Am Werner-Guhl-Platz in Rottweil steht jetzt ein architektonisch auffälliges Wohn- und Geschäftshaus. Im Erdgeschoss hat die Bäckerei s’Backkörble eröffnet, darüber sind sechs Mietwohnungen entstanden. Bei der offiziellen Vorstellung des Neubaus berichteten Bauunternehmer Bernhard Merz, Bäckerei-Geschäftsführer Dietmar Keller und Oberbürgermeister Christian Ruf über die Entstehung des Projekts, anfängliche Zweifel und eine überraschend große Nachfrage.
- Eine Bäckerei als Mittelpunkt des Wohngebiets
- Vor zehn Jahren begann die Entwicklung der Spitalhöhe
- Wie Merz den Wettbewerb gewann
- In nur elf Monaten gebaut
- Sechs Wohnungen – alle schnell vermietet
- Investor aus der Region
- Erdwärme und Wärmepumpe: Heizen und Kühlen mit einem System
- Der Weg zum Bäckereibetreiber war nicht einfach
- Alles begann bei einem Sponsorenabend
- „Ich habe mich getäuscht“
- Neunte Filiale – und bald auch italienisches Eis
- Die Terrasse liegt auf städtischem Grund
- Die Stadt investiert rund 310.000 Euro in den Platz
- Ein Haus mit besonderer Bedeutung für Bernhard Merz
- Merz arbeitet an zahlreichen weiteren Wohnbauprojekten
- Ein Treffpunkt für das ganze Quartier
Rottweil. Eine Bäckerei mitten im Wohngebiet? Dietmar Keller war zunächst skeptisch. Zu wenig Durchgangsverkehr, womöglich zu wenige Kunden. Doch inzwischen hat der Geschäftsführer von s’Backkörble seine Meinung geändert. „Aber ich habe mich getäuscht. Es ist hier ganz hohe Frequenz“, sagte er bei der offiziellen Vorstellung der neuen Filiale am Werner-Guhl-Platz auf der Rottweiler Spitalhöhe. Der Betrieb laufe besser als erwartet. Und das, obwohl die Bäckerei erst seit wenigen Tagen geöffnet hat.
Für Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf ist der Neubau weit mehr als ein weiteres Wohnhaus. Er sieht darin einen wichtigen Schritt für die Entwicklung der Spitalhöhe. Ein Quartier, in dem seit Jahren Wohnungen und Häuser entstehen, bekommt nun einen zentralen Treffpunkt. Mit einer Bäckerei, einem Café und einer Terrasse, auf der sich Nachbarn begegnen können.
Rund 2,5 Millionen Euro wurden nach Angaben der Projektbeteiligten in das Gebäude investiert. Entstanden sind sechs hochwertige Mietwohnungen und eine Gewerbefläche im Erdgeschoss. Die Bauzeit betrug lediglich elf bis zwölf Monate. Besonders bemerkenswert sind die Architektur mit ihrer Holzfassade und das aufwendige Energiekonzept.




Eine Bäckerei als Mittelpunkt des Wohngebiets
Dass im Erdgeschoss eine Bäckerei einziehen sollte, war kein Zufall. Die Stadt Rottweil hatte sich diese Nutzung ausdrücklich gewünscht. Sie war ein wesentlicher Bestandteil der städtebaulichen Überlegungen für den Werner-Guhl-Platz. Ruf erinnerte daran, dass es von Anfang an darum gegangen sei, im Erdgeschoss etwas zu schaffen, das über das reine Wohnen hinausgeht. Einen Ort für Dienstleistungen, Begegnungen und das Zusammenkommen der Menschen im Quartier.
„Dass man hier auf der Terrasse sitzt, seinen Kaffee trinkt und ein Stückle Kuchen isst“, beschrieb der Oberbürgermeister seine Vorstellung. Das sei für das gesamte Quartier eine große Bereicherung.
Besonders hob Ruf das Zusammenspiel zwischen dem privaten Neubau und dem öffentlichen Platz hervor. Beide Projekte seien in enger Abstimmung miteinander entwickelt worden. So sei eine attraktive Situation entstanden, die bei gutem Wetter eine hohe Aufenthaltsqualität biete. Auch die Parkplätze unmittelbar vor dem Gebäude seien wichtig. Das höre er bei solchen Projekten immer wieder: Parkmöglichkeiten direkt vor der Tür gehörten zu den am häufigsten nachgefragten Standortfaktoren.
Für Ruf ist das Ergebnis gelungen. „Ist toll geworden“, fasste er seinen Eindruck zusammen.



Vor zehn Jahren begann die Entwicklung der Spitalhöhe
Der Oberbürgermeister nutzte die Gelegenheit auch für einen Rückblick auf die Entwicklung des Wohngebiets. 2016 habe die Stadt begonnen, die Grundstücke auf der Spitalhöhe zu vermarkten. Seitdem ist dort ein großes Wohnquartier entstanden, das inzwischen weitgehend bebaut ist. „Jetzt ist nicht mehr viel übrig“, sagte Ruf. Ein weiteres größeres Wohnungsbauprojekt könne möglicherweise noch hinzukommen. Ansonsten nähere sich die Entwicklung des Gebiets ihrem Abschluss.
Dabei verwies er auf die Lage der Spitalhöhe. Die Schulen, die Rottweiler Bäder und weitere Einrichtungen seien gut erreichbar. Mit dem neuen Gebäude und dem Werner-Guhl-Platz werde nun einer der letzten wichtigen Bausteine des Quartiers gesetzt. Das Café solle nicht nur die Bewohner der unmittelbar angrenzenden Häuser ansprechen, sondern Menschen aus dem gesamten Wohngebiet zusammenbringen.
Wie Merz den Wettbewerb gewann
Die Geschichte des Neubaus begann 2023. Damals beteiligte sich das Rottweiler Unternehmen Merz Wohnbau an einem Wettbewerb um zwei Baugrundstücke. „Wir haben beide bekommen“, erinnerte sich Bernhard Merz bei der Vorstellung des Gebäudes. Für das Projekt am Werner-Guhl-Platz arbeitete Merz mit dem Architekten Thomas Nagel aus Teningen zusammen. Die beiden verbindet nach Angaben des Bauunternehmers eine rund 20 bis 25 Jahre dauernde geschäftliche Zusammenarbeit.
Das Grundstück stellte besondere Anforderungen an die Planung. Der Neubau liegt an einer markanten Stelle des Wohngebiets. Wer die Straße hinauffährt, blickt unmittelbar auf das Gebäude. Merz wollte deshalb ein architektonisch anspruchsvolles Haus errichten. Gemeinsam mit Nagel entstand ein Entwurf, der schließlich im Wettbewerb überzeugte. Die Lage habe durchaus auch eine etwas größere Gebäudehöhe ermöglicht, meinte Merz rückblickend. Der geltende Bebauungsplan habe dies allerdings nicht zugelassen. Heute sei er mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Es ist ein unheimlich attraktives Objekt geworden“, sagte der Bauunternehmer. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Holzfassade, die dem Gebäude sein charakteristisches Erscheinungsbild verleiht.
In nur elf Monaten gebaut
Auch die Bauzeit hob Merz hervor. Innerhalb von ungefähr elf bis zwölf Monaten sei das Gebäude entstanden. Möglich wurde das unter anderem durch eine Hybridbauweise, bei der verschiedene Baustoffe miteinander kombiniert werden. Ein erheblicher Teil des Gebäudes besteht aus Holz. Die Firma Fluck Holzbau aus Blumberg-Riedböhringen übernahm die entsprechenden Arbeiten. Vorgefertigte Holzbauelemente ermöglichten einen zügigen Baufortschritt.
Merz berichtete, dass es im Vorfeld zahlreiche Gespräche über diese Bauweise gegeben habe. Letztlich habe sich die Entscheidung bewährt. Das Haus verbindet damit eine moderne Konstruktion mit einem vergleichsweise hohen Vorfertigungsgrad. An der Umsetzung waren zahlreiche regionale Handwerksunternehmen beteiligt.
Sechs Wohnungen – alle schnell vermietet
Über der Bäckerei befinden sich sechs Mietwohnungen. Entstanden ist ein Mix aus Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Die Wohnungen sind über einen Aufzug erreichbar und altersgerecht konzipiert. Sie verfügen über Balkone und eine hochwertige Ausstattung. Nach Angaben von Merz waren sämtliche Wohnungen innerhalb kurzer Zeit vermietet. Dabei spielte auch die geplante Bäckerei eine Rolle. Merz berichtete, dass er bei der Vermarktung anderer Wohnungen im Quartier immer wieder auf das geplante Café angesprochen worden sei. Manche Wohnungen habe man überhaupt erst verkaufen können, weil er versprochen habe, dass es dort später eine Möglichkeit zum Kaffeetrinken geben werde.
„Wir haben manche Wohnungen nur verkauft, weil ich versprochen habe: Es gibt Kaffee hier, wir können hier Kaffee trinken.“ Die Aussage zeigt, welchen Stellenwert solche Angebote inzwischen für die Attraktivität eines Wohngebiets haben können. Nicht allein die Wohnungen entscheiden darüber, wie gerne Menschen an einem Ort leben. Auch die Infrastruktur und die Möglichkeiten, sich außerhalb der eigenen vier Wände aufzuhalten, spielen eine Rolle.
Investor aus der Region
Für das Gebäude fand Merz mit Norbert Schäfer einen Investor, mit dem bereits zuvor geschäftliche Verbindungen bestanden. Schäfer ist im Bereich Heizung und Sanitär tätig. Nach Angaben von Merz war er gemeinsam mit seiner Tochter Theresa in die Entwicklung des Projekts eingebunden. Die Zusammenarbeit sei über viele Jahre gewachsen.
Für Merz war es wichtig, einen Investor zu gewinnen, der die besondere Qualität des Gebäudes mitträgt und bereit ist, entsprechend zu investieren. Der Bauunternehmer sprach von einer glücklichen Fügung, dass man zusammengefunden habe. Das Projekt sei anschließend im Detail gemeinsam weiterentwickelt worden. Auch die Abstimmung mit der Bauleitung habe hervorragend funktioniert.
Erdwärme und Wärmepumpe: Heizen und Kühlen mit einem System
Besonders viel Wert legten die Verantwortlichen auf die energetische Ausstattung des Gebäudes. Es verfügt über Erdwärmebohrungen und eine Wärmepumpe. Damit kann das Haus nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden. „Wir sind ziemlich energetisch unterwegs“, erklärte Merz. Eine solche Ausstattung sei keineswegs bei jedem Neubau selbstverständlich. Die Investitionen in die Technik seien beträchtlich. Dafür verspricht sich der Bauunternehmer langfristige Vorteile.
Die Mieter sollen nach seinen Angaben von außergewöhnlich niedrigen laufenden Kosten profitieren. Die hochwertige Gebäudehülle und die effiziente Heiz- und Kühltechnik sollen dafür sorgen, dass der Energiebedarf gering bleibt. Konkrete Zahlen zu den späteren Nebenkosten liegen allerdings noch nicht vor.
Das Gebäude wurde nach einem besonders anspruchsvollen energetischen Konzept geplant. Dabei spielt auch der KfW-40-Standard eine Rolle. Zudem wurde eine Zertifizierung nach dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) angestrebt. Solche Standards sind nicht nur für den Energieverbrauch interessant, sondern können auch wirtschaftliche Vorteile für Investoren bieten.
Merz verwies in diesem Zusammenhang auf steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, die Investitionen in entsprechend qualifizierte Neubauten begünstigen können. Die höheren Baukosten sollen sich dadurch langfristig rechnen.

Der Weg zum Bäckereibetreiber war nicht einfach
Während die Wohnungen vergleichsweise schnell vermietet waren, stellte die Suche nach einem geeigneten Betreiber für die Gewerbefläche eine größere Herausforderung dar. Die Stadt hatte sich ausdrücklich eine Bäckerei mit Café gewünscht. Doch dafür musste zunächst ein Unternehmen gefunden werden, das bereit war, in diesen Standort zu investieren.
Merz berichtete von zahlreichen Gesprächen mit unterschiedlichen Interessenten. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten der Familie Keller und der Bäckerei s’Backkörble. Dabei ging es nicht einfach darum, einen fertig eingerichteten Laden zu beziehen. Die Bäckerei übernahm die Gewerbefläche im Rohbauzustand und musste selbst erheblich in den Innenausbau investieren.
„Du mietest dich hier ein in einen Rohbau. Und das muss man sagen: Hut ab, das kann nicht jeder“, würdigte Merz das Engagement des Bäckereiunternehmers. Die genaue Investitionssumme für den Innenausbau wurde nicht genannt. Dass es sich um einen erheblichen finanziellen Aufwand handelte, machte Merz allerdings deutlich.
Alles begann bei einem Sponsorenabend
Wie die Zusammenarbeit zustande kam, schilderte Bäckerei-Geschäftsführer Dietmar Keller. Die erste Begegnung, bei der das Projekt zur Sprache kam, habe bereits 2024 stattgefunden. Bei einem Sponsorenabend eines Sportvereins saß Keller mit Vertretern von Merz zusammen. Man kam ins Gespräch, unterhielt sich über verschiedene Themen und irgendwann auch über den geplanten Neubau auf der Spitalhöhe. Dabei erfuhr Keller, dass dort eine Bäckerei entstehen sollte. Zunächst blieb es bei diesem Gespräch. „Das lässt man dann einfach so stehen. Aber irgendwo war das dann so im Hinterkopf drin“, erinnerte sich Keller.
Ende vergangenen Jahres nahm Merz erneut Kontakt zu ihm auf. Danach entwickelten sich die Gespräche weiter. Allerdings war Keller keineswegs sofort überzeugt. Eine Bäckerei mitten in einem Wohngebiet erschien ihm zunächst durchaus riskant. „Am Anfang war ich sehr skeptisch: eine Bäckerei im Wohngebiet.“ Ein Wohngebiet habe normalerweise nicht die Kundenfrequenz, die eine Bäckerei an einer stark befahrenen Durchgangsstraße erwarten könne. Ob genügend Menschen den Weg in das neue Café finden würden, war deshalb zunächst offen.
„Ich habe mich getäuscht“
Inzwischen sieht Keller den Standort völlig anders. Die neue Filiale hatte bereits in der vergangenen Woche mit einer Art Soft-Opening den Betrieb aufgenommen. Schon die ersten Tage hätten gezeigt, dass die Nachfrage erheblich sei. „Aber ich habe mich getäuscht. Es ist hier ganz hohe Frequenz.“
Besonders überrascht ist Keller davon, wie viele Menschen sich im Wohngebiet bewegen. Spaziergänger, Familien mit Kindern und Bewohner der umliegenden Häuser kommen vorbei. Gerade an Sonntagen herrsche ein reger Betrieb. „Es sind viele Spaziergänger unterwegs, junge Familien, also es ist unglaublich, was am Sonntag hier unterwegs ist.“ Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf ist Keller entsprechend zufrieden. „Im Moment muss ich sagen, ist es super angelaufen. Hätte ich echt nicht gedacht.“
Ob sich die gute Entwicklung dauerhaft fortsetzt, wird sich zeigen müssen. Für den Bäckereiunternehmer ist der erste Eindruck jedenfalls ausgesprochen positiv.
Neunte Filiale – und bald auch italienisches Eis
Die Bäckerei auf der Spitalhöhe ist inzwischen die neunte Filiale des Unternehmens. Dietmar Keller hat damit einen weiteren Standort in der Region erschlossen. „Die neuesten sind immer die schönsten“, sagte der Geschäftsführer mit Blick auf die neue Einrichtung. Das Geschäft bietet neben Backwaren und Snacks auch einen Cafébereich.
Eine Besonderheit soll im kommenden Jahr hinzukommen: selbst hergestelltes italienisches Eis. Keller erklärte, dass man zunächst überlegt habe, bereits zur Eröffnung Eis anzubieten. Doch im Oktober sei der Beginn der Eissaison wenig sinnvoll. Stattdessen soll das Angebot im März 2027 starten. Dann können die Gäste auf der Terrasse nicht nur Kaffee und Kuchen genießen, sondern auch Eis essen.
Die Terrasse liegt auf städtischem Grund
Eine wichtige Rolle für das Gesamtkonzept spielt der Außenbereich des Cafés. Die Terrasse öffnet sich zum Werner-Guhl-Platz und befindet sich auf städtischem Grund. Keller dankte der Stadt ausdrücklich dafür, dass diese Nutzung ermöglicht wurde. Das sei keineswegs selbstverständlich.
Gerade diese Verbindung zwischen Bäckerei und öffentlichem Platz macht aus Sicht der Beteiligten den besonderen Reiz des Standorts aus. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Spielplatz. Spazierwege führen durch das Quartier. Für Familien mit Kindern, ältere Menschen und Spaziergänger entsteht so ein Anlaufpunkt.
Keller hofft, dass die Aufenthaltsqualität noch zunimmt, wenn die Bepflanzung des Platzes weiter wächst. „Wenn mal alles noch ein bisschen schöner grün wird, ist bestimmt ein toller Platz.“
Die Stadt investiert rund 310.000 Euro in den Platz
Auch die Stadt Rottweil hat Geld in die Hand genommen, um das Umfeld des Neubaus zu gestalten. Wie die NRWZ bereits im Februar berichtete, hatte der zuständige Bauausschuss die Gestaltung des Werner-Guhl-Platzes beschlossen. Damals wurden die Kosten auf rund 310.000 Euro beziffert. Im Haushalt waren 350.000 Euro vorgesehen. Die Planung umfasst unter anderem Bäume, Grünflächen, Sitzmöglichkeiten und befestigte Flächen für die Außengastronomie. Entlang der Straße sind zehn öffentliche Parkplätze vorgesehen.
Gerade diese Stellplätze hatten im Bauausschuss allerdings auch für Diskussionen gesorgt. Während die Mehrheit die Planung unterstützte, hielt Stadtrat Dr. Jürgen Mehl die Zahl der Parkplätze für zu hoch. Bei der Vorstellung des fertigen Neubaus hob Oberbürgermeister Ruf dagegen hervor, wie wichtig solche Stellplätze gerade für eine Bäckerei seien. Das Zusammenspiel aus öffentlichem Platz und privatwirtschaftlich betriebenem Café bezeichnete er als gelungen.
Ein Haus mit besonderer Bedeutung für Bernhard Merz
Für Bernhard Merz hat das Projekt nicht nur eine geschäftliche und architektonische Bedeutung. In seiner Rede ging er auch auf den Namensgeber des Platzes ein: Werner Guhl, den früheren Rottweiler Bürgermeister und Kämmerer. Merz berichtete von einer familiären Verbindung zu Guhl. Beide hätten erst vergleichsweise spät erfahren, dass sie miteinander verwandt seien. Umso mehr freue ihn, dass nun ausgerechnet an diesem Platz ein Gebäude seines Unternehmens entstanden sei. Auch deshalb sei es ihm ein Anliegen gewesen, dort etwas Besonderes zu verwirklichen.
Ausdrücklich dankte Merz dem Architekten Thomas Nagel, dem Investor Norbert Schäfer, den beteiligten Handwerksunternehmen und der Stadt Rottweil. Natürlich habe es während der Planung auch Abstimmungsbedarf gegeben, etwa bei den Parkplätzen und der Führung des Gehwegs. Insgesamt sei die Zusammenarbeit mit der Verwaltung aber sehr gut gewesen. Das Unternehmen sei bereits seit vielen Jahren in Rottweil tätig und habe zahlreiche Projekte umgesetzt.
Merz arbeitet an zahlreichen weiteren Wohnbauprojekten
Auch über das einzelne Gebäude hinaus bleibt Merz Wohnbau in der Region aktiv. Auf Nachfrage der NRWZ war bei der Vorstellung von rund 13 aktuellen Projekten die Rede. Dazu gehören weitere Wohnbauvorhaben in Rottweil sowie Projekte in den umliegenden Gemeinden. Unter anderem sind eine Seniorenwohnanlage in Villingendorf und weitere Wohnanlagen in der Region vorgesehen. Auch ein Neubauprojekt mit rund 30 Wohnungen in Rottweil wurde angesprochen.
Insgesamt bewegt sich die Zahl der Wohnungen, die Merz mit den laufenden Neubauprojekten realisiert beziehungsweise vorbereitet, nach den Angaben aus dem Gespräch in einer Größenordnung von etwa 100 Einheiten. Der Neubau am Werner-Guhl-Platz ist damit nur eines von mehreren Vorhaben des Unternehmens. Allerdings eines, das durch seine Lage und die Verbindung von Wohnen, Einzelhandel und öffentlichem Raum besonders sichtbar ist.
Ein Treffpunkt für das ganze Quartier
Bei der offiziellen Vorstellung wurde deutlich, dass die Beteiligten durchaus unterschiedliche Erwartungen mit dem Projekt verbunden hatten. Für Merz ging es darum, ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude wirtschaftlich erfolgreich zu realisieren. Für Investor Schäfer stand ein langfristig attraktives Wohn- und Geschäftshaus im Mittelpunkt. Dietmar Keller musste sich dagegen zunächst die Frage stellen, ob sich eine weitere Bäckereifiliale an einem Standort ohne ausgeprägten Durchgangsverkehr überhaupt rechnen würde. Und die Stadt Rottweil wollte erreichen, dass die Spitalhöhe nicht ausschließlich ein Wohngebiet bleibt, sondern mit dem Werner-Guhl-Platz auch einen lebendigen Mittelpunkt erhält.
Nach den ersten Betriebstagen scheint diese Rechnung aufzugehen. Keller berichtet von überraschend vielen Kunden, die Wohnungen sind vermietet und der öffentliche Platz erhält mit dem Café eine Nutzung, die Menschen anzieht. Oberbürgermeister Ruf wünschte der Familie Keller zum Abschluss seiner Ansprache einen erfolgreichen Start, zufriedene Kunden und eine möglichst gute Auslastung. Seine Wünsche an die Bäckerei fasste er so zusammen: „Immer volle Regale, abends leere Regale und zufriedene Kunden.“
Für die Spitalhöhe beginnt damit nach rund zehn Jahren der baulichen Entwicklung ein neuer Abschnitt. Aus einem weitgehend fertiggestellten Wohngebiet soll nun zunehmend ein gewachsenes Quartier werden – mit einem Platz, auf dem man sich trifft, und einer Bäckerei, die schon nach wenigen Tagen offenbar mehr Menschen anzieht als selbst ihr Betreiber erwartet hatte.







