Sieben Wochen nach dem Waldbrand warten die Landwirte, die damals beim Löschen geholfen haben, noch immer auf ihre Entschädigung. Ein Artikel und ein Kommentar im Schwarzwälder Boten hatten der Stadtverwaltung deshalb Untätigkeit vorgeworfen. Die Stadt widerspricht. Ihre eigene Chronik zeigt aber auch, wo es bislang hakt.
Schramberg. Am 16. August hatten zahlreiche Landwirte aus der Umgebung freiwillig ihre Arbeit liegen lassen und mit Traktoren und Wasserfässern bei der Brandbekämpfung geholfen. Um ihre Entschädigung für Diesel, Arbeits- und Maschinenstunden gibt es jetzt Streit. Der Schwarzwälder Bote hatte am 6. Oktober in seiner Printausgabe berichtet, die Landwirte warteten „immer noch auf ihr Geld“. In einem Kommentar hieß es: „Und wenn eine vollständige Auszahlung nicht sofort möglich ist, muss man das den Betroffenen wenigstens sagen. Ein kurzer Brief. Ein Anruf. Eine E-Mail. Das wäre keine große Sache gewesen. Hat was mit Fairness und Anstand zu tun.“
Die Stadt Schramberg hat daraufhin eine Stellungnahme verschickt, die sie als Gegendarstellung bezeichnet. Sie liegt auch der NRWZ vor. Darin weist Pressereferent Hannes Herrmann die Vorwürfe als „so nicht korrekt“ zurück. Die Behauptung, die Verwaltung habe sich nicht bei den Landwirten gemeldet, entspreche „nicht der Wahrheit“. Zugleich betont die Stadt, sie sei den Helfern „zu allergrößtem Dank verpflichtet“.
Die Chronik aus Sicht der Stadt
Nach Darstellung der Verwaltung hat sie direkt nach dem Brand anhand des Feuerwehrgesetzes geprüft, unter welchen Voraussetzungen die Landwirte entschädigt werden können. Am 26. August verschickte sie eine Pressemitteilung, die die Erstattung erklärte und die Landwirte bat, sich zu melden. Die Mitteilung ging außerdem an einen gut vernetzten Vertreter der Landwirte, der sie in WhatsApp-Gruppen teilen sollte. Er war beim Einsatz selbst nicht dabei. Mit ihm stehe die Stadt seitdem regelmäßig per E-Mail und Telefon in Kontakt.
Auf die Pressemitteilung hin meldete sich nach Angaben der Stadt ein einzelner Landwirt und bat um Erstattung seiner Dieselkosten. Am 4. September erhielt die Stadt über den Vertreter eine Liste mit Spritverbrauch, Fassgrößen sowie Arbeits- und Maschinenstunden. Am Abend des 17. September kamen die Stundensätze des Maschinenrings dazu, die für die Berechnung nötig waren.
Woran es jetzt hängt
Das eigentliche Problem nennt die Stadt selbst: Ihr liegen nach eigenen Angaben bis heute keine Adressen und Bankverbindungen der Landwirte vor. Ohne diese Daten könne sie die Helfer weder anschreiben noch Geld überweisen. Als Grund nennt sie, dass ein Waldbrand dieser Größe auf der Gemarkung bisher einmalig war. Die Landwirte der Umgebung sind deshalb noch nicht systematisch in ein Alarmierungssystem eingebunden. Wie das künftig aussehen könnte, erarbeitet die Feuerwehr derzeit.
Einordnung
Die Stellungnahme der Stadt erfüllt die Form einer presserechtlichen Gegendarstellung nicht. Sie enthält neben Tatsachen auch Bewertungen, Dank und Erläuterungen und richtet sich zum Teil gegen einen Kommentar, also gegen eine Meinungsäußerung. Ob der Schwarzwälder Bote sie abdruckt, ist offen.
Inhaltlich zeigt die Chronik, dass die Verwaltung nicht untätig war. Sie zeigt aber auch: Direkt hat die Stadt die einzelnen Helfer bislang nicht angesprochen. Die Kommunikation lief über eine Pressemitteilung und über einen Vermittler. Seit dem 17. September liegen der Stadt nach eigener Darstellung alle Zahlen für die Berechnung vor. Seitdem sind drei Wochen vergangen, und Geld ist nicht geflossen.
Offen ist auch, wie es um den Landwirt steht, der sich direkt bei der Stadt gemeldet hatte. Die NRWZ hat bei der Stadt nachgefragt, wann die Auszahlung erfolgen soll und wie die fehlenden Daten nun eingeholt werden.
