Improabend und Geschichten aus der Psychotherapie im Zimmertheater

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Von rchts: Clown Raphael Bantle, dem Cellisten Benjamin Coyte und dem Regisseur Peter Staatsmann. Foto: Zimmertheater

Im Zimmertheater Rottweil gibt es zwei besondere Veranstaltungen. Gezeigt wird der ersten Abend der neue Reihe „Mit Liebe – ohne Plan“ – ein besonderes Improtheater. Am Freitag, 30. Januar ab 20 Uhr kann man dieses ungewöhnliche Experiment zum ersten Mal erleben.

In einem Improvisationsabend treffen auf der Bühne aufeinander: ein Musiker, ein Clown und ein Regisseur und Autor, alle geschult im Improvisieren in ihrem Metier. Sie haben sich auf ein Thema verständigt: „Jetzt glaub ich mir noch meine eigne Story. Geschichten erzählen um zu (über)leben“ und sie versuchen in einem spielerischen Prozess vor und mit dem Publikum sich zu begegnen, sich zu unterstützen, zu irritieren, zu verstärken, zu stören – mit offenem Ausgang.

Eindeutige Geschichten sind allgegenwärtig. Sie machen uns zufrieden, sogar auf der neurologischen und biologischen Ebene werden sie wirksam. Impro dagegen macht die Türen in viele Richtungen auf und widerlegt mit seiner Lebendigkeit die Eindeutigkeit der reduktiven Narrative – so wie es uns das Theater immer zeigt! Improvisieren kann man nur, wenn man aufmerksam ist, empfindet, kommuniziert mit den anderen, egal, wo die sich befinden. Wenn wir erstarren und fest werden, dann verlieren wir viele unserer Fähigkeiten, die für das Lebendigsein unverzichtbar sind.

Mit dem Clown Raphael Bantle, dem Cellisten Benjamin Coyte und dem Regisseur Peter Staatsmann.

„So ein Theater“

Der zweite besondere Theaterabend wird von dem in Rottweil lebenden Psychotherapeuten und Leiter des Milton Erickson Instituts Bernhard Trenkle bestritten. Unter dem Titel „So ein Theater“ ist am Samstag, 7. Februar um 20 Uhr ein unterhaltsamer Abend mit vielen Geschichten und Beispielen von großer Theatralik in Therapie und Beratung zu erwarten.

Der Pionier moderner Hypnosetherapie Milton Erickson ist auch der Pionier sogenannter lösungs- und ressourcenorientierter Therapie. Er war der Meinung, alles, was ein guter Patient kann, um ein guter Patient zu sein, sollte auch ein guter Therapeut oder Berater können, um ein guter Therapeut zu sein. Das heißt, wenn ein Patient oder Klient gut im Theaterspielen ist, sollte das sein Therapeut auch sein. Erickson hat oft verblüffend theatralisch gearbeitet, was Aussagen untermauern wie: „Sigmund Freud war der Einstein der Theorie und Erickson der Einstein der Praxis“. Er wollte Probleme lösen und nicht nur darüber reden.

Ein Beispiel: Ein Patient in der Psychiatrie hält sich für Jesus und hüllt sich in weiße Betttücher. Alle auf der Station sind genervt. Erickson als Arzt spricht den Mann an: „Ich habe gehört, Sie haben eine gewisse Erfahrung als Zimmermann. Gut, wenn man Sohn von Joseph sein will, sollte man schon etwas Erfahrung als Zimmermann haben.“ Der Patient bejaht und Erickson sagt: „Wir brauchen gerade ein neues Regal im Büro.“ Der Patient muss dann dieses Regal bauen. Er darf Jesus sein, aber er macht was Praktisches und Konstruktives. Das war der Einstieg, ihn wieder mehr und mehr ins normale Leben außerhalb seines Jesus-Wahns zurückzuführen. Der Patient spielt seine Rolle, aber der Therapeut erweitert das Drehbuch. Bei Trenkle, dem Autor des in mehrere Sprachen übersetzten Bestellers „HaHa-Handbuch der Psychotherapie“ kann man davon ausgehen, dass es viel zu lachen geben wird.

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