtung Singen innerhalb von drei Stunden zehn Verstöße registriert, wie die NRWZ berichtete.

Bis Ende 2026 soll das Projektteam einen Abschlussbericht vorlegen. Danach soll entschieden werden, ob und wie das Verfahren in Baden-Württemberg weiter oder breiter eingesetzt wird.

Drohne aus der vorhandenen Ausstattung

Die Drohne wurde nicht eigens für das Projekt angeschafft. Sie gehört zur vorhandenen Ausstattung der Polizei und wird auch bei schweren Verkehrsunfällen, größeren Polizeilagen, zur Beweissicherung bei Umweltdelikten und in Kriminalfällen eingesetzt. Wird sie anderswo dringender gebraucht, kann sie von der Abstandskontrolle abgezogen werden.

Gedacht ist an einen Einsatz ungefähr einmal im Monat, einen festen Turnus gibt es noch nicht.

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