Leserbrief: „Dem Oberbürgermeister geht der Poppes auf Grundeis“

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(Meinung). Zu unserer Berichterstattung über die „Corona-Spaziergänge“, die seit fünf Wochen montags in Rottweil stattfinden, hat uns der folgende Leserbrief erreicht.

Ein Gespenst geht um in Rottweil. Es ist das Gespenst der Ignoranz. Karl Marx möge mir dieses freie Zitat verzeihen. Die Teilnehmer der Montagsspaziergänge (nicht nur) in Rottweil fordern „Freiheit und Selbstbestimmung“, allerdings ohne zu erwähnen, dass beide in vorliegendem Fall auf Kosten anderer gehen. Die Weigerung, Masken zu tragen, Sicherheitsabstände einzuhalten und sich impfen zu lassen, geht auf Kosten derer, die sich durch diese Ignoranz anstecken, an COVID-19 erkranken, langfristig mit Long COVID beinahe lebensunfähig werden oder gar sterben. Diese Tatsache lassen die meisten der Impfgegner gerne weg; blenden sie entweder aus, verdrängen sie oder unterschlagen sie schlicht völlig bewusst.

Es gibt jedoch noch eine zweite Tatsache, die mindestens ebenso verwerflich ist: Es scheint so, als leisten der Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung und das Ordnungsamt hierzu aktive Beihilfe. Oder wie sonst könnte man erklären, dass fünf junge Leute, die man bei einer Geburtstagsfeier außerhalb ihres Autos auf dem Berner Feld „aufgegriffen“ hat und die jetzt, nach Angaben der Polizei selbst, mit Anzeigen und Strafbefehlen von 250 Euro pro Person rechnen müssen, während man an vergangenem Montag 1000 Personen sich hat versammeln lassen und dies OHNE jegliche Konsequenzen?

Die Polizei behauptet in Ihrer Presseerklärung, dass „die Abstände eingehalten wurden“. Dabei muss man sich zum Beispiel auf Facebook nur ein Mal die Fotos der Presse anschauen, um klar feststellen zu können, dass hier so gut wie niemand die Abstände eingehalten hat oder Masken trug. Wie kann ein Rottweiler Bürger die Polizei oder das Ordnungsamt hier bitte noch ernst nehmen?

Zu allerletzt behauptet ja der Rottweiler Oberbürgermeister dauernd, dass man die „Spaziergänger“ unbehelligt laufen lasse, weil das Versammlungsrecht ein sehr hohes Gut sei. Aha. Anscheinend sind wir nun entweder endlich in den libertären USA angekommen, wo das „Recht auf Freiheit“ das Recht auf Gesundheit und das Leben an sich längst überholt hat oder, und dieser Meinung bin zumindest ich, der Grund hierfür ist, dass das nur vorgeschoben ist, weil dem Oberbürgermeister der Poppes auf Grundeis geht, weil der Schultes und die Stadtverwaltung Angst haben, dass die Lage eskaliert.

In welcher Weise auch immer. Aber so funktioniert das nicht. Würden Ignorieren und Apeasement-Politik irgendetwas Sinnvolles bewirken, dann hätte
Deutschland eine andere Geschichte. So viel ist sicher.

Tobias Raff, Rottweil

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5 Kommentare

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Frank
2 Jahre her

Lieber Herr Raff,

die Polizei bzw. die untere Polizeibehörde muss von Gesetz wegen Versammlungen schützen. So gesehen handelt es sich um Beihilfe, wie Sie schreiben. Es ist einzig an der Polizei die Versammlung bei schwerwiegenden Verstößen aufzulösen. Dazu zählen aber keine Ordnungswidrigkeiten, sondern Straftaten. Sonst wäre es auch z.B. möglich wegen dem Wegwerfen einer Kippe oder eines Kaugummis oder der Ansammlung von Müll (Unzulässige Abfallentsorgung) Versammlungen aufzulösen.
Und zum Thema Ansteckung: Laut verschiedenen Aerosolforschern und deren Studien ist eine Ansteckung im Freien höchst unwahrscheinlich und ein vielfaches geringer als in einem geschlossenen Raum. Durch die Bewegung und da die Gesichter der Personen im Umfeld in die selbe Richtung gedreht sind, wird die Gefahr noch weiter minimiert. Die Gefahr beim Einkaufen, in einem Gasthaus oder in sonstigen Innenräumen ist aber gegeben. Da Sie sich, wie auch andere Geimpfte und Ungeimpfte anstecken und erkranken können, ist wohl eher ein Treffen mit 10 Personen in einem Innenraum, welches erlaubt ist, weitaus gefährlicher.
Falls es je einen Impfstoff geben sollte, der eine sterile Immunität erzeugt, kann man von einem Impfschutz sprechen und mit diesem auch Corona-Viren bekämpfen, um diese eventuell nahe einer Ausrottung zu bringen. Aber solange sich jeder anstecken kann, wird die nächst Mutation kommen und man muss hoffen, dass es milder und nicht gefährlicher wird. Es gab und gibt keinen wirklich funktionierenden Impfstoff gegen schnell mutierende Erkältungsviren. Ausnahme Grippe: Bei der Grippe ist es ein Ratespiel, da man den kommenden Erreger anhand von verschiedenen Modellen erraten muss. Dies geht auch manchmal daneben, dann hilft die Impfung leider nicht. Das Erkrankungsrisiko bleibt aber auch durch die Schutzimpfung gegen das Influenza-Virus genau gleich. Dann gibt es halt Platz für andere Erkältungsviren auf der Nasenschleimhaut und diese verursachen dann eine „unechte“ Grippe, einen grippalen Infekt.

Freundlicher Gruß

Frank

Rottweiler
2 Jahre her

Würde die Impfung funktionieren müsste Herr Raff sich nicht sorgen dass er sich anstecken könnte. Bei einer funktionierenden Impfung ist der Impfstatus des Anderen egal, weil man ja selbst durch die Impfung geschützt wäre.

Das Argument kann nicht sein „Meine Impfung funktioniert nicht, weil du deine nicht genommen hast“

Vielleicht auch mal kurz in Erwägung ziehen, dass der Impfstoff minderwertig sein könnte, da die Wirkung nur wenige Wochen anhält und man sich auch nicht vor Infektionen damit schützt. Nun, diese Demonstratent demonstrieren gegen eine Pflicht sich mit eben jenem minderwertigen Stoff injezieren lassen zu müssen zumal auch eine 100% Impfquote mit diesem Stoff die Pandemie nicht beenden würde. Siehe Gibraltar, HMS Elisabeth usw.

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