Der Siegerentwurf beschreibt die neue Verbindung über Bahn und Neckar zur Landesgartenschau Rottweil 2028 nicht als bloßes Verkehrsbauwerk. Die Brücke soll Aussichtspunkt, Aufenthaltsort und Bindeglied zwischen der historischen Innenstadt und den Neckarwiesen werden. Ein Blick in die Wettbewerbsunterlagen zeigt, welche Idee hinter dem Bauwerk steht.
ROTTWEIL – Rund 175 Meter lang, über Bahngleise, Neckar und künftiges Gartenschaugelände hinweg: Die neue Brücke am Fuß der historischen Innenstadt gehört zu den markantesten Bauwerken der Landesgartenschau 2028. Ihr Zweck lässt sich technisch einfach beschreiben. Sie soll Fußgängern und Radfahrern einen direkten Weg von der Stadt hinunter an den Neckar ermöglichen. Doch die Architekten, deren Entwurf im Wettbewerb den ersten Platz erhielt, dachten das Bauwerk weit über diese reine Verbindungsfunktion hinaus.
Ihre Wettbewerbsarbeit trägt den programmatischen Untertitel: „Eine Brücke zum Flanieren und Verweilen“. Schon diese Formulierung zeigt, dass die Brücke nicht lediglich als möglichst kurze und zweckmäßige Querung geplant wurde. Sie soll selbst zu einem Ort werden – mit wechselnden Breiten, Aussichtsmöglichkeiten und Bereichen, in denen Besucher stehen bleiben können.
Die Unterlagen geben zugleich einen Einblick in die ursprüngliche Identität des Projekts. Überschrieben ist der Entwurf mit „Neubau Brücke Landesgartenschau Rottweil“. Der Firmenname, den das Bauwerk inzwischen offiziell trägt, spielte bei der Entwicklung naturgemäß noch keine Rolle. Ausgangspunkt der Planung waren vielmehr die Landschaft am Neckar, die Topografie, die historische Innenstadt und die Frage, wie sich diese sehr unterschiedlichen Räume miteinander verbinden lassen.
Mehr als eine Brücke für das Jahr 2028
Die Planer stellen gleich zu Beginn ihrer Erläuterung klar, dass das Bauwerk nicht nur für die Landesgartenschau entstehen soll. Es werde „weit darüber hinaus“ eine zentrale Verbindung zwischen der Stadt Rottweil und dem Ostufer des Neckars darstellen. Damit war die Brücke von Anfang an als dauerhafte Infrastruktur gedacht. Die Landesgartenschau bildet den Anlass für das Projekt, seine Bedeutung soll aber nicht mit dem Ende der Veranstaltung verschwinden. Auch nach 2028 soll sie Fußgängern und Radfahrern einen neuen Zugang zum Neckartal eröffnen.
Diese langfristige Perspektive ist für das Verständnis des Entwurfs entscheidend. Die Architekten planten kein temporäres Ausstellungselement, das nur während eines Gartenschau-Sommers funktionieren muss. Sie entwickelten ein Bauwerk, das über Jahrzehnte Teil des Rottweiler Stadtbilds und des täglichen Wegenetzes werden soll.
Die Brücke verbindet dabei Räume, die zwar nah beieinanderliegen, bislang aber durch erhebliche Barrieren voneinander getrennt sind. Zwischen der hoch gelegenen historischen Innenstadt und dem Neckartal verlaufen die Bahnstrecke und weitere Verkehrswege. Hinzu kommt der deutliche Höhenunterschied zwischen dem Stadtkern auf dem Felsplateau und dem Fluss. Die Brücke soll diese Trennung nicht nur technisch überwinden. Nach der Vorstellung der Architekten soll sie die Stadt und die Landschaft auch gestalterisch miteinander verknüpfen.
Rücksicht auf die historische Stadtsilhouette
Die Lage am Fuß der historischen Innenstadt stellte die Planer vor eine besondere Aufgabe. Das neue Bauwerk wird aus vielen Richtungen sichtbar sein. Zugleich blickt man von der Brücke auf die bekannte Rottweiler Stadtsilhouette mit ihren Türmen, Dächern und der erhöht liegenden historischen Bebauung. Die Architekten formulierten deshalb eine klare gestalterische Maxime: Die Brücke sollte sich möglichst selbstverständlich in den Landschafts- und Kulturraum einfügen. Sie sollte eigenständig erkennbar sein, aber weder die Neckarlandschaft noch die historische Innenstadt dominieren.
Auf auffällige Konstruktionen oberhalb des Gehwegs wollten die Planer bewusst verzichten. Tragwerke, die den Blick auf die Stadt oder in den Landschaftsraum beeinträchtigen könnten, wurden nach ihrer Darstellung vermieden. Das Tragwerk sollte stattdessen unterhalb der Gehfläche liegen.
Dadurch bleibt der Blick von der Brücke weitgehend frei. Besucher sollen die historische Innenstadt, den Neckar und das Gelände der Landesgartenschau wahrnehmen können, ohne dass massive Bögen, Seile oder andere hoch aufragende Bauteile die Aussicht bestimmen. Aus der Entfernung sollte die Brücke nach dem Konzept als schlanke, fließende Linie erscheinen. Je nach Blickrichtung verändert sich ihre Wirkung. Von der Seite sollte sie sich zurückhaltend über das Tal legen; aus der Nähe sollten sich ihre Konstruktion und die wechselnden Breiten deutlicher erschließen.
Die Planer wollten damit offenbar zwei Anforderungen miteinander verbinden: Das Bauwerk sollte einen eigenen architektonischen Charakter erhalten, zugleich aber der Umgebung den Vorrang lassen.
Die Brücke als Aussichtspunkt
Ein zentrales Element des Entwurfs sind drei Aufweitungen. Über den Stützen wird die Brücke breiter als in den übrigen Abschnitten. Während die nutzbare Breite in den schmaleren Bereichen bei etwa 3,50 Metern liegt, wächst sie an anderen Stellen auf bis zu 6,50 Meter an. Diese Erweiterungen haben nicht nur konstruktive Gründe. Sie sollen Aufenthaltsbereiche schaffen. Menschen können dort stehen bleiben, ohne Fußgänger oder Radfahrer auf dem eigentlichen Weg zu behindern.
Die Architekten sprechen ausdrücklich von Aufenthaltsorten zum Verweilen. Von diesen breiteren Stellen aus sollen sich unterschiedliche Blicke eröffnen: auf die historische Innenstadt, in die Neckarlandschaft und auf die Flächen der Landesgartenschau. Damit unterscheidet sich die Brücke von einem gewöhnlichen Geh- und Radweg, der möglichst geradlinig und gleichmäßig von einer Seite zur anderen führt. Der Entwurf sieht bewusst einen Wechsel von Bewegung und Aufenthalt vor. Manche Besucher werden die Brücke lediglich überqueren. Andere sollen stehen bleiben, sich orientieren oder den Blick auf Stadt und Landschaft genießen können.
Die Brücke wird so selbst zu einem Teil des Gartenschauerlebnisses. Sie führt nicht nur zu einem Ziel, sondern bietet unterwegs eigene Perspektiven und Aufenthaltsmöglichkeiten. Auch die Visualisierungen des Wettbewerbsentwurfs zeigen diese Idee deutlich. Menschen gehen zu Fuß über die Brücke, schieben Kinderwagen oder fahren Rad. An den breiteren Stellen bleiben Besucher stehen. Die Brücke erscheint nicht als abgetrennter Verkehrsraum, sondern als öffentlich zugänglicher Aussichtsbalkon über dem Neckartal.
Ein Weg, der seine Form verändert
Die wechselnde Breite prägt auch die Form des gesamten Bauwerks. Die Brücke verläuft nicht als gleichförmiges Band über das Tal. Ihr Grundriss reagiert auf die Lage der Stützen, die Anschlüsse und die gewünschten Aussichtspunkte. Die Planer beschreiben eine Konstruktion mit einer Gesamtlänge von etwa 175 Metern. Vorgesehen war ein durchlaufender, dreizelliger Stahlhohlkasten. Die einzelnen Felder sollten ungefähr 38, 50, 50 und 36 Meter überspannen.
Für die Wahrnehmung der Besucher sind diese technischen Angaben zunächst zweitrangig. Entscheidend ist die Wirkung, die daraus entstehen soll. Der Brückenkörper bleibt zwischen den Stützen vergleichsweise schlank. Im Bereich der Stützen nimmt die Bauhöhe zu. Zusammen mit den seitlichen Aufweitungen entsteht dadurch ein Rhythmus aus schmaleren und breiteren Abschnitten.
Die Architekten wollten keine starre, überall identische Konstruktion. Die Brücke sollte sich je nach Standort und Blickwinkel verändern. Ihre Unterseite sollte eine fließende Form erhalten, die sich aus den statischen Anforderungen entwickelt. Auch die Stützen sind Teil dieses Konzepts. Sie sollten nicht als schwere Pfeiler auftreten, die den Raum unter der Brücke in einzelne Abschnitte teilen. Vorgesehen waren schlanke, aufgespreizte Stahlstützen. Sie nehmen die Kräfte des Überbaus auf und sollen zugleich möglichst wenig Fläche beanspruchen.
Gerade im Gelände der Landesgartenschau war den Planern von Bedeutung, unter der Brücke keine dunklen oder abweisenden Restflächen entstehen zu lassen. Der Raum darunter sollte offen und weiterhin nutzbar bleiben.
Kein Gefühl, „unter der Brücke“ zu stehen
In den Erläuterungen findet sich dazu eine bemerkenswerte Formulierung. Durch die schlanke Konstruktion sollte an keiner Stelle das Gefühl entstehen, sich „unter der Brücke“ zu befinden. Gemeint ist damit offenkundig die typische Wirkung großer Verkehrsbauwerke: massive Pfeiler, tiefe Träger, dunkle Bereiche und ein deutlich wahrnehmbarer Einschnitt in die Landschaft. Genau diese Wirkung wollten die Planer vermeiden.
Die Brücke überspannt nicht nur Bahnanlagen und Neckar. Sie führt auch über Flächen, die Teil des Gartenschaugeländes werden. Besucher werden das Bauwerk daher nicht ausschließlich von oben erleben. Sie werden sich auch darunter und daneben bewegen. Aus dieser Perspektive sollte die Unterseite möglichst leicht und geordnet erscheinen. Die Stützen sollten sich in die Landschaft einfügen, ohne Wege und Blickbeziehungen unnötig zu blockieren.
Der Entwurf begreift die Brücke damit nicht als Fremdkörper, der über das Gelände gelegt wird. Sie sollte Teil der landschaftlichen Gestaltung werden. Ob dieser Anspruch in der gebauten Ausführung vollständig eingelöst werden kann, wird sich erst nach der Fertigstellung beurteilen lassen. In den Wettbewerbsunterlagen ist diese Absicht jedoch eindeutig formuliert.
Ein zusätzlicher Zugang zum Neckartal
Auf der Seite der Stadt sah der Entwurf außerdem einen Treppenabgang vor. Er sollte nicht nur eine technische Ergänzung sein, sondern eine weitere Verbindung zwischen Brücke und Neckartal schaffen. Wer von der historischen Innenstadt kommt, sollte über die Treppe früher in das Gelände hinabsteigen können, statt zunächst die gesamte Brücke bis zum gegenüberliegenden Ende zu überqueren. Nach Berechnung der Planer könnte sich der Fußweg dadurch in bestimmten Verbindungen um bis zu 400 Meter verkürzen.
Der Treppenabgang sollte sich optisch an die Hauptbrücke anschließen und ebenfalls als Stahlhohlkasten ausgeführt werden. Zugleich sollte die barrierefreie Hauptverbindung unverändert erhalten bleiben. Die Treppe wäre also ein zusätzliches Angebot, kein Ersatz für den stufenlosen Weg über die Brücke.
Das verdeutlicht, wie stark die Architekten das Bauwerk als Teil eines größeren Wegenetzes verstanden. Die Brücke beginnt und endet nicht einfach an zwei Widerlagern. Sie soll mit den Wegen der Innenstadt, den Zugängen zur Gartenschau und den künftigen Verbindungen entlang des Neckars zusammenspielen.
Geländer mit Durchblick
Auch das Geländer wurde nicht nur unter Sicherheitsaspekten entworfen. Es sollte die wechselnde Erscheinung der Brücke unterstützen und zugleich möglichst viel Sicht auf die Umgebung zulassen. Die Planer sahen unregelmäßig angeordnete, gekippte Pfosten vor. Dazwischen sollten unterschiedlich große Felder entstehen. Ein feinmaschiges Edelstahlseilnetz sollte die notwendige Absturzsicherung gewährleisten. Durch die variierenden Felder wollten die Architekten die Monotonie eines rund 175 Meter langen, gleichförmigen Geländers vermeiden. Gleichzeitig sollte das Netz eine hohe Transparenz ermöglichen. Gerade Kinder oder Menschen im Rollstuhl sollten nicht auf eine geschlossene Brüstung blicken, sondern ebenfalls Aussicht auf Landschaft und Stadt haben.
Die Handläufe sollten aus Edelstahl bestehen. An ihrer Unterseite war eine zurückhaltende LED-Beleuchtung vorgesehen. Sie sollte die Brücke nachts gleichmäßig und blendfrei ausleuchten, ohne das Bauwerk durch eine auffällige Inszenierung in den Vordergrund zu rücken.
Auch hier zeigt sich das Grundprinzip des Entwurfs: Die Brücke soll erkennbar und gestalterisch eigenständig sein, zugleich aber nicht lauter auftreten als ihre Umgebung.

Ein heller, zurückhaltender Brückenkörper
Für die Beschichtung des Brückenkörpers schlugen die Planer ein helles Silbergrau vor. Die Farbe sollte die Töne der Umgebung aufnehmen und zugleich eine Verbindung zur neuen Konstruktion herstellen. Ein heller Brückenkörper reflektiert Licht und verändert seine Wirkung je nach Wetter und Tageszeit. Vor dem Grün der Neckarlandschaft tritt er anders hervor als vor dem Himmel oder den Gebäuden der historischen Innenstadt.
Die Gehfläche war in einem gedeckten rötlichen Farbton dargestellt. Dadurch sollte sich der eigentliche Weg vom silbergrauen Tragwerk abheben. In den Visualisierungen entsteht so ein warmer, deutlich lesbarer Fuß- und Radweg, der sich über das Tal zieht.
Ob Farben und Materialien am Ende exakt so umgesetzt werden, ist von den weiteren Planungs- und Ausführungsschritten abhängig. Der Wettbewerb zeigt aber, wie detailliert sich das Entwurfsteam mit der Wahrnehmung der Brücke beschäftigt hat – von der Fernwirkung bis zum Blick auf den Bodenbelag und das Geländer.
Eine Konstruktion für Fußgänger und Radfahrer
Die Brücke war von Anfang an als gemeinsame Verbindung für Fußgänger und Radfahrer geplant. Die unterschiedliche Breite der einzelnen Abschnitte sollte es ermöglichen, beide Nutzungsarten miteinander zu vereinbaren.
In den schmaleren Bereichen soll ausreichend Platz für den Begegnungsverkehr bleiben. Die Aufweitungen schaffen zusätzliche Flächen, sodass Menschen dort stehen bleiben können, ohne den Verkehrsfluss vollständig zu blockieren. Die Planer verzichteten bewusst darauf, den Weg durchgehend in getrennte Bereiche für Fußgänger und Radfahrer aufzuteilen. Stattdessen sollte die Breite flexibel genutzt werden können. Das funktioniert allerdings nur, wenn alle Nutzer Rücksicht aufeinander nehmen. Eine Brücke, die ausdrücklich zum Flanieren und Verweilen gedacht ist, unterscheidet sich in ihrer Nutzung von einer reinen Radverkehrsverbindung. Schnell fahrende Radler, Spaziergänger, Familien mit Kindern und Menschen, die an den Aussichtspunkten stehen bleiben, werden denselben Raum teilen.
Die Architektur kann dafür Flächen anbieten und Konflikte durch Aufweitungen vermindern. Vollständig lösen kann sie solche Nutzungskonflikte nicht. Wie gut das Zusammenspiel funktioniert, wird deshalb auch von der späteren Wegeführung, Beschilderung und tatsächlichen Nutzung abhängen.
Dauerhaftigkeit und Wartung als Teil des Entwurfs
Ein erheblicher Teil der Wettbewerbsunterlagen widmet sich Fragen, die Besucher später kaum wahrnehmen werden: Korrosionsschutz, Lager, Gründungen, Entwässerung, Schwingungsverhalten, Montage und Unterhalt.
Der Brückenkörper sollte als dicht geschweißte Stahlkonstruktion ausgeführt werden. Die Planer versprachen sich davon eine lange Lebensdauer und vergleichsweise geringe Unterhaltungskosten. Auch die Zahl wartungsintensiver Bauteile sollte möglichst niedrig gehalten werden. Die Konstruktion sollte weitgehend lagerlos ausgeführt werden. Bewegliche Lager und Übergänge gehören bei Brücken zu den Bauteilen, die regelmäßig kontrolliert und gewartet werden müssen. Der Entwurf versuchte deshalb, solche Elemente auf die technisch notwendigen Stellen zu begrenzen.
Die Oberseite sollte eine Betonplatte erhalten. Sie sollte die Stahlkonstruktion schützen und zugleich die Grundlage für die Geh- und Radwegfläche bilden. Auch das Schwingungsverhalten wurde untersucht. Bei langen, schlanken Fußgängerbrücken können Schritte oder gleichmäßige Bewegungen größere Schwingungen auslösen. Die Planer gingen davon aus, dass die ausgesteiften Stützen und der geschlossene Querschnitt eine ausreichende Steifigkeit gewährleisten. Zusätzliche Schwingungstilger seien nach ihrer Berechnung voraussichtlich nicht erforderlich.
Solche Aussagen stammen aus dem Wettbewerbsentwurf und ersetzen nicht die spätere Ausführungsplanung. Sie zeigen aber, dass die leichte Erscheinung der Brücke nicht durch eine technisch fragile Konstruktion erkauft werden sollte.
Vorgefertigt und abschnittsweise montiert
Auch die Montage war Bestandteil des Entwurfskonzepts. Die Brücke sollte aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt werden. In den Unterlagen ist von 18 Elementen die Rede, die angeliefert und vor Ort miteinander verbunden werden könnten. Für den Bereich der Bahngleise wurde eine Anlieferung über die Schiene zumindest als Möglichkeit dargestellt. Die einzelnen Brückenteile sollten mit Kränen eingehoben, verschraubt oder verschweißt werden.
Das ist an diesem Standort von besonderer Bedeutung. Die Baustelle liegt zwischen historischer Innenstadt, Bahnstrecke, Neckar und dem künftigen Gartenschaugelände. Große Bauteile lassen sich dort nicht beliebig lagern und bewegen. Bauablauf und Logistik müssen deshalb früh mitgedacht werden.
Die Planer argumentierten zudem, dass die Vorfertigung in Stahl die Montagezeit vor Ort verkürzen könne. Das könne sowohl den Baustellenverkehr als auch Belastungen für die Umgebung reduzieren.
Nachhaltigkeit aus Sicht der Planer
In ihrer Nachhaltigkeitsbetrachtung hoben die Architekten vor allem die Eigenschaften von Stahl hervor. Das Material sei tragfähig, präzise vorzufertigen und vollständig wiederverwertbar. Durch die Vorfertigung könne die eigentliche Montage auf der Baustelle beschleunigt werden.
Außerdem verwiesen die Planer auf die lange Lebensdauer von Stahlkonstruktionen bei angemessener Wartung. Als Beispiele nannten sie historische Bahnhofs- und Turmkonstruktionen, die seit vielen Jahrzehnten genutzt werden. Solche Aussagen gehören zur Begründung des Wettbewerbsbeitrags und sind zunächst die Bewertung der Entwurfsverfasser. Die tatsächliche ökologische Bilanz eines Bauwerks hängt von zahlreichen Faktoren ab: Materialmengen, Herstellung, Transport, Gründung, Bauverfahren, Wartung und späterer Nutzung.
Für die ursprüngliche Entwurfsidee ist dennoch entscheidend, dass die Architekten Nachhaltigkeit nicht nur über Begrünung oder Gestaltung definierten. Sie verbanden den Begriff mit Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Vorfertigung und Wiederverwertung.

Die Brücke als Teil einer Inszenierung des Ortes
Die Wettbewerbspläne zeigen die Brücke immer wieder im Kontext ihrer Umgebung. In der Gesamtansicht zieht sie sich von der Stadtseite über die Gleise und den Neckar bis in die Landschaft. Andere Darstellungen zeigen den Blick von den Neckarwiesen hinauf zur historischen Innenstadt. Das Bauwerk ist dabei ein Mittel, um diese Perspektiven überhaupt erst zu eröffnen. Wer heute vom Stadtkern zum Neckar gelangen will, erlebt den Übergang nicht als direkte, zusammenhängende Bewegung. Die neue Brücke soll daraus künftig eine deutlich lesbare Wegesequenz machen.
Von der Stadt führt der Weg hinaus über die Bahnanlagen. Danach öffnet sich der Blick in das Neckartal. Die Brücke überquert den Fluss und erreicht auf der anderen Seite die neu gestaltete Landschaft.
Darin liegt die eigentliche städtebauliche Bedeutung des Projekts. Die Brücke soll nicht nur zwei Punkte verbinden. Sie soll das Verhältnis der Stadt zum Neckar verändern. Ein Landschaftsraum, der aus der historischen Innenstadt zwar sichtbar, aber nicht unmittelbar erreichbar ist, soll Teil des alltäglichen Stadterlebnisses werden.
Ob die Menschen diese Verbindung später tatsächlich so annehmen, hängt nicht allein von der Architektur ab. Entscheidend werden auch die Gestaltung der Anschlüsse, die Qualität der Neckarwiesen, die Orientierung im Wegenetz und die Nutzung nach der Landesgartenschau sein. Der Entwurf formuliert dafür jedoch einen klaren Anspruch: Die Brücke soll den Neckar nicht nur erreichbar machen, sondern die Bewegung zwischen Stadt und Landschaft zu einem eigenen Erlebnis werden lassen.
Ein Bauwerk mit einer ursprünglich funktionalen Identität
Aus den Wettbewerbsunterlagen lässt sich schließlich auch ablesen, wie die Brücke ursprünglich begriffen und bezeichnet wurde. Sie war die Brücke der Landesgartenschau – nicht lediglich, weil sie rechtzeitig zur Schau fertig werden sollte, sondern weil sie eine zentrale Aufgabe innerhalb des gesamten Projekts erfüllt.
Sie führt von der historischen Innenstadt in das Ausstellungsgelände. Sie erschließt die Neckarwiesen. Sie schafft neue Blickbeziehungen und soll später Teil des dauerhaften Fuß- und Radwegenetzes werden. Die Bezeichnung „Gartenschaubrücke“ oder „Landesgartenschau-Brücke“ fasste diese Funktion zusammen. Sie beschrieb, was das Bauwerk ist, warum es gebaut wird und wohin es führt.
Inzwischen hat die Landesgartenschaugesellschaft die offizielle Bezeichnung „BDT-Brücke“ vergeben. Der Name geht auf den Rottweiler Sponsor BDT Media Automation zurück, der die Namenspartnerschaft für zunächst zehn Jahre übernimmt.
Damit hat sich die öffentliche Erzählung des Bauwerks verschoben. Im Wettbewerbsentwurf entstand seine Identität vollständig aus dem Ort: aus Neckar, Landschaft, Bahntrasse, historischem Stadtkern und der Verbindung zwischen ihnen. Der neue Name verweist dagegen auf den Finanzierungspartner der Landesgartenschau.
Das ändert nichts an der Architektur. Die Brücke bleibt dieselbe Verbindung, unabhängig davon, welcher Name an ihr angebracht wird. Für ihre öffentliche Wahrnehmung ist die Benennung dennoch nicht bedeutungslos. Ein Name beeinflusst, wie ein Bauwerk beschrieben, ausgeschildert und erinnert wird. Die Architekten selbst haben diese spätere Frage nicht entschieden. Ihre Unterlagen zeigen jedoch, was sie mit dem Bauwerk ausdrücken wollten: keine Werbefläche und kein isoliertes Prestigeobjekt, sondern eine zurückhaltende, dauerhaft nutzbare Verbindung zwischen Rottweil und dem Neckar.
Ihr Leitbild steht bereits auf der ersten Seite des Entwurfs. Es lautet nicht „Brücke zum schnellen Überqueren“, sondern: „Eine Brücke zum Flanieren und Verweilen.“
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