Sonntag, 14. April 2024

Leserbrief: „Ich trage keinen Aluhut“

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

(Meinung). Ich trage eine wilde Haarmähne, weil ich seit Monaten nicht mehr zu meinen geliebten Friseurinnen darf, ich trage ein paar Kilo mehr, weil ich seit Monaten nicht mehr in mein Fitnessstudio darf, ich trage Pizzaschachteln und anderes Take Out nach Hause, weil ich seit Monaten nicht mehr in die Lokale darf, ich trage meine Klamotten auf, weil ich nicht mehr in die Rottweiler Läden darf und ich mache das bislang alles ohne größeres Murren und Meckern, denn ich habe mich ganz bewusst und aus triftigen Gründen gegen die Covid-19-Impfung entschieden und ich beuge mich daher den Maßnahmen.  

Seit zwei Jahren verhalte ich mich konform, beachte Regeln und Bestimmungen, auch wenn sie teilweise unsinnig sind, aber ich zeige mich solidarisch und vorsichtig, so wie ich es von  meinem guten Elternhaus gelernt habe. Ich trage keinen Aluhut – und ich finde auch nicht, dass Corona ein Spaziergang ist!

Was passiert gerade in unserer Stadt? Warum sehe ich mich in eine Ecke gedrängt und warum werde ich plötzlich einer Gruppierung zugeordnet? Weshalb sollte ein Spaziergänger, eine Spaziergängerin nicht der Coronatoten gedenken wollen, was hat die Fasnet damit zu tun, mit der ich als geborene Rottweilerin seit Jahren verbunden bin, weshalb kann ich nicht solidarisch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflegeberufe sein, die sich nicht impfen lassen wollen? Weshalb kann ich nicht Verständnis zeigen für Familien, die sich entscheiden, ihre Kinder nicht impfen lassen zu wollen? Wie sind wir in diese Situation geraten?

Weshalb ruft die Stadt seit wenigen Tagen zu dieser Unterschriftenaktion auf? Weshalb noch mehr Spaltung, noch mehr Positionierung und Trennung?

Ich bin nicht prinzipiell GEGEN etwas, ich bin FÜR etwas. Ich bin für den freien Impfentscheid, ich bin dafür, dass Menschen friedlich spazieren gehen dürfen, ich bin für Solidarität, für gesellschaftlichen Frieden und für Vernunft. Ich bin für den Zusammenhalt der Bürger und Bürgerinnen der Stadt Rottweil, solidarisch – friedlich – vernünftig!

Ich trage keinen Aluhut und möchte ihn mir von niemandem aufsetzen lassen.

Ulrike Reimann

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NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne. Die Redaktion erreichen Sie unter [email protected] beziehungsweise [email protected]

17 Kommentare

  1. Was sagen sie denn sie denn jetzt…nach den letzten Ereignissen am Montag in Rottweil? DAS würde mich mal interessieren!
    Heute ist der 27.01…. Kennen sie das Datum??
    Und die braunen Zecken versuchen immer noch Leute wie sie für ihre Ziele zu instrumentalisieren!
    Die freuen sich über solche Leserbriefe!

    • boah, was bist du für ein übler Hetzer. Muss mich zurückhalte, sonst wird dieser Kommentar nicht veröffentlicht. unterste Lade, pfui

          • @quicksilver: nein, eher nicht. ich versteh nur nicht, warum ich ein Hetzer bin. Ich hab eher das Gefühl, das du nicht verstanden hast, was ich sagen wollte. Aber bei Bedarf kann ich dir das gern erklären, mein Freund! Und offensichtlich hast du dich ja ziemlich im Ton vergriffen, sonst wäre nicht gelöscht worden!

  2. Das ist eine erfreuliche Meinung, wenn auch nicht meine, denn sie ist einfach aus dem Herzen gesprochen, ohne Zahlen und vermeintliche Fakten. Mehr Menschen von ihrem Schlag würde bestimmt zu weniger Spaltung und mehr Dialog führen, was wir dringend bräuchten. Leider verhärten sich die Fronten aber zusehends.

  3. Thema: „Ich trage keinen Aluhut“

    Liebe Frau Reimann,

    sie sehen sich also in eine Ecke gedrängt, weil Sie sich nicht impfen lassen möchten. Soso….sie verhalten sich seit 2,5 Jahren Coronaconform. Wow.
    Hier möchte ich einfach kurz anmerken, dass ich geboostert bin und ich mich ebenso wie sie coronaconform verhalte. Was soviel heißt wie, ich meide Kontakte, gehe in kein Lokal etc….und auch ich fühle mich in eine Ecke gedrängt, jedoch von Menschen, die sich auf einen „Spaziergang“ verabreden und deklarieren „wir sind das Volk“.
    Da muss ich mich einfach fragen welches Recht sie sich herausnehmen, für alle zu sprechen? Und coronaconform sind ihre tollen Treffen ja absolut gar nicht. Ich sage nur ein Stichwort: Maske. Oh, noch eins: Abstand. Und ja, noch eins: Verantwortung für andere Menschen, denn übrigens beinhaltet das Wort „Freiheit“ automatisch, dass man nicht nur sein eigenes Ego nach außen trägt sonder Verantwortung übernommen wird für andere um einen herum. Das scheinen momentan alle zu vergessen.
    Egoismus scheint momentan das Einzige zu sein, das wichtig erscheint.
    Ich habe es zwischenzeitlich aufgegeben, darüber zu sprechen, wie ich mich fühle wenn ich lese, wie furchtbar doch ihr Leben gerade ist. Nochmals am Schluss die Info: mein Leben läuft genauso wie ihres. Den ln ich kann mich etwas zurücknehmen und muss nicht mein eigenes Ego befriedigen.

    • Hallo Frau Müller,

      ich persönlich finde es in Ordnung, dass Sie geimpft sind, kein Problem. Auch das Sie Kontakte reduzieren, alles super. Doch der Unterschied liegt darin, dass Sie in der Lage sind, Schuhe zu kaufen, wenn Ihre kaputt sind, sich die Haare schneiden zu lassen, falls Sie das möchten usw. Das ist der große Unterschied, auch in der psychischen Belastung, einfach zu wissen, wenn ich will, darf und kann ich das. Klar haben sich Menschen gegen eine Impfung entschieden, doch diese derartigem Druck aus zusetzten ist unwürdig.

    • Guten Tag Frau Müller, es tut mir sehr leid, dass Sie so zornig auf meinen Brief reagieren.
      Ich werde mich für den Inhalt nicht rechtfertigen, möchte aber klar zum Ausdruck bringen, dass ich „mir nicht das Recht rausnehme, für alle zu sprechen“ und „ich deklariere auch nicht, wir sind das Volk“.
      Ich möchte Sie höflich bitten, meine Worte nicht zu verbiegen und sachlich zu bleiben.
      Herzlichen Dank dafür – U. Reimann

    • Liebe Frau Müller, wo hat Frau Reimann denn geschrieben, dass ihr Leben schrecklich ist? Sie erzählt, wie es ihr gerade ergeht, was sie für Werte hat und wie sie es gerne in Zukunft hätte. Dass die Spaziergänger behaupten sie und niemand außer sie seien das Volk, habe ich so auch nie verstanden. Eher, sie sind auch Teil des Volkes.

      Ich denke ein großes Problem ist, dass wir einander nicht mehr zuhören. Wir haben unser (meist durch die Medien geprägtes) Bild eines bestimmten Personenkreises und hören/lesen Dinge, die wir erwarten aber so nie gesagt/geschrieben worden sind.

      Es wäre so herrlich einfach: geimpter Mensch = solidarischer, guter Mensch. Ungeimpfter Mensch = egoistischer, schlechter Mensch.

      Was aber machen Sie mit einem Ungeimpften, stets für die Mitmenschen ehrenamtlich tätigen Menschen, der seine Infektion in Selbstisolation auskuriert hat ohne jemanden anzustecken, ohne einen Arzt oder gar ein Krankenhausbett benötigt zu haben und sich trotz Genesenenstatus mehrfach die Woche testet um seine Mitmenschen wie davor bestmöglich zu schützen? 

      Und was machen Sie mit einem geimpften Menschen, der sich mit viel „Vitamin B“ im U50 Alter hat impfen lassen bevor überhaupt alle Ü70 ein Impfangebot erhalten hatten. Derjenige fährt vielleicht konsequent seit 2 Jahren in Urlaub, ist gebooster, weil „wer hat schon Bock auf die ständige Testerei“ und derjenige geht mit einer Erkältung auch besser nicht zum Test, weil Quarantäne durch Omikron hat ja keiner Lust zu!

      Ich würde sagen, da ist die Zuordnung solidarisch, unsolidarisch, gut oder böse schon nicht mehr so einfach oder?

      Wir sind alles Menschen mit Stärken und Schwächen. Dieses Schwarz-Weiß-Denken hilft niemandem. Wenn wir uns wieder mehr bemühen, den Menschen hinter seinem (fehlenden)Impfstatus zu sehen, dann werden wir einander wieder mehr wertschätzen können.

      Vielleicht ist der Austausch über Leserbriefe, in denen jeder seine Wahrnehmung schildern darf, ein Anfang. Ich bin Uli Reimann jedenfalls sehr dankbar für ihren gelungenen Leserbrief und hoffe es werden noch ein paar weitere, konstruktive folgen. Es liegt an uns allen, wie die Situation für unsere Gesellschaft endet und da hilft auch keine Spritze! Wir müssen uns alle irgendwann wieder in die Augen schauen können.

  4. Genauso geht es vielen Menschen. Es ist offensichtlich, dass Ihre triftigen Gründe gegen die Impfung nicht akzeptiert werden. Eine freie Impfentscheidung ist nicht gewollt, auch nicht in der Aktion der Stadt. Was wir alles versprochen bekamen, wenn wir uns noch jeden weiteren Lockdowns erbarmen und die Maßnahmen mitmachen. Natürlich haben wir die Kontakte beschränkt, natürlich geht man mit Maske einkaufen usw. doch am Ende läuft es seit fast 2 Jahren immer weiter. Es ist einfach für viele Menschen nicht mehr ertragbar.
    Die neue Solidarität bedeutet doch, das Geimpfte solidarisch sind und Ungeimpfte unsolidarisch. Das aber die Ungeimpften wesentlich weniger Kontakte haben und hatten, sich an die Maßnahmen halten und gehalten haben, was ja von allen, egal welcher Imnpfstatus sie haben, gefordert wird, wird vollkommen ausgeblendet. Das sie dadurch viel weniger zur Verbreitung beitragen ist unbestritten. Die Solidarischen dürfen nun wieder zum Essen, ins Schwimmbad, ins Fitness-Studie, zum Vereinssport, ins Kino und vieles mehr und zum Teil ungetestet. Es ist doch ganz offensichtlich, dass es nicht um die Gesundheit geht, denn sonst müssten alle getestet und Kontakte auf ein Minimum reduziert sein. Aber um es mit den Worten einer Geimpften Freundin zu sagen: „ich bin geimpft und lasse mich nicht mehr einsperren und ich treffe mich mit so vielen Leuten wie ich will. Wenn es die vierte Impfung gibt, hole ich mir die sofort, nicht das ich wieder Einschränkungen habe.“ Um die Gesundheit geht es Ihr überhaupt nicht, aber sie sagt, dass die Spaziergänger mit schuld an der Lage sind…

    • Na so einfach ist ja dann doch nicht. Als ob sich jeder Ungeimpfte automatisch an die Auflagen hält. Da mache ich aber genau die gegenteilige Erfahrung. Da wird auf jede Regel gepfiffen. Ist ja eh alles Folter und Quatsch.
      Natürlich denken viele Geimpfte durch Ihren Impfstatus sind Abstand und Maske nicht mehr nötig. Aber da unterliegen eben beide Gruppierungen einem Denkfehler.
      Ich bin pro Impfen. Trotzdem will ich nicht Impfen mit Zwang. Was mir sauer aufstößt sind alle jene, die ihr rechtes Gedankengut verbreiten, die Covid instrumentalisieren um Diktatur zu plärren, die Sofie Scholls und Anne Franks Andenken in den Dreck ziehen. Die Nordkorea- Brüller. Wegen dieser Menschen gehe ich zur Menschenkette. Denn diese Gruppierungen sorgen für den Untergang der Demokratie. Mit Nazis maschiert man nicht. Niemals!

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