Drei Monate war Josef Rack, ehemaliger Rektor der Aichhalder Schule, in Kenia. Dort, in Ukunda nahe Mombasa, gab er für junge einheimische Auszubildende einen Sprachkurs für Deutsch. Inzwischen ist Rack wieder zurück, der Kurs ist beendet (wir berichteten). Was in einem so fremden Land passieren kann: Josef Rack hat einiges der NRWZ geschildert.
Ukunda/Rottweil – Endlich stand die Prüfung für die acht Auszubildenden an. Nach Wochen Unterricht und Lernen, und das neben der Ausbildung her. Die G.I.V.T. GmbH (German Institute for Vocational Training), die das Projekt finanziert und organisiert, hatte vorgegeben: Die Prüfung wird beim Goethe-Institut abgelegt. Das hat eine Niederlassung in Kenias Hauptstadt Nairobi. 500 Kilometer oder neun Autostunden von Ukunda entfernt.
Erstes Hindernis: Anmeldung. „Da braucht man einen Slot, um sich anzumelden“, berichtet Rack. Er ist durchaus fit online. Aber da war der Internet-Wurm drin. Irgendwann – nachdem Hotelbesitzer Sven Kampa drei Büroräume mit den PCs und Personal bereitgestellt hatte – hat es dann mit der Anmeldung auch geklappt.
„Lunch money“
Wichtige Voraussetzung für die Prüfung: Die Prüflinge müssen auch nachweisen, wer sie sind. Sie brauchen also einen Ausweis. Den kriegt man natürlich in Kenia. Aber, so berichtet Rack: Sie bekommen den Ausweis als „push“ aufs Handy, den Ausweis selber erst ein halbes Jahr später. Wer ihn schneller haben will, muss „Lunch money“ zahlen, wie das Trinkgeld dort heißt. Das würde die Azubis überfordern, bei umgerechnet 40 Euro Vergütung im Monat. Das ärgerte auch Sven Kampa, eine der Triebfedern dieses Projekts. „ Lunch money lehnen wir ab.“ Sonst aber oft: „Wenn du was brauchst in Kenia, musst du Lunch money bringen“, hat Rack häufig beobachtet. Zur Prüfung jedenfalls waren alle zumindest mit Pass versorgt.

Die Prüfung selbst erwies sich dann als Alptraum. Angesetzt war sie auf 13.30 Uhr. Begonnen hat sie um 16.30 Uhr. Ein Saal mit 150 Leuten, die Akustik war zumindest mangelhaft, so berichtet Rack. Das Ergebnis kam acht Wochen später: Alle seine Schützlinge waren, in Teilen wenn auch ganz knapp, durchgefallen. Die besten Teilergebnisse hatten sie im Testteil Sprechen. „Das hat meine Frau Marianne auch in den letzten vier Wochen intensiv trainiert“, erklärt Rack.
Auf ihren Einspruch gegen die Durchführung und Wertung erhielten die schwer enttäuschten Prüflinge keine Antwort vom Goethe-Institut. Für Rack nicht verwunderlich, denn die Goethe-Geschäftsleitung zeigt seiner Beobachtung nach kein service- oder kundenorientiertes Denken.
Mangelnde Pünktlichkeit
Das A2-Zertifikat für Deutschkenntnisse und der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung, das brauchen die jungen Menschen, um sich ihren Traum zu erfüllen: Eine Arbeitsstelle in Deutschland. Und das in der Gastronomie, wo immer noch Personal fehlt.
Gleich in der Nähe des Hotels in Ukunda ist eine Schule, wo Rack den Unterricht erteilte. Eine Privatschule, bestens ausgestattet an Lehrmaterialien und Personal. Mit Whiteboard und stabilem Internet. Die dortigen Schülerinnen und Schüler kommen aus den besten Familien. Abgeholt werden sie nach Schulschluss um 16 Uhr mit dem SUV-Elterntaxi.
Racks Unterricht für die Azubis war dort werktags um 16 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Aber: „Ich konnte so gut wie nie vor 11 Uhr anfangen“, berichtet er. Nur vier bis fünf seien immer pünktlich dagewesen. So hat Rack die Motivation der Schüler und –innen verstärkt, die deutsche Tugend der Pünktlichkeit wenigstens halbwegs anzunehmen. Aber es war oft nicht der eigene Entschluss der jungen Menschen, zu spät zum Unterricht zu kommen: Wenn Not am Mann oder der Frau war, hieß es vom Chef, ihr bleibt erst noch hier und arbeitet.
Spender
Zehn Stunden am Tag arbeiten für umgerechnet 40 Euro im Monat, das war das Einkommen der Azubis. Die Gebühren für die Prüfung beliefen sich auf 140 Euro. Fast ein Ding der Unmöglichkeit, so das ersehnte Zertifikat zu erhalten: So finanzierte G.I.V.T. auch den größten Teil der Prüfungsgebühr. Die Prüflinge mussten nur einen kleinen Eigenbeitrag beisteuern. Unterstützung kam auch von anderen Hotelgästen, mit denen Rack ins Gespräch kam, die einige Euros spendeten. So wurde noch ein Teil des Eigenbeitrags fürs Zertifikat aufgefangen.
Wie ging’s weiter?
Die Schüler waren natürlich frustriert über die misslungene Prüfung unter erschwerten Bedingungen. Rack musste aber einsehen: Sechs Monate Unterricht vor der A2-Prüfung sind schon zu knapp, hier waren es nur viereinhalb gewesen und zusätzlich mangelhafte Prüfungsorganisation. Da Racks Zeit in Kenia nun beendet war, bekamen seine Schützlinge noch einen Monat Trainingsaufgaben per Mail von Deutschland aus gestellt, die sie dann zur Korrektur an Rack zurückschickten. Zusätzlich gab`s noch vier Wochen Prüfungsvorbereitung bei einer einheimischen Lehrerin.
Die Wiederholung der Prüfung fand dann nicht mehr beim Goethe-Institut statt. Sondern, was Rack schon vor der ersten Prüfung gefordert hatte, beim ÖSD, einem eigenständigen, selbsttragenden gemeinnützigen Verein. „Das zeigt sich deutlich am kundenorientierten Verhalten“, so Rack. Die Prüfungsgebühr war sogar noch etwas günstiger als das Zertifikat beim deutschen Goethe-Institut. Aber die Prüfung war in Nairobi, was eine längere Anreise und eine Übernachtung erforderlich machte. Erfreulich: Alle haben bestanden.
Nachdem ihre Ausbildung in Ukunda abgeschlossen ist, können sich die Prüflinge nun entsprechend bewerben. Das hat bei einem der Teilnehmer bereits geklappt. Hassan wird im Mai eine Stelle als Koch im badischen Bühl antreten.
Josef Rack hofft nun, dass weitere seiner Schützlinge im Schwarzwald oder sonst in der Nähe eine Arbeitsstelle finden. „Dann werde ich sie wieder betreuen“, freut er sich schon. Denn: „Ich hatte richtig tolle Schüler“.

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